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  1. #31
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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    Zitat Zitat von Aretino Beitrag anzeigen
    Also, habt ihr schon was von dem neuen vielleicht gar nicht so utopischen Roman "Der Tag des Opritschnik" von Wladimir Sorokin gehört oder gelesen? Da geht es darum, dass sich Russland - wie weiland unter Iwan dem Schrecklichen - wieder ganz auf sich zurückzieht und sich völlig vom "Westen" abschottet. Damit geht dann auch der letzte Rest von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit die Wolga hinunter. So völlig undenkbar ist das nicht, wenn man auf Putin & Co. schaut, die ihr eigenes Machtinteresse mit dem angeblichen Interesse der russischen Nation gleichsetzen und dabei auch noch 80prozentige Zustimmung im Volk finden
    Zitat Zitat von Remedy Beitrag anzeigen
    Jo dasselbe hab ich mir auch Gedacht. Einen Bericht über das Buch hab ich im Fernsehen gesehen. Und wie gesagt, dass Russland in Sachen Abschottung bald Fahrt aufnimmt, ist gar nicht so unrealistisch. Im Endeffekt denke ich dass es früher oder später zu Stretereien zwischen der scheidenden Weltmacht USA der kommenden Weltmacht China und den geldschweren russischen Oligarchen kommen wird
    Und wovon soll Russland leben, wenn es sich abschottet? Es lebt doch von Rohstoffexporten. Die Aufrüstung und allfällige Kriegsführung müssen ja auch finanziert werden.
    Was die Oligarchen betrifft: Die wurden längst kaltgestellt. Sofern sie sich nicht dem Kreml brav unterordnen, sitzen sie im Arbeitslager oder im Exil. Das Sagen haben Putin und seine Geheimdienst- und Petersburg-Kumpels

  2. #32
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    Zitat Zitat von woesch Beitrag anzeigen
    Vielmehr wird die Zukunft wohl vom Konflikt Nord<->Süd bzw. Westen (inkl. Russland) <-> Asien (v.a. China) geprägt sein.
    Wieso sollte es zu einem Konflikt zwischen Russland und China kommen? Nur weil beide Staaten groß sind? Abgesehen von einem unbedeutenden Grenzkonflikt, der kürzlich beigelegt wurde, haben die überhaupt keine Streitthemen.
    China wird sich nicht unnötig mit dem Westen anlegen, denn auch seine Wirtschaft ist stark exportorientiert.
    Und dieses Gerede vom Nord-Süd-Konflikt verstehe ich schon gar nicht. Welche südliche Macht bitte soll den Norden ernsthaft herausfordern? Chavez mit seiner großen Klappe? Mugabe?

  3. #33
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    Zitat Zitat von Radulf Beitrag anzeigen
    Ein kalter Konflikt in der Zukuft wird vielleicht eher auf wirtschftlicher als auf militärischer Basis geführt: "Ihr bekommt mein Gas nur, wenn ich von Euch diese oder jene Technologie erhalte" oder "Ich schreite gegen Produktpiraterie nur dann wirksam ein, wenn Ihr Euch aus Taiwan heraushaltet". etc. Es wird auch mehr als zwei klar umrissene Machtblöcke geben. Es könnten künftig 5 oder 6 sein, die einander vielleicht wechselnd kalt gegenüberstehen:
    USA, Europa (wenn endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden!), Japan, China, Indien, Russland
    Russland ist nicht der einzige potentielle Gaslieferant Europas. Natürlich könnte Russland bei einem Konflikt mit Europa versuchen, sein Gas stattdessen nach China zu exportieren, allerdings stützt sich die chinesische Energieversorgung viel weniger auf Gas als die europäische. Dasselbe gilt für Indien. Außerdem ist Russland auf Investitionen aus Europa angewiesen.
    Das Drohen mit der Produktpiraterie funktioniert schon gar nicht. China ist auf seine Exporte nach Europa und Amerika deutlich mehr angewiesen als umgekehrt. Wenn es mit Produktpiraterie droht, machen wir eben unsere Grenzen für chinesische Produkte dicht.
    Und auch Indiens wirtschaftliche Entwicklung ist stark auf gute Beziehungen zum Westen und westliche Investitionen angewiesen.

  4. #34
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    Fazit: Ich kann nicht hundertprozentig ausschließen, dass Russland auf seine Wirtschaft pfeift und stattdessen auf Machtspielchen setzt. Theoretisch wäre es schon denkbar, dass es seine Wirtschaft auf China ausrichtet, um nicht mehr von uns abhängig zu sein. Aber ein Knackpunkt bleibt: Die russische Armee ist der der NATO klar unterlegen. Zwar steigen die Rüstungsausgaben wieder, aber verglichen mit dem amerikanischen Verteidigungsbudget sind sie immer noch ein Klacks. Auf einen militärischen Konflikt mit konventionellen Waffen könnte es Russland nicht ankommen lassen, und einen atomaren wird es auch nicht wollen. Wenn es aber nicht ernsthaft mit einem Krieg drohen kann, sind seine Drohungen unglaubwürdig. Was also sollte ihm ein neuer kalter Krieg bringen außer Nachteilen?

  5. #35
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
    Russland ist doch auf dem Weg zum Staatskapitalismus.
    Das ist aber keine prinzipielle Absage an das Privatunternehmertum. In dden frühen 90ern rissen sich diverse Gewinnler, die Oligarchen, ganze Industriekomplexe unter den Nagel und bildeten Monopole, die natürlich mit entsprechender Macht verbunden waren. Russland möchte jetzt die Kontrolle über seine Schlüsselindustrien und Rohstoffvorkommen wiedergewinnen, das ist alles.

  6. #36
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    Zitat Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
    Fazit: Ich kann nicht hundertprozentig ausschließen, dass Russland auf seine Wirtschaft pfeift und stattdessen auf Machtspielchen setzt. ... Was also sollte ihm ein neuer kalter Krieg bringen außer Nachteilen?
    100 Prozent ausschließen kann man das nicht. Schließlich lehrt die Geschichte, dass man durch die Pflege eines aussenpolitischen Feindbildes hervorragend von inneren Problemen ablenken kann. Das wurde oft genug ohne Rücksicht auf Nachteile praktiziert.
    Anmerken möchte ich, dass der Begriff "Kalter Krieg" ziemlich modern ist und sich mit einem politischen Systemkonflikt verbindet. Eigentlich steckt dahinter nichts anderes als eben die Pflege eines Feindbildes, gekoppelt mit Aufrüstung und Vorbereitung auf einen eventuellen Krieg, der dann ein "heißer" wäre. Solche Konfrontationen hat es in der Geschichte auch öfter gegeben, durchaus auch gekoppelt an Systemunterschiede (passen da die Napoleonischen Kriege?).
    Das muss nicht zwischen Russland und Westeuropa ablaufen. Herrschft zwischen Indien und Pakistan nicht eigentlich derzeit "Kalter Krieg"?

  7. #37
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    Ja, aber Indien und Pakistan haben echte Konfliktthemen (Religion, Kaschmir, angebliche Unterstützung Pakistans für indische Terroristen). Wirtschaftlich sind sie auch nicht voneinander abhängig.
    Dagegen sind die Probleme, die Russland mit dem Westen hat, vergleichsweise gering.
    Beim Kalten Krieg zwischen NATO und Warschauer Pakt bestand so etwas wie ein Kräftegleichgewicht. Beide Seiten waren militärisch hochgerüstet, beide Seiten hatten ihre Vasallen in der 3. Welt, der Ausgang eines mit konventionellen Waffen geführten Krieges war unklar. Doch dann brach die sowjetische Wirtschaft zusammen, und mit ihr auch das System.
    Heute ist Russland nicht annähernd so stark wie die USA, dafür aber stark auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit insbesondere mit Europa angewiesen.
    Natürlich kann in Russland der Bevölkerung gegenüber der Westen als Feind hingestellt werden. Aber das ist erstmal nur Propaganda. Haarig wird es erst, wenn dieser Propaganda entsprechende außenpolitische Aktivitäten folgen. Doch wenn Russland da den Bogen überspannt, kommt es zum Erliegen der Wirtschaftskontakte zum Westen, was zu einem Niedergang seiner Wirtschaft führen würde, die eine Senkung der Staatsausgaben zu Lasten der Bevölkerung zur Folge hätte, was zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung führen würde ... Ich glaube nicht , dass es Putin darauf anlegt.

  8. #38
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    Zitat Zitat von Muepsilon Beitrag anzeigen
    Anmerken möchte ich, dass der Begriff "Kalter Krieg" ziemlich modern ist und sich mit einem politischen Systemkonflikt verbindet. Eigentlich steckt dahinter nichts anderes als eben die Pflege eines Feindbildes, gekoppelt mit Aufrüstung und Vorbereitung auf einen eventuellen Krieg, der dann ein "heißer" wäre. Solche Konfrontationen hat es in der Geschichte auch öfter gegeben, durchaus auch gekoppelt an Systemunterschiede (passen da die Napoleonischen Kriege?).
    Naja, einen Kalten Krieg gab es da aber nicht lange. Die Revolutionskriege brachen ja ziemlich bald nach der Französischen Revolution aus. Bei den eigentlichen Napoleonischen Kriegen ging es dann nicht um ein System, sondern um pure Macht und Hegemonie.

  9. #39
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    Zitat Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
    Das Drohen mit der Produktpiraterie funktioniert schon gar nicht. China ist auf seine Exporte nach Europa und Amerika deutlich mehr angewiesen als umgekehrt. Wenn es mit Produktpiraterie droht, machen wir eben unsere Grenzen für chinesische Produkte dicht.
    Und auch Indiens wirtschaftliche Entwicklung ist stark auf gute Beziehungen zum Westen und westliche Investitionen angewiesen.
    Na, da möcht ich die tausenden mittelständischen und Großunternehmer aber nicht hören, die ihre Produktion z.T. komplett nach China oder Indien verlegt haben...

    Globalisierung heißt: Alle sind von allen abhängig!!
    Einer der Vorzüge der Globalisierung, wenn man Globalisierungsbefürwortern glaubt...

    VG
    Christian

  10. #40
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
    Na, da möcht ich die tausenden mittelständischen und Großunternehmer aber nicht hören, die ihre Produktion z.T. komplett nach China oder Indien verlegt haben...
    Dann müssen sie sie eben wieder zurückverlegen. Oder irgendwohin nach Lateinamerika.

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