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18.02.2008, 16:11
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#1 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Torwächter
Registriert seit: 18.02.2008 Ort: Bremen
Beiträge: 12
| Europas Aufstieg Um die Mitte des 15. Jahrhunderts begann in Europa das Zeitalter der Entdeckungen. Verglichen mit anderen beudeutenden Regionen der Welt war Europa damals kulturell und technisch deutlich im Rückstand. Ich denke da v.a. an China sowie die Arabische Welt. Trotzdem schafften es die Europäer diesen Rückstand innerhalb relativ kurzer Zeit aufzuholen.
Mehr noch: Spätestens im 19. Jahrhundert teilten die europäischen Nationalstaaten einen Großteil der Welt unter sich auf!
Wie aber konnten sie diese Rückstände aufholen? Lag es an bedeutenden technischen Erfindungen? Ist es durch erfolgreiche Kriegsführung oder doch eher durch allgemeines Desinteresse seitens der anderen bedeutenden Mächte zu erklären?
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El Cid kämpfte nie für persönlichen Reichtum oder Ruhm, er kämpfte um die Vergebung seines Königs und für seine Ehre.
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18.02.2008, 20:02
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Europa war während der grossen Entdeckungen, also im 15./16.Jh., keineswegs technisch im Rückstand. Es kommt nur drauf an, welchen Sektor du betrachtest.
Die Europäer waren navigatorisch, kartographisch und schiffsbautechnisch auf der "Höhe der Zeit".
Europas grösster Vorteil war aber die Zersplitterung und die geistige Offenheit. Klingt komisch angesichts der Katholischen Könige und ihrer Inquisition, war aber so: In China wurden die Erkundungsflotten zurück gepfiffen (weil zu teuer), während in Europa einiges riskiert wurde, um Indien zu "entdecken". Grund war die Abriegelung des Landwegs nach Indien durch die Araber bzw. Osmanen.
Der Konkurrenzkampf zwischen den europäischen Mächten unterschied den Kontinent auch von anderen Gegenden wie China und den Vorderen Orient. "Konkurrenz belebt das Geschäft" - nie traf dieser Satz besser zu wie auf das Europa der Entdeckungen. Im Wettstreit um die besten Stücke des "indischen" = amerikanischen Kuchens überboten sich die europäischen Staaten in Bemühungen, den Vorteil des jeweils anderen (v.a. Spaniens und Portugals) wett zu machen. Die zunehmenden Seekriege begünstigten die Weiterentwicklung der Artillerie, die neuen Produkte und das viele Edelmetal kurbelten die (gesamteuropäische), frühkapitalistisch geprägte Wirtschaft an, was dann zu noch mehr Entdeckungen führte. Als dann noch die Reformation als "geistiger Dosenöffner" dazu kam, stürmte Europa endgültig seinen Konkurrenten davon. Da sich China und die islamische Welt von da an noch dazu mehr auf sich selbst als auf die Welt um sie herum konzentrierten, war es für die europäischen Staaten ein Leichtes, einen Großteil der Welt unter Kontrolle zu bringen. Als dann die Europäer und die Chinesen direkt aufeinander stiessen, waren die Europäer dank der vielen Kriege militärisch dermassen überlegen, dass China zu einer euorpäischen Kolonie verkam - ein Trauma, das mittelbar direkt zu Mao Tsedong führte.
Die islamische Welt befand sich just seit dem späten Mittelalter in einer Art innerer Erstarrung und war im 19.Jh. ohnehin schon lange der "kranke Mann am Bosporus", der nur überlebte, weil keine europäische Macht es der anderen gönte, diesen Einflussbereich zu vereinnahmen. Öl war noch nicht so wichtig, also wa auch der ganze Vordere Orient nur insofern wichtig, als er auf dem Weg nach Indien lag...
VG
Christian |
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20.02.2008, 15:25
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 01.02.2008
Beiträge: 149
| Stimmt, die auf vergleichsweise wenig Raum in ständiger Konkurrenz stehenden Mächte Europas nutzten diesen scharfen Wettbewerb, um sich rapide weiterzuentwickeln.  |
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22.02.2008, 13:28
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#4 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 11.02.2008
Beiträge: 9
| Ja, ich bin auch der Meinung, dass es gerade der große Konkurrenzdruck in Europa war, der dazu geführt das man gezwungen war sich immer schneller weiterzuentwickeln.
Erst die bitteren Erfahrungen im 20. Jahrhundert haben offenbar bewirkt, dass Europa sich auf seine Gemeinsamkeiten besinnt und allmählich lernt, gemeinsam statt gegeneinander zu agieren! |
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22.02.2008, 17:55
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#5 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 02.02.2008
Beiträge: 21
| Nicht zu vergessen die Reformationsbewegungen in Europa, welche große Innovationsimpulse brachten und das Denken der Menschen modernisierten. |
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22.04.2008, 11:02
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 07.03.2008
Beiträge: 7.189
| Zitat:
Zitat von El Cid Um die Mitte des 15. Jahrhunderts begann in Europa das Zeitalter der Entdeckungen. Verglichen mit anderen beudeutenden Regionen der Welt war Europa damals kulturell und technisch deutlich im Rückstand. Ich denke da v.a. an China sowie die Arabische Welt. Trotzdem schafften es die Europäer diesen Rückstand innerhalb relativ kurzer Zeit aufzuholen.
Mehr noch: Spätestens im 19. Jahrhundert teilten die europäischen Nationalstaaten einen Großteil der Welt unter sich auf!
Wie aber konnten sie diese Rückstände aufholen? Lag es an bedeutenden technischen Erfindungen? Ist es durch erfolgreiche Kriegsführung oder doch eher durch allgemeines Desinteresse seitens der anderen bedeutenden Mächte zu erklären? |
-Technischer Rückstand: Ich glaube gar nicht das Europa technisch gesehen so Rückständig war. Aber ganz unrechte hast du nicht. Europa (so hab ich zumindest das Gefühl) in der Zeit von mitte des 13. Jahrhunderts bis zum 15. Jahrhundert schon geschwächt. Schuld daran haben meiner Meinung nach einerseits Krankheiten wie die Pest und andererseits die Politische Zersplitterung. Ein Beispiel: In Europa gab es um 1400 kaum eine Macht die Byzanz retten hätte können-Frankreich und England lagen im Krieg miteinander, das Heilige Römische Reich war zersplittert, in Spanien lagen Kastilien und Aragon in Konkurenz zueinander usw. In dieser Zeit fällt einem auf der Landkarte auf, dass es viele Klein- und Kleinststaaten gab.
Was die Faktoren des Aufstiegs betrifft: Naja, Konkurenz regt das Geschäft an. Frankreich, England, Spanien usw. mussten sich jeweils bemühen um den Anderen zu überholen, was sicherlich auf dazu Beitrug das Europa stärker wurde als andere Bereiche der Welt.
Die Erfindungen spielten schon eine Rolle (diese hatten nicht alle Gebiete der Welt).
Es gibt sogar Meinungen das im Prinzip die Aufsplitterung nach der Völkerwanderung schuld sind. Mit einem Römischen Reich zum Beispiel hätte es den Aufstieg möglicherweise nie gegeben, fehlende Konkurenz und fehlender Individualismus. |
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12.05.2008, 11:56
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#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 22.03.2008 Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 115
| Technik, die Konkurrenz der Mächte, Reformation - alles wohl richtige Stichworte, aber theorie-lastig. Es gab eine sehr praktische Facette. Entdeckungsreisen, ja auch der Einsatz von Technik waren teuer, erforderten Kapital-Einsatz. Geldvermögen war u.a. durch den Fernhandel gewachsen und suchte nach weiterer Vermehrung. Das war für die Akteure in der Praxis ein Antrieb. |
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03.01.2012, 01:51
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.04.2009 Ort: Solms-Albshausen
Beiträge: 1.304
| Dem Eroberungszug ging aber auch das Abwerfen der eignen Kolonialherrschaft voraus. Spanien hatte gerade erst die Herrschaft der Mauren beendet. Russland konnte sich von der Tatarischen Vorherrschaft befreien. Die türkische Expansion konnte vor Wien gestoppt werden. Damit begann die Entkolonialisierung des Balkans von der türkischen Herrschaft.
Es hatte in Europa eine Agrarrevolution gegeben. Mit der Entwicklung der Dreifelderwirtschaft begannen weitere Fortschritte in der Agrarentwicklung. Dies ermöglichte eine Bevölkerungsexplosion.
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viele Grüße
Paul
aus dem hessischen Lahntal
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03.01.2012, 09:24
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Zitat:
Zitat von Paul Dem Eroberungszug ging aber auch das Abwerfen der eignen Kolonialherrschaft voraus. | Spanien, Russland und der Balkan waren aber keine Kolonien. Ich würde lieber "Fremdherrschaft" verwenden, wenn schon (denn die spanischen Araber z.B. waren schon lange keine "fremden Herren" mehr...)
[quote=Paul;129085Es hatte in Europa eine Agrarrevolution gegeben. Mit der Entwicklung der Dreifelderwirtschaft begannen weitere Fortschritte in der Agrarentwicklung. Dies ermöglichte eine Bevölkerungsexplosion.[/QUOTE]
Die Dreifelderwirtschaft wurde aber Jahrhunderte vor der europäischen Expansion schon erfunden. Mit der Bevölkerungsexplosion allerdings hast du recht, nur hatte die mannigfaltige Ursachen, nicht nur die Agrarrevolution. Außerdem (s.o.) war das Bevölkerungswachstum auch nicht monokausal und auch nicht der einzige Grund für die europäische Expansion.
Neue Schiffstechniken, die Verlagerung bzw. (Teil-)Blockade alter Handelswege sowie politische und geistesgeschichtliche Veränderungen zählen mit zum Ursachenbündel dazu. Unter anderem...
VG
Christian
__________________ De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung) |
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03.01.2012, 13:08
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#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 07.03.2008
Beiträge: 7.189
| Zitat:
Zitat von Paul Dem Eroberungszug ging aber auch das Abwerfen der eignen Kolonialherrschaft voraus. Spanien hatte gerade erst die Herrschaft der Mauren beendet. Russland konnte sich von der Tatarischen Vorherrschaft befreien. Die türkische Expansion konnte vor Wien gestoppt werden. Damit begann die Entkolonialisierung des Balkans von der türkischen Herrschaft | Kann dir da nicht ganz zustimmen. Zeitlich gibt’s da gewaltige Unterschiede. Die Mauren wurden Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien vertrieben, die Mongolenherrschaft wurde von den Russen auch Ende des 15. Jahrhunderts abgeschüttelt. Die Osmanen scheiterten erst im 16. Jahrhundert zum ersten mal vor Wien. Ob man das damals als dramatischen Wendepunkt sah, da bin ich mir nicht so sicher. Auch bei anderen Städten brauchte man mehrere Anläufe bis man sie eroberte. Es stimmt zwar nach Suleimann kam es zur Stagnation und einem beginnenden Niedergang, aber das war schon in der zweiten hälfte des 16. Jahrunderts und im 17. Jahrhunderts. Endgültig gescheitert ist man dann erst bei der zweiten Belagerung Ende des 17. Jahrhunderts. Und der Balkan ging den Osmanen wesentlich später verloren. Schon in der Zeit als der Kolonialismus blühte. |
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