Wir müssen da ganz weit zurückgehen in der Geschichte, wenn wir uns mit dem Begriff „asymmetrischer Krieg“ befassen wollen. Und zwar bis zu dem – heute noch in Kriegsschulen gelehrten - chinesischen General Sun Tsu im sechsten vorchristlichen Jahrhundert, der in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“ erstmals auf den asymmetrischen Krieg eingeht.
Zur Definition: Beim asymmetrischen Krieg handelt es sich um die Strategie, mit unterlegenen Mitteln ein bestimmtes Ziel zu erreichen; Mao Tsetung hat sich beispielsweise an ihm orientiert. Später hat dann in dem Buch „Vom Kriege“ der Deutsche Carl von Clausewitz den asymmetrischen Krieg anhand der Volksbewaffnung propagiert, jedoch hat das Clausewitz’sche Prinzip mit dem hier zur Diskussion gestellten asymmetrischen Krieg nichts zu tun – Volksbewaffnung, vulgo: allgemeine Wehrpflicht, ist heute in vielen Staaten Standard.
Um es zu veranschaulichen: Asymmetrische Kriege waren im 20. Jahrhundert beispielsweise der Vietnamkrieg und der russische Afghanistan- und Tschetschenienkrieg. Im Falle des Vietnamkrieges und des russischen Afghanistankrieges unterlagen die technologisch hochgerüsteten amerikanischen und russischen Streitkräfte den nur schwach bewaffneten, aber des Landes kundigen und vom ideologischen Bundesgenossen unterstützten gegnerischen Streitkräften. Im 19. Jahrhundert können wir den Krieg der Franzosen gegen die Spanier auch als asymmetrischen Krieg ansehen.
Allerdings kommt beim asymmetrischen Krieg, im regulären Krieg das Partisanenunwesen, auch der Terrorismus ins Spiel, so daß wir durchaus auch den Kampf gegen den organisierten Terrorismus – Stichworte: Al Qaida, Hamas, Hisbollah – als asymmetrischen Krieg bezeichnen können.
Der letzte asymmetrische Krieg war der Libanonkrieg, den die Hisbollah vom Libanon aus gegen Israel führte, dabei Menschen, Frauen und Kinder, als lebende Schutzschilde nehmend. Ein Kennzeichen dieser Art von asymmetrischem Krieg ist, Aggressionen von Wohngebieten aus auf das Territorium des Feindes zu tragen, der, will er den Aggressionen Einhalt gebieten, gegen Zivilisten vorgehen muß – die, häufig genug, gerne den Aggressor unterstützen.
Die überlegene israelische Armee mußte in diesem Krieg ihre erste Niederlage einstecken. Im Nachhinein angestellte Überlegungen haben ergeben, daß der Krieg nur deshalb für Israel verloren ging, weil die israelische Politik sich, aufgrund der von der Hisbollah betriebenen Propaganda, in das Vorgehen der israelischen Militärs eingemischt hatten, als die Hisbollah begann, die Kollateralschäden schamlos propagandistisch auszunutzen. Die Moral aus der Geschichte: Man stelle dem Militär eine Aufgabe, die es zu erledigen hat – und dann lasse man auch das Militär diese Aufgabe erledigen und rede ihm nicht drein!
Und jetzt muß Israel abermals einen asymmetrischen Krieg führen, dieses Mal gegen die Hamas im Gazastreifen. Aber das israelische Militär – und auch die israelische Politik – scheinen aus dem Desaster des Libanonkrieges gelernt zu haben: Massive Schläge, wie die vom Fernsehen ausgestrahlten Bilder zeigen, wurden geführt; von diesen Regionen aus werden in absehbarer Zeit keine Raketen mehr auf Israel abgefeuert werden können. Dieses Ziel ist erreicht.
Die Fragen sind, ob die israelische Politik mit diesen militärischen Aktionen für geraume Zeit der Hamas den Boden für weitere Aggressionen entziehen kann. Und ob mit denselben militärischen Mitteln auch der Hisbollah der Boden entzogen werden kann, sollte sie nochmals einen Angriff aus Israel wagen. Und ob die israelische Regierung sich dem mit Gewißheit erschallenden Geheul der Gutmenschen sich taub stellt.
Oder haben, ganz allgemein, wir Westler uns bislang, wenn es um Hamas und Hisbollah ging, zu sehr vom Humanitären Völkerrecht leiten lassen, während die Gegenseite schon längst den Dschihad, den Heiligen Krieg, ausgerufen hat, der nichts kennt, was dem Humanitären Völkerrecht entspricht.
Mit welchen Mitteln sollten wir also gegen Hamas, Hisbollah und Konsorten vorgehen?



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