| TagCloud | | |  | |
12.04.2008, 11:09
|
#1 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 07.03.2008
Beiträge: 7.189
| Epochengrenze-Mittelalter Eine Frage die sich in der Geschichte immer wieder stellt ist wann einer Epoche aufhört und eine andere beginnt. Hier möchte ich eine Frage dazu stellen.
Wann beginnt und wann endet eurer Meinung nach das Mittelalter? |
| |
12.04.2008, 23:36
|
#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Schwierige Frage. Im allerersten Prosemnar gab uns Prof.Dickerhof diese Nuss zu knacken. Das Gemeine: Man kann keine genaue Grenze zwischen Antike und Mittelalter sowie zwischen Mittelalter und Neuzeit ziehen; beide Epochengrenzen sind eher Übergänge, bei denen Entwicklungen eine Rolle spielen, keine Ereignisse.
So endet die Antike mit dem Untergang des Weströmischen Reichs. Oder doch schon mit dem Beginn der Völkerwanderung? Wann soll man den ansetzen? Mit den Kimbern und Teutonen? Mit den ersten Germaneneinbrüchen? Oder mit der Gründung des Reichs der Burgunder Anfang des 5.Jhs.? Vielleicht endete die Antike aber erst mit den Franken? Und mit welchem Frankenkönig? Alle verstanden sich als Nachfolger und Statthalter des römischen Kaisers - mithin als antike Herrscher.
Oder sollte man das Problem andersrum angehen - wann begann das Mittelalter? Mit der Absetzung des Romulus Augustulus? Oder mit Karl dem Großen? Oder solte man´s kulturell definieren? Etwa so: Das Mittelalter begann mit dem Aufblühen der Klöster in Europa? Also etwa mit dem Auftreten der ersten iroschottischen Missionare? War dann etwa Justinian kein antiker Herrscher mehr?
Wie gesagt: Es war eine Entwicklung, die von der Antike ins Mittelalter überleitete.
Einige Entwicklungen begannen in der Antike, einige endeten erst mitten im Mittelalter. Zwischen 4.Jh. und 9.Jh. befindet sich dieser fliessende Übergang.
Ebenso geht´s am Ende des Mittelalters - die rhetorischen Fragen lass ich diesmal. Erste Elemente, die das Etikett "neuzeitlich" verdienen, tauchen schon im 13.Jh. auf, letzte mittelalterliche Elemente lassen sich noch im 17.Jh. feststellen.
VG
Christian |
| |
13.04.2008, 01:49
|
#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 13.03.2008
Beiträge: 5.208
| m.M Die Renaissance als Übergangszeit könnte herhalten.
Das alte Wissen der Antike soll dabei vom untergegangenen Byzanz nach Italien gekommen sein. Neue Ideen des Humanismus hellten die dunklen Ecken des Mittelalter auf.
Die Gesellschaft veränderte sich, der Zeitgeist wurde sanfter...ein frischer Wind zeigte den Weg in die Zukunft.
Quelle: Wikipedia |
| |
13.04.2008, 10:24
|
#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 07.03.2008
Beiträge: 7.189
| [quote=913Chris;2897]Servus!
Schwierige Frage. Im allerersten Prosemnar gab uns Prof.Dickerhof diese Nuss zu knacken. Das Gemeine: Man kann keine genaue Grenze zwischen Antike und Mittelalter sowie zwischen Mittelalter und Neuzeit ziehen; beide Epochengrenzen sind eher Übergänge, bei denen Entwicklungen eine Rolle spielen, keine Ereignisse.
Sehr interessanter Beitrag der zum Nachdenken anregt. Es stimmt die zeiten sind nicht überall gleich angebrochen. Ich habe für mich persönlich zwar eine Eingrenzung aber die finden sicher manche etwas eigen und ich melde keinen wissenschaftlichen Anspruch darauf an. Diese wäre von 800 (Kaiserkrönung Karls des Großen) bis 1648 (Ende des 30. Jährigen Krieges). Karl der Große gilt als der Vater Europas und hat auch so was wie den Keim des späteren Europas gebildet. Und nach dem 30. Jährigen Krieg hatte die Kirche erheblich an Macht eingebüßt. Ich weiß aber das die meisten eher 1492 als Punkt sehen an dem das Mittelalter endet.
Du hast sicherlich vollkommen recht, es kommt ja auch darauf an aus wessen sicht man es sieht. Sieht man es vom Politischen her oder von dem her wie sich das Alltagsleben veränderte? Also nochmals sehr gute Analyse der Problematik. |
| |
14.04.2008, 10:08
|
#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Kanzler
Registriert seit: 20.02.2008
Beiträge: 813
| Meine Meinung: Gutenbergbibel und 95 Thesen Natürlich gilt fraglos das von meinen Vorrednern gesagte: Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist ein fließender, manches ist noch lange mittelalterlich, manches schon längst neuzeitlich.
Für mich stehen 2 Ereignisse symbolhaft für den Beginn der Neuzeit 1452 - die Gutenberg-Bibel
Man kann die Bedeutung des Buchdrucks wohl gar nicht überschätzen: Das Wissen und die Bildung verlässt die Klöster. Die Bildung wird erschwinglicher. Nachrichten können schnell und verlustfrei verbreitet werden. Das Buch ist nicht mehr Schatz, sondern Gebrauchsgegenstand.
Der Buchdruck hilft dem dritten Stand seine Bedeutung auszubauen. Er macht die philosophische Höhenflüge eines Hobbes, eines Smith, eines Descartes, eines Kant, eines erst möglich. 1517 - Anschlag der 95 Thesen
An sich waren Luthers Thesen gar nicht so neu und nicht so einzigartig. Wycliff und Huss haben sich schon früher ähnlich geäußert. Doch Luthers Aktion war aber der Anfang einer Umwälzung: Die katholische Kirche verlor ihr Monopol. Halb Europa wandte sich vom Papsttum ab.
Der Beginn der Reformation ist auch ein sichtbares Anzeichen, dass die neuzeitlichen Menschen das Christentum nicht mehr als Dreh- und Angelpunkt ihres Daseins sehen, sondern dass andere Werte an Präsenz gewinnen.
Diese beiden Ereignisse haben zwar europäische Bedeutung, allerdings sind es deutsche Ereignisse. Interessant wäre ja dann auch noch die Fragestellung, an welchen Begebenheiten machen Franzosen, Engländer oder Italiener das Ende des Mittelalters fest? |
| |
14.04.2008, 10:53
|
#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 07.03.2008
Beiträge: 7.189
| Zitat:
Zitat von Talley Natürlich gilt fraglos das von meinen Vorrednern gesagte: Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist ein fließender, manches ist noch lange mittelalterlich, manches schon längst neuzeitlich.
Für mich stehen 2 Ereignisse symbolhaft für den Beginn der Neuzeit 1452 - die Gutenberg-Bibel
Man kann die Bedeutung des Buchdrucks wohl gar nicht überschätzen: Das Wissen und die Bildung verlässt die Klöster. Die Bildung wird erschwinglicher. Nachrichten können schnell und verlustfrei verbreitet werden. Das Buch ist nicht mehr Schatz, sondern Gebrauchsgegenstand.
Der Buchdruck hilft dem dritten Stand seine Bedeutung auszubauen. Er macht die philosophische Höhenflüge eines Hobbes, eines Smith, eines Descartes, eines Kant, eines erst möglich. 1517 - Anschlag der 95 Thesen
An sich waren Luthers Thesen gar nicht so neu und nicht so einzigartig. Wycliff und Huss haben sich schon früher ähnlich geäußert. Doch Luthers Aktion war aber der Anfang einer Umwälzung: Die katholische Kirche verlor ihr Monopol. Halb Europa wandte sich vom Papsttum ab.
Der Beginn der Reformation ist auch ein sichtbares Anzeichen, dass die neuzeitlichen Menschen das Christentum nicht mehr als Dreh- und Angelpunkt ihres Daseins sehen, sondern dass andere Werte an Präsenz gewinnen.
Diese beiden Ereignisse haben zwar europäische Bedeutung, allerdings sind es deutsche Ereignisse. Interessant wäre ja dann auch noch die Fragestellung, an welchen Begebenheiten machen Franzosen, Engländer oder Italiener das Ende des Mittelalters fest? |
Beides waren bedeutende Ereignisse, aber da könnte man auch 1492 die Entdeckung Amerikas nehmen. War für die Weltgeschichte mindestens genauso wichtig. |
| |
15.04.2008, 12:35
|
#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Wirklich? Die Entdeckung Amerikas hat aber die Zeitgenossen bei weitem nicht so aufgewühlt wie z.B. die Reformation oder die Eroberung Konstantinopels.
Tatsache ist, dass sich die Welt durch die Entdeckung Amerikas (die ja für die Zeitgenossen erstmal "nur" die Entdeckung eines neuen Wegs nach Indien war) nicht sonderlich änderte. Das dauerte einige Zeit, bis man a) merkte, was man da entdeckt hatte und b) bis sich die Weltpolitik darauf einstellte (dazu musste erstmal der Strom an Gold und Silber aus Amerika einsetzen...)
VG
Christian |
| |
15.04.2008, 19:05
|
#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 07.03.2008
Beiträge: 7.189
| Zitat:
Zitat von 913Chris Servus!
Wirklich? Die Entdeckung Amerikas hat aber die Zeitgenossen bei weitem nicht so aufgewühlt wie z.B. die Reformation oder die Eroberung Konstantinopels.
Tatsache ist, dass sich die Welt durch die Entdeckung Amerikas (die ja für die Zeitgenossen erstmal "nur" die Entdeckung eines neuen Wegs nach Indien war) nicht sonderlich änderte. Das dauerte einige Zeit, bis man a) merkte, was man da entdeckt hatte und b) bis sich die Weltpolitik darauf einstellte (dazu musste erstmal der Strom an Gold und Silber aus Amerika einsetzen...)
VG
Christian |
Das stimmt, aber längerfristig gesehen hat die entdeckung Amerikas eine große Rolle gespielt.
Die Eroberung von Konstantinopel war sicher ein Schreck für Europa. Aber dennoch muss man sagen das eigentlich ein Staat erlosch der zum Schluss nur noch ein Kleinstaat war. Auch wenn man sagen muss ein Kleinstaat, der einst ein ganz großer war. |
| |
15.04.2008, 23:28
|
#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Stimmt alles. Nur eine Epochengrenze wird halt im Allgemeinen nicht nur dort gesetzt, wo wir Nachfolgenden einen epochalen Wechsel sehen, sondern auch dort, wo die Zeitgenossen einen solchen wahrnahmen. Und für die 15.Jh.´ler war die Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen erst mal die grössere Schlagzeile...
Womit wir wieder beim allmählichen Übergang wären. BEIDE Ereignisse haben dazu beigetragen, dass das Mittelalter endete. Im Zusammenspiel mit Buchdruck, Reformation etc.p.p. entstand ein neuer Typ Mensch mit zugehöriger Geisteshaltung, der es angebracht werden liess zu sagen, "jetzt sind wir aber nicht mehr im Mittelalter".
Wobei mir jetzt eigentlich nicht so ganz klar ist, warum denn die Schöpfer des Begriffs "Mittelalter", die Humanisten, die Grenze ins 15.Jh. gesetzt haben, und wo genau in diesem Jh.?!?
VG
Christian |
| |
16.04.2008, 14:15
|
#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 01.02.2008
Beiträge: 149
| Guten Gewissens kann man das Jahr 1500 als Ende des europäischen Mittelalters und Beginn der Neuzeit nennen. Natürlich empfanden dieses eine Jahr die damals lebenden Menschen nicht als die große Umwälzung, doch um das Jahr 1500 gab es eben einschneidende Ereignisse. (Entdeckung Amerikas, Reformation, Buchdruck, Niedergang von Byzanz, Unabhängikeit der Niederlande und der Schweiz).
Daneben ist es sehr günstig und in der Geschichtswissenschaft auch praktikabel, diese Epochengrenze bei regional-spezifischen Untersuchungen genauer anzupassen. Denn dieser Werte-/Gesellschafts-/Wirtschafts-/Politik-/Weltanschauungswandel vollzog sich in verschiedenen Gebieten eben manchmal früher, manchmal später.
Die italienischen Städte verabschiedteten sich schon im Zug der Renaissance im 14. Jahrhundert allmählich vom Mittelalter. Spätzügler waren anderseits die Russen, die mittelalterliche Strukturen gar erst Anfang des 18. Jahrhunderts ablegten. Das Jahr 1500 ist somit nur ein Mittelwert.
Zu beachten ist außerdem: Die Begriffe Mittelalter / Neuzeit etc. sind bei allen Betrachtungen nicht-europäischer Geschichte (z.B. Japan) nur sehr eingeschränkt anwendbar. |
| |  | |
Powered by vBulletin® Version 3.6.8 (Deutsch) Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.1.0

Forum style by ForumMonkeys.com.
| |