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05.12.2010, 22:59
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#21 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 19.11.2010 Ort: Leipzig
Beiträge: 1.032
| Die Portugiesen waren wohl die besseren Seefahrer, die Spanier aber die besseren Soldaten. Die Portugiesen waren wohl auch eher an Handelsbeziehungen interessiert, während die Spanier eher Landbesitz anstrebten. |
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05.12.2010, 23:12
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#22 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 18.03.2010 Ort: Hessen
Beiträge: 1.352
| Korrekt. Portugal hatte mit ca. 1 Mio. Einwohner gar nicht die 'Man-Power' um im Landesinneren eroberte/besetzte Gebiete zu halten.
Von daher beschränkte man sich auf die Küstenregionen und war vor allem am Gewürzhandel (Stichwort Mamelucken) interessiert.
Aus ihrem (POR) Status als Seefahrernation ergab sich zwangsweise das Handelsinteresse. |
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05.12.2010, 23:31
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#23 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 19.11.2010 Ort: Leipzig
Beiträge: 1.032
| Nach 1640 geriet ja Portugal in die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von England. Interessant ist der Methuen-Vertrag von 1703, in dem der Austausch englischer Textilien gegen portugiesischen Wein (Portwein) vereinbart wurde. Dies führte einerseits zum Niedergang der portugiesischen Woll- und Textilindustrie, andererseits aber auch zur Monokultur (Wein) in der Landwirtschaft.
Interessant finde ich auch die Parallelen in der Entwicklung Spaniens und Portugals (z.B. im 18. Jahrhundert die Reformen - Marquis Pombal/Karl III., im 19. Jh. die Bürgerkriege - Miguelistenkrieg/Karlistenkriege oder im 20. Jh. die Diktaturen Salazars bzw. Francos. Aber auch die Unterschiede, so die Revolutionen in Portugal 1910 bzw. 1974 oder der Bürgerkrieg in Spanien 1936-39 sind interessant. |
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06.12.2010, 00:16
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#24 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 18.03.2010 Ort: Hessen
Beiträge: 1.352
| Klaro. Alles sehr interessant. Können wir gern auch erörtern.
Hier ging es aber vor allem darum, warum sich Spanien nicht Portugal einverleibt hat.
Ich glaube der Vertrag von Tortesillas ist ein Meilenstein.
Eines der bisher noch nicht wirklich gelösten Rätsel der Geschichte ist nämlich, warum Spanien nach der Papstbulle diesem Vertrag (der eine Verschiebung der Demarkationslinie darstellt) zugestimmt hatte.
Stichwort Brasilien  |
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06.12.2010, 01:40
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#25 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 19.11.2010 Ort: Leipzig
Beiträge: 1.032
| Also ich denke, dass Portugal im Vertrag von Tordesillas (1493) vorrangig an einer Absicherung seiner Handelswege interessiert war. 1488 waren sie ja am Kap der Guten Hoffnung, 1498 gelangte Vasco da Gama nach Indien. 1501 erreichte Cabral Brasilien. Möglicherweise verfügten die Portugiesen damals schon mehr geografisches Wissen, als ihnen bisher zugestanden wurde.
Zur Rolle Spaniens: Eigentlich müsste es noch Kastilien und Aragon heißen, denn Isabella war Königin von Kastilien und Ferdinand der Katholische war nur König von Aragon, d.h. er war in Kastilien nur eine Art Prinzgemahl, sie in Aragon nur Königin als Ehefrau. Um nicht abzuweichen, nach 1504 musste Ferdinand um die Einheit beider Länder kämpfen und seine labile Tochter Johanna die Wahnsinnige inhaftieren lassen. Erst bei Karl I. (Karl V.) kann man von einen spanischen König sprechen.
Ich denke, dass es den katholischen Königen vorrangig um die Absicherung des neu entdeckten Seeweges nach Amerika (bzw. im damaligen Wissen nach Indien) ging. Das ganze Ausmaß der Entdeckung von Kolumbus wurde aber 1493 noch nicht durchschaut.
Papst Alexander VI. war im Übrigen ein Katalane. Vielleicht benötigte Ferdinand der Katholische die Hilfe des Papstes bei der Einverleibung des Königreichs Neapel (so 1500 geschehen). 1493 herrschte dort noch eine unabhängige (uneheliche) Seitenlinie des Hauses Aragon, die sich im Mittelmeerraum als unliebsame Konkurrenz Aragons etablierte.
Aragons Interessen im Mittelmeerraum besaßen 1493 auf alle Fälle noch den Vorrang und die geografischen Kenntnisse der Aragonesen über Gebiete außerhalb Europas waren wesentlich schlechter als die der Portugiesen, so dass dem Vertrag zugestimmt wurde. Ansonsten würde es das heutige Brasilien in dieser Größe nicht gegeben. |
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06.12.2010, 03:32
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#26 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 18.03.2010 Ort: Hessen
Beiträge: 1.352
| Der rätselhafte und geschichtsträchtige Vertrag von Tordesillas Vertrag von Tordesillas
Aus Kolumbus Entdeckung Amerikas ergab sich ein Konflikt zwischen den Weltmächten Spanien und Portugal hinsichtlich ihrer Ansprüche auf neu entdecktes Land.
Auf Verlangen der spanischen Regierung erließ Papst Alexander VI. 1493 einen Schiedsspruch, der ein spanisches Erforschungsmonopol im Atlantik westlich einer willkürlich festgelegten Linie festlegte.
Portugal erhob Einspruch, was schließlich 1494 zum Vertrag von Tordesillas führte, in dem sich beide einigten, diese Linie weiter nach Westen zu rücken.
Man einigte sich auf eine imaginäre 370 leguas (spanische Meile = 5 1/3 km) westlich der Kapverdischen Inseln von Pol zu Pol verlaufende Demarkationslinie.
Die Länder westlich dieser neuen Linie, etwa entlang des 46. Grads westlicher Länge, sollten Spanien, die im Osten Portugal zufallen.
Aufgrund dieser Einteilung lagen Mittelamerika und fast das gesamte Südamerika im Einflussgebiet Spaniens.
Warum erhob Portugal Einspruch? Und warum stimmte Spanien dieser Verschiebung der Demarkationslinie zu?
Eines der große Rätsel der Geschichte!
In Charles Edward Novell, The Treaty of Tordesillas and the Diplomatic Background of Arnerican History. In: Greater America 1945 steht hierzu: Zitat:
Es gibt starke Indizien, dass auf diese Weise bereits Ende der 1480er Jahre "im Vorbeifahren" Brasilien entdeckt worden ist und nicht erst 1500.
Wenn die These stimmt, dann haben die Portugiesen diese Entdeckung in kluger Absicht verheimlicht.
Anders ist ihr Bestreben, im Zuge der Verhandlungen mit Kastilien über die Demarkationslinie des Vertrages von Tordesillas diese nach Westen zu verschieben, nicht plausibel zu erklären.
| In o.a. Quelle Ulrich Menzel, 6. Fallstudie am Inst. f. SW TU-Braunschweig. Portugal 1494-1580: "Seaborne Empire" oder Hegemonialmacht im Indik? finden wir: Zitat:
Portugal gewann in Tordesillas die Kontrolle des Seewegs nach Indien und den Zugriff auf den Gewürzhandel, Spanien die potentielle Kontrolle über einen großen Teil des amerikanischen Kontinents und damit den Zugriff auf das internationale Zahlungsmittel, das Europa im Asienhandel so sehr entbehrte.
So gesehen war es doch ein Kompromiss.
Und Tordesillas verstärkte die geopolitisch bereits angelegte Orientierung Portugals als Seemacht und Spaniens als Landmacht.
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Geändert von adwi (06.12.2010 um 03:40 Uhr).
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06.12.2010, 17:45
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#27 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
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| Womit letztlich bestätigt wird, was ich denke. Die Portugiesen verfügten 1493/94 über ein weit größeres geografisches Wissen als die Spanier und vor allem über ein Geheimwissen. Vorstellbar ist, dass die Portugiesen angeschwemmtes Holz (oder andere Güter) an den westafrikanischen Küsten vorfanden und vielleicht deshalb schon in den 1480-er Jahren die brasilianische Küste entdeckten. Ebenso kann es eine Zufallsentdeckung gewesen sein. Letztlich weiß man auch nichts über die geografischen Kenntnisse und seefahrerischen Fähigkeiten der westafrikanischen Bevölkerung, möglicherweise erhielten die Portugiesen von dort Informationen.
Sei es wie es ist. 1494 stimmten die Spanier dem Vertrag von Tordesillas zu, da sie die Unterstützung Alexanders VI. in ihrer Mittelmeer- und Italienpolitik benötigten. Es ist richtig, dass der Vertrag immense Bedeutung für die Geschichte hat. Allerdings muss man beachten, dass England und Frankreich diesen Vertrag nie akzeptierten und 1529 im Vertrag von Saragossa die spanischen und portugiesischen Einflussphären im Osten neu geregelt worden. |
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06.12.2010, 18:35
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#28 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
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| Holland stimmte auch nicht zu.
1529 beim Vertrag von Saragossa stellte sich zudem die Frage, wie weit die Linien gezogen werden können (Erde = Kugelgestalt).
Die Frage bleibt dennoch: Warum hat Spanien trotzt päpstlicher Bulle der Verschiebung zugestimmt? |
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06.12.2010, 20:04
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#29 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
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Beiträge: 1.032
| Vielleicht aus einem ganz banalen Grund, man wollte den Frieden mit Portugal beibehalten. 1494 begannen mit der französischen Invasion in Italien die Italienischen Kriege, die zur Eroberung des Königreichs Neapel durch Karl VIII. führte. Während der Auseinandersetzungen mit Frankreich wollte Spanien keinen Konflikt mit Portugal und stimmte deshalb zu, in Unkenntnis über die tatsächliche Landmasse ... (passiert, 1867 verkaufte Russland Alaska an die USA für ein paar Millionen Dollar ...) |
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14.07.2011, 12:01
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#30 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 09.04.2011 Ort: Nürnberg
Beiträge: 77
| Noch ein kleiner Nachtrag: Warum wurde 1484 der Plan, Indien auf dem Westweg zu erreichen, von portugiesischen Seefahrtsexperten abgelehnt, von Spanien aber ein paar Jahre später akzeptiert? Erdradius ? Wikipedia Christoph Kolumbus ? Wikipedia
Ganz einfach, in Portugal hatte man schon eine ganz gute Vorstellung davon, wie groß der Erdumfang ist, in Spanien dagegen war man noch reichlich ahnungslos.
Das kam daher, weil Portugal als einzige Nation schon ausgedehnte Seereisen in Nordsüdrichtung unternahm.
Und wenn man nun den Breitengrad…
…der ließ sich relativ leicht feststellen, indem man nachts die Höhe des Himmelspols über dem Horizont maß, oder am Tag die Sonnenhöhe während der Mittagszeit maß…
…ermittelte, stellte man fest:
Aha, wir sind jetzt 1000 Kilometer nach Süden gefahren, der Breitengrad hat sich um 9° verringert, 360° macht den Erdumfang aus. Eine einfache Dreisatzrechnung ergibt nun 40 000 Kilometer als Erdumfang.
Es ist erstaunlich, dass derart einfaches Wissen über 1500 Jahre in Vergessenheit geraten konnte. |
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