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Tags: brecht, faust, goethe, teufel

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Alt 16.08.2011, 14:32   #1 (permalink)
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Goethes "Faust"

Ich muss zu meiner Schande gestehen, das ich mich bisher mit dem „Faust“ nie richtig auseinander gesetzt habe, aus meiner Schulzeit vor zig Jahren verschüttet

Nachdem nun mein Sohn damit in der Schule konfrontiert wird, lese ich natürlich flankierend mit.


Die anderen deutschen Klassiker sind mir ein Begriff, Schillers Werke, Kleist, Lessing, ja selbst Gottfried Keller mit seinen Kleidern, die Leute machen würden oder C.F. Meyers „Kuss von der Schanzel“ - es musste einfach mal wiede sein.... kenne und schätze ich .


Was ist denn dieser „Faust“ für ein Werk ? , das als das bedeutendste und meistzitierteste Werk der deutschen Literatur gilt ?


Von der Sprache einmal abgesehen, ist das Thema aus dem Faust Bildzeitungsniveau.
Was passiert denn da ? Schrieb Goethe gar mit 59 Jahren seine eigene Biographie ?


Ein seniler alter Knacker, mit schwindender Manneskraft, verbündet sich mit dem Teufel, um es sexuell noch einmal so richtig krachen zu lassen, macht sich mit triefendem Speichelfluss aus den Mundwinkeln an Margarethe heran, einer Minderjährigen , und schwängert sie, stiftet sie sogar zum Mord an ihrer Mutter an,. um ihr ungestört beizuwohnen
Und da der sexuelle Drang so groß ist, lässt er sich dann noch in seinen sexuellen Träumen die schöne Helena als Geist zuführen, heiratet sie und vergisst darüber Margarethe, die ihr Kind tötet und gerichtet wird.


Nicht Wissendurst war Triebfeder von Faust, sondern ganz profane Geilheit
Wie schon Brecht schrieb: ein Gelehrter und eine Minderjährige, das musste mit dem Teufel zugehen.

Geändert von krasnaja (16.08.2011 um 14:44 Uhr).
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Alt 17.08.2011, 19:30   #2 (permalink)
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Wer eine moderne, comichafte Umsetzung interessant findet, der kann sich mal hier durchklicken:
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(oder das Buch dazu kaufen)
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Alt 26.10.2011, 16:23   #3 (permalink)
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Zitat:
Zitat von krasnaja Beitrag anzeigen
Ich muss zu meiner Schande gestehen, das ich mich bisher mit dem „Faust“ nie richtig auseinander gesetzt habe, aus meiner Schulzeit vor zig Jahren verschüttet [..]
Hallo krasnaja,

das ist nicht weiter schlimm. Man kann sich ja schließlich nicht mit allem auseinander gesetzt oder beschäftigt haben...

Zitat:
Zitat von krasnaja Beitrag anzeigen
[..] Von der Sprache einmal abgesehen, ist das Thema aus dem Faust Bildzeitungsniveau.
Was passiert denn da ? Schrieb Goethe gar mit 59 Jahren seine eigene Biographie ? [..]
Das mit Sicherheit nicht, aber es könnten durchaus pikante Gedanken mit eingeflossen sein. Bekanntermaßen war Goethe ja zu keiner Zeit ein 'Kostverächter'. Das ganze aber darauf zu reduzieren, wäre sehr unklug und würde seinem Werk in keinster Weise gerecht werden.

Zitat:
Zitat von krasnaja Beitrag anzeigen
[..] Ein seniler alter Knacker, mit schwindender Manneskraft, verbündet sich mit dem Teufel, um es sexuell noch einmal so richtig krachen zu lassen, macht sich mit triefendem Speichelfluss aus den Mundwinkeln an Margarethe heran, einer Minderjährigen , und schwängert sie, stiftet sie sogar zum Mord an ihrer Mutter an,. um ihr ungestört beizuwohnen
Und da der sexuelle Drang so groß ist, lässt er sich dann noch in seinen sexuellen Träumen die schöne Helena als Geist zuführen, heiratet sie und vergisst darüber Margarethe, die ihr Kind tötet und gerichtet wird. [..]
Das hast du dermaßen bildlich und verständlich beschrieben, dass man den Eindruck gewinnen könnte - du wärest dieser 59-jährige Goethe gewesen, der gerade seine eigene (von dir oben unterstellt) Biographie schreiben wollte.
Fast so, als wärest du dabei gewesen. Ich bin begeistert.

Zitat:
Zitat von krasnaja Beitrag anzeigen
[..] Nicht Wissendurst war Triebfeder von Faust, sondern ganz profane Geilheit [..]
Weist du, wie ich diese Worte und auch die von oben drüber einordne?

Du hast Goethe mit seinem Faust, zwar etwas sehr eingeengt - deinem Sohn vielleicht auch nur nicht oft genug über die Schulter geschaut - ihn aber wahrscheinlich ganz treffend karikiert (den Goethe).

Und mit Karikaturen muss man leben können, auch wenn es manchmal etwas ins Fleisch sticht. Damit irgendwie klar zu kommen und es mit Humor zu nehmen, macht u.a. einen charakterfesten, erwachsenen Menschen aus.

Zitat:
Zitat von krasnaja Beitrag anzeigen
Wie schon Brecht schrieb: ein Gelehrter und eine Minderjährige, das musste mit dem Teufel zugehen.
Was bestimmte Dinge anbetraf, haben sich Brecht und Goethe nicht groß unterschieden...

So eine karikierte Interpretation kann man z.B. auch auf Shakespeares 'Ein Sommernachtstraum', 'Romeo und Julia', oder Dostojewskis 'Schuld und Sühne', 'Der Spieler', 'Der Idiot' oder auch auf Tolstois 'Anna Karenina', sowie andere Klassiker, versuchen.

Was dabei herauskommt, bleibt offen...(wahrscheinlich ist das auch schon passiert)

Karikieren ist immer auch Provokation, für die man eine Ader haben muss.
Das Provozieren war aber nicht die Intention für die Eröffnung dieses Threads gewesen?
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Geändert von Nafets (26.10.2011 um 16:28 Uhr).
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Alt 26.10.2011, 19:11   #4 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Nafets Beitrag anzeigen
Du hast Goethe mit seinem Faust, zwar etwas sehr eingeengt - deinem Sohn vielleicht auch nur nicht oft genug über die Schulter geschaut - ihn aber wahrscheinlich ganz treffend karikiert (den Goethe).
Maximal den späten Goethe, und auch den nur in Verzerrung - eben typisch Karikatur. Da der Mann aber über Jahrzehnte hinweg am Faust geschrieben hat - der "Ur-Faust" stammt noch aus seiner Zeit als jugendlicher "Stürmer und Dränger" - wird das dem Schöpfer des "Faust" aber nicht gerecht.

VG
Christian
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De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung)
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Alt 26.10.2011, 21:48   #5 (permalink)
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Zitat:
Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
Maximal den späten Goethe, und auch den nur in Verzerrung - eben typisch Karikatur. Da der Mann aber über Jahrzehnte hinweg am Faust geschrieben hat - der "Ur-Faust" stammt noch aus seiner Zeit als jugendlicher "Stürmer und Dränger" - wird das dem Schöpfer des "Faust" aber nicht gerecht.

VG
Christian
Du hast recht.
Letztlich war es ein Lebenswerk Goethes, beginnend in seiner Jugend bis zur Veröffentlichung des Faust II kurz nach seinem Tod.

Leider musste ich auf den 59-Jährigen eingehen, da der Faust I erst 1808 veröffentlicht wurde.


Beste Grüße von der Saale an die Donau
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Alt 05.11.2011, 12:37   #6 (permalink)
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Das mit Sicherheit nicht, aber es könnten durchaus pikante Gedanken mit eingeflossen sein. Bekanntermaßen war Goethe ja zu keiner Zeit ein 'Kostverächter'. Das ganze aber darauf zu reduzieren, wäre sehr unklug und würde seinem Werk in keinster Weise gerecht werden.



Das hast du dermaßen bildlich und verständlich beschrieben, dass man den Eindruck gewinnen könnte - du wärest dieser 59-jährige Goethe gewesen, der gerade seine eigene (von dir oben unterstellt) Biographie schreiben wollte.
Fast so, als wärest du dabei gewesen. Ich bin begeistert.



Weist du, wie ich diese Worte und auch die von oben drüber einordne?

Du hast Goethe mit seinem Faust, zwar etwas sehr eingeengt - deinem Sohn vielleicht auch nur nicht oft genug über die Schulter geschaut - ihn aber wahrscheinlich ganz treffend karikiert (den Goethe).

Und mit Karikaturen muss man leben können, auch wenn es manchmal etwas ins Fleisch sticht. Damit irgendwie klar zu kommen und es mit Humor zu nehmen, macht u.a. einen charakterfesten, erwachsenen Menschen aus.



Was bestimmte Dinge anbetraf, haben sich Brecht und Goethe nicht groß unterschieden...

So eine karikierte Interpretation kann man z.B. auch auf Shakespeares 'Ein Sommernachtstraum', 'Romeo und Julia', oder Dostojewskis 'Schuld und Sühne', 'Der Spieler', 'Der Idiot' oder auch auf Tolstois 'Anna Karenina', sowie andere Klassiker, versuchen.

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Karikieren ist immer auch Provokation, für die man eine Ader haben muss.
Das Provozieren war aber nicht die Intention für die Eröffnung dieses Threads gewesen?
Nein, die von Ihnen als meine eigene biografisch angenommene Karikatur der Person des Faust und der meiner Lebenssituation, stimmt weder für mein, noch für die , der im Faust handelnden Weiblichkeit, ledilich der Alterunterschied stimmt. .


Der destaströse Ausgang der ersten Klassenarbeit meines Sohnes zum Thema Faust, hat nun den Deutschlerer bewogen, den Faust „fallen zu lassen“ und sich stattdessen dem ergiebigeren Thema „Leiden des jungen Werthers“ zu widmen, das natürlich absolut in die Gefühlswelt einer Klasse mit 17 Jährigen passt ? .
Vielleicht, was die tapsenden Startversuche der Jungs beschreibt , nicht jedoch dem bereits zielstrebigen Geradeauslauf der Mädchen .


Als ich mein ebenfalls verschüttetes Wissen zu diesem Werk Goethes auffrischte, kam mir spontan Klaus Lage in den Sinn, der mit dem „Tausendmal berührt ….“
Und wenn es dann am Ende „zoom machte“ wie nach der Rückkehr Werthers , dann fällt mir sofort nur das 9. Gebot ein, das letzlich zum Dreh und Angelpunkt der Leiden des Werthers wird.

Der etwas flapsige, dennoch wahre Spruch: es gibt nicht nur ´ne Handvoll, es gibt ein ganzes Land voll sollte mehr Beachtung beim temporären Herzeleid finden.

Trauern ist notwendig, nicht jedoch bis zur Zerstörung der Selbstachtung.

Und was Brecht angeht, der hat es in Buckow auch ganz schön knallen lassen.

Geändert von krasnaja (05.11.2011 um 12:39 Uhr).
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