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Tags: aberglaube, hexenverfolgung, inquisition, ketzer

Thema geschlossen
Alt 05.02.2008, 11:46   #1 (permalink)
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Rang: Kellermeister
 
Benutzerbild von Xiron
 
Registriert seit: 05.02.2008
Ort: Neu-Ulm
Beiträge: 21
Xiron befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Hexenverfolgungen bzw. Inquisition

Eins gleichmal vorneweg: Mir ist durchaus klar das die meisten Hexenverfolgungen nicht im Mittelalter stattgefunden haben!

Hier liegt auch gleich ein großer Reiz des Threads - und eine wichtige Frage an euch: Warum glaubt ihr, dass die meisten Leute Hexenverfolgungen heute immernoch mit dem Mittelalter in Verbindung bringen?

Weitere Fragen könnten sein: Welche Ketzerbewegungen gab es? Wie ging die Inquisition gegen diese vor? Worin unterschieden sich Ketzer- von Hexenprozessen? U.v.m.

Viel Spaß beim Diskutieren!!!
Xiron ist offline  
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Alt 05.02.2008, 17:51   #2 (permalink)
Erfahrener Benutzer
Rang: Majestät
 
Benutzerbild von 913Chris
 
Registriert seit: 31.01.2008
Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick
Zitat:
Zitat von Xiron Beitrag anzeigen
Warum glaubt ihr, dass die meisten Leute Hexenverfolgungen heute immer noch mit dem Mittelalter in Verbindung bringen?
Weil das ins "finstere" Mittelalter gehören zu scheint? Weil wir allzu Gräusliches über die Inquisition gehört haben, die ja im Mittelalter startete? Deren (neuzeitliche) Autodafés in Spanien und die Scheiterhaufen für die Hexen haben ja tatsächlich was miteinander zu tun.
Ales, was brutal und religionsfixiert ist, wird ins Mittelalter gesteckt. Sag doch mal jemandem ohne grosses historisches Hintergrundwissen, der 30jährige Krieg hätte nicht im Mittelalter stattgefunden, sondern wäre der eigentliche Beginn der Neuzeit!

VG
Christian
913Chris ist offline  
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Alt 05.02.2008, 21:55   #3 (permalink)
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Rang: Knappe
 
Benutzerbild von HeinrichMakowsky
 
Registriert seit: 05.02.2008
Ort: Bamberg
Beiträge: 8
HeinrichMakowsky befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ich denke es liegt auch eine gute Teilschuld des Glaubens Hexenverfolgung wäre Mittelalter, da sämtliche Pseudowissenschaftlichen Filme, Bücher und Dokus uns das glauben machen. Es ist wie in diesem geschichtliche Irrtümer Thread: Was die Medien und das Hörensagen verbreiten, daran glaubt man...
HeinrichMakowsky ist offline  
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Alt 06.02.2008, 13:43   #4 (permalink)
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Rang: Torwächter
 
Benutzerbild von Titus
 
Registriert seit: 02.02.2008
Beiträge: 18
Titus befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Kann meinen Vorrednern da nur zustimmen. Man denke nur an Filme wie "Der Name der Rose" oder auch die Johanna von Orleans - Verfilmungen, wo im tiefsten Mittelalter Frauen als "Hexen" auf dem Scheiterhaufen landen.
Man verbannt das Thema einfach in das "weit" zurückliegende "finstere" Mittelalter. Dass aber im 20. Jahrhundert weltweit, vor allem in Afrika, mehr Frauen als "Hexen" hingerichtet wurden als je zuvor, bleibt oftmals unerwähnt.
Titus ist offline  
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Alt 06.02.2008, 17:22   #5 (permalink)
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Benutzerbild von Xiron
 
Registriert seit: 05.02.2008
Ort: Neu-Ulm
Beiträge: 21
Xiron befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
Zitat von Titus Beitrag anzeigen
Kann meinen Vorrednern da nur zustimmen. Man denke nur an Filme wie "Der Name der Rose" oder auch die Johanna von Orleans - Verfilmungen, wo im tiefsten Mittelalter Frauen als "Hexen" auf dem Scheiterhaufen landen.
Mann sollte aber dazu erwähnen, dass es AUCH im Mittelalter durchaus Hexenverbrennungen gegeben hat - nur halt wesentlich weniger als danach!
Oder täusche ich mich da jetzt?
Xiron ist offline  
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Alt 06.02.2008, 17:41   #6 (permalink)
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Benutzerbild von benny88
 
Registriert seit: 02.02.2008
Beiträge: 21
benny88 befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Nein, du täuscht dich nicht. Natürlich gab es schon im Mittelalter vereinzelte Hexenverbrennungen, vor allem im Spätmittelalter. Nur hatten diese mit der kirchlichen Inquisition herzlich wenig zu tun.
Das Gros der Menschen, die auf den mittelalterlichen Scheiterhaufen verbrannten, waren Ketzer.
Der Höhepunkt der Hexenverfolgung (im Sinne der Hexenjagd, die eben keine klerikalen Kräfte sondern abergläubische Laien praktizieren) war dann erst ca. 150 Jahre nach dem Ende des Mittelalters.
Den eigentlichen Startschuss dazu gab nämlich erst der "Hexenhammer" - Malleus Maleficarum - vom Dominikaner Heinrich Kramer, und jenes Werk kam erst 1486 in Speyer auf den Markt.
benny88 ist offline  
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Alt 10.02.2008, 18:28   #7 (permalink)
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Benutzerbild von Hägar der Schreckliche
 
Registriert seit: 10.02.2008
Ort: Duisburg
Beiträge: 15
Hägar der Schreckliche befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
Zitat von benny88 Beitrag anzeigen
Den eigentlichen Startschuss dazu gab nämlich erst der "Hexenhammer" - Malleus Maleficarum - vom Dominikaner Heinrich Kramer, und jenes Werk kam erst 1486 in Speyer auf den Markt.
Mich würd mehr zum Thema Hexenhammer interessierne.
Was stand da genau drin, was war der Verfasser für eine Persönlichkeit, usw.
Auch sie Auswirkungen, die das Buch letztendlich hatte, sind interessant. War sein Einfluss wirklich so entscheidend?

Ach ja: Was meinst Du mit "auf den Markt kommen"? Das Buch war doch sicher nicht für Jedermann, sofern er lesen konnte, einzusehen?
Hägar der Schreckliche ist offline  
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Alt 11.02.2008, 11:40   #8 (permalink)
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Benutzerbild von PeggySue
 
Registriert seit: 04.02.2008
Ort: Nürnberg
Beiträge: 23
PeggySue befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ein ziemlich guter Film zum Thema ist "Witchfinder General" von Michael Reeves. Dieser ist übrigens im Jahr 1645, also während des englischen Bürgerkriegs angesiedelt. Ich finde, daß hier die Absurdität und Brutalität, die in dieser Zeit herrschte, ziemlich gut zum Tragen kommt.
Leider keine Ahnung, wo man den Film am besten als ungeschnittene Version herkriegt...
PeggySue ist offline  
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Alt 13.02.2008, 12:16   #9 (permalink)
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Benutzerbild von Xiron
 
Registriert seit: 05.02.2008
Ort: Neu-Ulm
Beiträge: 21
Xiron befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Also von dem Film habe ich auch schon gehört, ihn aber leider noch nicht gesehen.
Der "Witchfinder General", ein berühmt-berüchtigter Hexenjäger, der im England des 17. Jahrhunders tätig war.
Weiß jemand hier vielleicht mehr über diesen Mann oder allgemein zu den Hexenverfolgungen in England?
Im Hlg. Römischen Reich waren ja in er ersten Hälfte des 17. Jh. die schlimmsten Verfolgungswellen überaupt im Gange!
Xiron ist offline  
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Alt 13.02.2008, 13:37   #10 (permalink)
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Benutzerbild von benny88
 
Registriert seit: 02.02.2008
Beiträge: 21
benny88 befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Möchte auf Hägars Frage antworten.
Also der "Hexenhammer" kam 1486 heraus, zu einer Zeit, wo der neu erfundene Buchdruck die Verbreitung ungeheuer begünstigte. Bis ins 17. Jahrhundert wurde er 29 mal neu aufgelegt.

Der Autor Kramer, war ein paranoider Inquisitor, und als er damit mehrmals scheiterte, sammelte er vor allem landläufige Meinungen und Ansichten über Hexen und schrieb sie nieder.
Im Grunde ist es eine Sammlung von Vorurteilen und Klischees über (vor allem weibliche) Hexen, wie man sie erkennt, gegen sie vorgehen kann usw.

Ein Auszug:
"Frauen neigen eher zur Magie als Männer, da sie in allen Kräften der Seele wie des Körpers mangelhaft sind. So dass sie gegen die, mit denen sie wetteifern (Männer) mehr Schadenszauber geschehen lassen."

Wirkliche Kraft konnte dieses Werk aber nur durch die Hexenbulle des Papstes Innozenz VIII. erhalten, der die Hexenverfolgung schon zwei Jahre zuvor von oberster Stelle legitimierte.
Das Buch war zwar damit nicht der Ursprung der nun sich enorm ausweitenden Hexenverfolgungen, aber es begünstigte sie natürlich enorm. Denn im Endeffekt konnte bald jeder Laie einen Blick hinein werfen, und hatte nun quasi eine Anleitung, wie er unbeliebte Nachbarn / Familienmitglieder anklagen und loswerden konnte.

Empfehle dazu:

Elli's Hexenlexikon


Geändert von benny88 (13.02.2008 um 13:39 Uhr).
benny88 ist offline  
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