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Tags: entdeckungen, europa, weltmacht, westliche welt

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Alt 18.02.2008, 16:11   #1 (permalink)
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Benutzerbild von El Cid
 
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El Cid befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Europas Aufstieg

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts begann in Europa das Zeitalter der Entdeckungen. Verglichen mit anderen beudeutenden Regionen der Welt war Europa damals kulturell und technisch deutlich im Rückstand. Ich denke da v.a. an China sowie die Arabische Welt. Trotzdem schafften es die Europäer diesen Rückstand innerhalb relativ kurzer Zeit aufzuholen.
Mehr noch: Spätestens im 19. Jahrhundert teilten die europäischen Nationalstaaten einen Großteil der Welt unter sich auf!

Wie aber konnten sie diese Rückstände aufholen? Lag es an bedeutenden technischen Erfindungen? Ist es durch erfolgreiche Kriegsführung oder doch eher durch allgemeines Desinteresse seitens der anderen bedeutenden Mächte zu erklären?
__________________
El Cid kämpfte nie für persönlichen Reichtum oder Ruhm, er kämpfte um die Vergebung seines Königs und für seine Ehre.
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Alt 18.02.2008, 20:02   #2 (permalink)
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Rang: Majestät
 
Benutzerbild von 913Chris
 
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913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick
Europa war während der grossen Entdeckungen, also im 15./16.Jh., keineswegs technisch im Rückstand. Es kommt nur drauf an, welchen Sektor du betrachtest.
Die Europäer waren navigatorisch, kartographisch und schiffsbautechnisch auf der "Höhe der Zeit".
Europas grösster Vorteil war aber die Zersplitterung und die geistige Offenheit. Klingt komisch angesichts der Katholischen Könige und ihrer Inquisition, war aber so: In China wurden die Erkundungsflotten zurück gepfiffen (weil zu teuer), während in Europa einiges riskiert wurde, um Indien zu "entdecken". Grund war die Abriegelung des Landwegs nach Indien durch die Araber bzw. Osmanen.
Der Konkurrenzkampf zwischen den europäischen Mächten unterschied den Kontinent auch von anderen Gegenden wie China und den Vorderen Orient. "Konkurrenz belebt das Geschäft" - nie traf dieser Satz besser zu wie auf das Europa der Entdeckungen. Im Wettstreit um die besten Stücke des "indischen" = amerikanischen Kuchens überboten sich die europäischen Staaten in Bemühungen, den Vorteil des jeweils anderen (v.a. Spaniens und Portugals) wett zu machen. Die zunehmenden Seekriege begünstigten die Weiterentwicklung der Artillerie, die neuen Produkte und das viele Edelmetal kurbelten die (gesamteuropäische), frühkapitalistisch geprägte Wirtschaft an, was dann zu noch mehr Entdeckungen führte. Als dann noch die Reformation als "geistiger Dosenöffner" dazu kam, stürmte Europa endgültig seinen Konkurrenten davon. Da sich China und die islamische Welt von da an noch dazu mehr auf sich selbst als auf die Welt um sie herum konzentrierten, war es für die europäischen Staaten ein Leichtes, einen Großteil der Welt unter Kontrolle zu bringen. Als dann die Europäer und die Chinesen direkt aufeinander stiessen, waren die Europäer dank der vielen Kriege militärisch dermassen überlegen, dass China zu einer euorpäischen Kolonie verkam - ein Trauma, das mittelbar direkt zu Mao Tsedong führte.
Die islamische Welt befand sich just seit dem späten Mittelalter in einer Art innerer Erstarrung und war im 19.Jh. ohnehin schon lange der "kranke Mann am Bosporus", der nur überlebte, weil keine europäische Macht es der anderen gönte, diesen Einflussbereich zu vereinnahmen. Öl war noch nicht so wichtig, also wa auch der ganze Vordere Orient nur insofern wichtig, als er auf dem Weg nach Indien lag...

VG
Christian
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Alt 20.02.2008, 15:25   #3 (permalink)
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Benutzerbild von woesch
 
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woesch befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Stimmt, die auf vergleichsweise wenig Raum in ständiger Konkurrenz stehenden Mächte Europas nutzten diesen scharfen Wettbewerb, um sich rapide weiterzuentwickeln.
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Alt 22.02.2008, 13:28   #4 (permalink)
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Benutzerbild von Yvette
 
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Yvette befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ja, ich bin auch der Meinung, dass es gerade der große Konkurrenzdruck in Europa war, der dazu geführt das man gezwungen war sich immer schneller weiterzuentwickeln.

Erst die bitteren Erfahrungen im 20. Jahrhundert haben offenbar bewirkt, dass Europa sich auf seine Gemeinsamkeiten besinnt und allmählich lernt, gemeinsam statt gegeneinander zu agieren!
Yvette ist offline  
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Alt 22.02.2008, 17:55   #5 (permalink)
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Benutzerbild von benny88
 
Registriert seit: 02.02.2008
Beiträge: 21
benny88 befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Nicht zu vergessen die Reformationsbewegungen in Europa, welche große Innovationsimpulse brachten und das Denken der Menschen modernisierten.
benny88 ist offline  
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Alt 22.04.2008, 11:02   #6 (permalink)
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Benutzerbild von WDPG
 
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Zitat:
Zitat von El Cid Beitrag anzeigen
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts begann in Europa das Zeitalter der Entdeckungen. Verglichen mit anderen beudeutenden Regionen der Welt war Europa damals kulturell und technisch deutlich im Rückstand. Ich denke da v.a. an China sowie die Arabische Welt. Trotzdem schafften es die Europäer diesen Rückstand innerhalb relativ kurzer Zeit aufzuholen.
Mehr noch: Spätestens im 19. Jahrhundert teilten die europäischen Nationalstaaten einen Großteil der Welt unter sich auf!

Wie aber konnten sie diese Rückstände aufholen? Lag es an bedeutenden technischen Erfindungen? Ist es durch erfolgreiche Kriegsführung oder doch eher durch allgemeines Desinteresse seitens der anderen bedeutenden Mächte zu erklären?

-Technischer Rückstand: Ich glaube gar nicht das Europa technisch gesehen so Rückständig war. Aber ganz unrechte hast du nicht. Europa (so hab ich zumindest das Gefühl) in der Zeit von mitte des 13. Jahrhunderts bis zum 15. Jahrhundert schon geschwächt. Schuld daran haben meiner Meinung nach einerseits Krankheiten wie die Pest und andererseits die Politische Zersplitterung. Ein Beispiel: In Europa gab es um 1400 kaum eine Macht die Byzanz retten hätte können-Frankreich und England lagen im Krieg miteinander, das Heilige Römische Reich war zersplittert, in Spanien lagen Kastilien und Aragon in Konkurenz zueinander usw. In dieser Zeit fällt einem auf der Landkarte auf, dass es viele Klein- und Kleinststaaten gab.


Was die Faktoren des Aufstiegs betrifft: Naja, Konkurenz regt das Geschäft an. Frankreich, England, Spanien usw. mussten sich jeweils bemühen um den Anderen zu überholen, was sicherlich auf dazu Beitrug das Europa stärker wurde als andere Bereiche der Welt.
Die Erfindungen spielten schon eine Rolle (diese hatten nicht alle Gebiete der Welt).
Es gibt sogar Meinungen das im Prinzip die Aufsplitterung nach der Völkerwanderung schuld sind. Mit einem Römischen Reich zum Beispiel hätte es den Aufstieg möglicherweise nie gegeben, fehlende Konkurenz und fehlender Individualismus.
WDPG ist offline  
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Alt 12.05.2008, 11:56   #7 (permalink)
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Benutzerbild von Muepsilon
 
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Beiträge: 115
Muepsilon wird schon bald berühmt werden
Technik, die Konkurrenz der Mächte, Reformation - alles wohl richtige Stichworte, aber theorie-lastig. Es gab eine sehr praktische Facette. Entdeckungsreisen, ja auch der Einsatz von Technik waren teuer, erforderten Kapital-Einsatz. Geldvermögen war u.a. durch den Fernhandel gewachsen und suchte nach weiterer Vermehrung. Das war für die Akteure in der Praxis ein Antrieb.
Muepsilon ist offline  
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Alt 03.01.2012, 01:51   #8 (permalink)
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Benutzerbild von Paul
 
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Beiträge: 1.304
Paul sorgt für eine eindrucksvolle AtmosphärePaul sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphäre
Dem Eroberungszug ging aber auch das Abwerfen der eignen Kolonialherrschaft voraus. Spanien hatte gerade erst die Herrschaft der Mauren beendet. Russland konnte sich von der Tatarischen Vorherrschaft befreien. Die türkische Expansion konnte vor Wien gestoppt werden. Damit begann die Entkolonialisierung des Balkans von der türkischen Herrschaft.
Es hatte in Europa eine Agrarrevolution gegeben. Mit der Entwicklung der Dreifelderwirtschaft begannen weitere Fortschritte in der Agrarentwicklung. Dies ermöglichte eine Bevölkerungsexplosion.
__________________
viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Lahntal
Paul ist offline  
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Alt 03.01.2012, 09:24   #9 (permalink)
Erfahrener Benutzer
Rang: Majestät
 
Benutzerbild von 913Chris
 
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913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick
Zitat:
Zitat von Paul Beitrag anzeigen
Dem Eroberungszug ging aber auch das Abwerfen der eignen Kolonialherrschaft voraus.
Spanien, Russland und der Balkan waren aber keine Kolonien. Ich würde lieber "Fremdherrschaft" verwenden, wenn schon (denn die spanischen Araber z.B. waren schon lange keine "fremden Herren" mehr...)

[quote=Paul;129085Es hatte in Europa eine Agrarrevolution gegeben. Mit der Entwicklung der Dreifelderwirtschaft begannen weitere Fortschritte in der Agrarentwicklung. Dies ermöglichte eine Bevölkerungsexplosion.[/QUOTE]

Die Dreifelderwirtschaft wurde aber Jahrhunderte vor der europäischen Expansion schon erfunden. Mit der Bevölkerungsexplosion allerdings hast du recht, nur hatte die mannigfaltige Ursachen, nicht nur die Agrarrevolution. Außerdem (s.o.) war das Bevölkerungswachstum auch nicht monokausal und auch nicht der einzige Grund für die europäische Expansion.
Neue Schiffstechniken, die Verlagerung bzw. (Teil-)Blockade alter Handelswege sowie politische und geistesgeschichtliche Veränderungen zählen mit zum Ursachenbündel dazu. Unter anderem...

VG
Christian
__________________
De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung)
913Chris ist offline  
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Alt 03.01.2012, 13:08   #10 (permalink)
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Rang: Majestät
 
Benutzerbild von WDPG
 
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Beiträge: 7.189
WDPG ist jedem bekanntWDPG ist jedem bekanntWDPG ist jedem bekanntWDPG ist jedem bekanntWDPG ist jedem bekanntWDPG ist jedem bekannt
Zitat:
Zitat von Paul Beitrag anzeigen
Dem Eroberungszug ging aber auch das Abwerfen der eignen Kolonialherrschaft voraus. Spanien hatte gerade erst die Herrschaft der Mauren beendet. Russland konnte sich von der Tatarischen Vorherrschaft befreien. Die türkische Expansion konnte vor Wien gestoppt werden. Damit begann die Entkolonialisierung des Balkans von der türkischen Herrschaft
Kann dir da nicht ganz zustimmen. Zeitlich gibt’s da gewaltige Unterschiede. Die Mauren wurden Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien vertrieben, die Mongolenherrschaft wurde von den Russen auch Ende des 15. Jahrhunderts abgeschüttelt.
Die Osmanen scheiterten erst im 16. Jahrhundert zum ersten mal vor Wien. Ob man das damals als dramatischen Wendepunkt sah, da bin ich mir nicht so sicher. Auch bei anderen Städten brauchte man mehrere Anläufe bis man sie eroberte. Es stimmt zwar nach Suleimann kam es zur Stagnation und einem beginnenden Niedergang, aber das war schon in der zweiten hälfte des 16. Jahrunderts und im 17. Jahrhunderts. Endgültig gescheitert ist man dann erst bei der zweiten Belagerung Ende des 17. Jahrhunderts. Und der Balkan ging den Osmanen wesentlich später verloren. Schon in der Zeit als der Kolonialismus blühte.
WDPG ist offline  
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