Meine Mutter wird am morgigen Tag 90 Jahre alt. Sie hat in diesem Zeitraum alles erlebt im positiven und negativen Sinne was das vorige Jahrhundert und dieses zu bieten hat.
Sie wurde am 6.5.1920 in Kassel als Tochter eine Schlossers und einer Köchin geboren. Sie besuchte die höhere Handelschule in Kassel. Da noch Schulgeld gezahlt werden mußte, wusch und bügelte meine Oma ihre Muter für andere Leute nachts Wäsche, da sie sich am Tage um ihre Tochter kümmern mußte. Mein Opa ihr Vater war von 1930 bis 1933 arbeitslos und trat deswegen im März 1933 der Nazipartei bei..
Im selben Haus wie meine Mutter lebte mein Vater als Sohn eines kleinen Postbeamten und einer Hausfrau. Sie lernten sich im Laufe der Zeit kennen und lieben und heirateten am Anfang des Krieges. Ich wurde am 5.9.1941 geboren und mein Vater fiel am 10.12.1941 bei einem kleinen Dorf vor Kalinin (heute Twer) vor Moskau. Ihn erreichte noch die Nachricht, dass ich geboren wurde.
Während des Krieges heiratet meine Mutter nochmal, der Mann wurde nach Belgard in Pommern versetzt und wir zogen mit ihm dorthin. Er verblieb 1945 dort. Wir machten uns auf die Flucht vor den Russen bis nach Kassel (habe das alles in meinem Lebenslauf beschrieben).
Da unser Häuschen stehengeblieben war half meine Mutter als Trümmerfau anderen Familien beim Steineklopfen. 1945 verlor sie auch Ihren Vater, der als ehemaliger Nazi Brandbomben entschäfen mußte und dabei von einem amerik.Captain,der aus Jux und Dollerei einen Sprengkörper ins Feuer geworfen hat, an dem sich mein Opa gerade wärmte, getötet wurde. Die Leiche wurde 14 Tage nicht freigegeben und der Captain versetzt.
Sie arbeitete als Stenotypistin beim Versorgungsamt in Kassel. Bei einem Gewerkschaftslehrgang lernte sie ihren jetzigen Mann kennen und sie heirateten 1952, mein Bruder wurde 1953 geboren. Dei mein Stiefvater nur 70 Mark in der Woche verdiente, ging meine Mutter wieder arbeiten und legte in der Nacht Reklame in die Frankfurter Rundschau um am Tage Zeit für ihre Kinder zu haben.
Ich kam 1953 auf die Falk-Mittelschule nach Frankfurt/M.
Da sie eine sehr pragmatische Frau war, ging bei mir auch alles in der Schule gut.Einmal schrieb sie mir eine Entschuldigung für eine Englischarbeit, da ich schon drei Dreier hatte und mich nicht mehr verbessern sondern nur vereschlechten konnte. Sie malte jedes halbes Jahr meine Bilder für Zeichnen, da ich ein schlechter Zeichner war. Der Lehrer bestätigte dann mir immer wieder, dass ich doch ein echt kindliches Gemüt habe.

Ich machte auf dieser Schule die Mittlere Reife.
So gingen die Jahre ins Land. Ich heiratete und wir bekamen einen Sohn. Vom Sohn gibt es inzwischen zwei reizende Enkelchen, zu besichtigen auf meinen Benutzerbild. Mein Bruder heiratete und hat einen Sohn und eine Tochter, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt.
Meine Mutter ist geistig noch rege, nur mit dem Laufen hat sie es so nicht mehr. Sie benutzt eien Rolator, leider ist sie inkontinent, aber dafür gibt es Papierwindeln.
Meine Mutter hat zwei Söhne, drei Enkelkinder und schon zwei Urenkel. Gefeiert wird am Samstag den 8.Mai in der Gaststätte "Niddagarten", Am Ginnheimer Wäldchen.