Zitat:
Zitat von Maxdorfer Das ist doch mal eine interessante Frage!
Was denkt ihr denn? War die Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 der Anfang des deutschen Übels. |
Da stellt sich zuerst mal die Frage, was denn unter "dem deutschen Übel" zu verstehen ist!
Obrigekeitshörigkeit?
Der Hang zu starken Männern?
Militarismus?
Alles, was zur Vorgeschichte der beiden Weltkriege gehört?
Erst einmal ein paar Gedanken, quasi als Diskussionsgrundlage:
1871 hatte mehrere Folgen, die bis heute wirksam sind.
Zuerst einmal war es die Überwindung des alten deutschen Partikalismus, der sich seit den Anfängen der nachrömischen Staatsbildungen auf (später) deutschem Boden verfolgen lässt.
Das mag man positiv sehen (Ende der Zersplitterung, nationale Einheit), aber auch negativ (Unterdrückung regionaler Besonderheiten, hin zu einem "Einheitsbrei").
Mit 1871 begann auch der spektakuläre Aufstieg Deutschlands zu einer der führenden Industriemächte der Welt. Einerseits positiv (weil Grundlage unsere heutigen Reichtums), andererseits negativ (weil Grundlage von Umweltzerstörungen und weil Grundlage u.a. der industriellen Vernichtung von Menschen und Background für die militärische Macht, die deutsche Politiker zu zwei Weltkriegen verleitet hat).
1871 war "von oben" gesteuert. Bismarck war zwar nicht der erste "starke Mann Deutschlands" (das war m.E. Metternich), aber auf ihn beriefen sich auch die Nazis (und viele Deutsche sahen Hitler auch (!) in der Rolle eines "neuen Bismarck") und Bismarcks Politik förderte das Militär (nicht so ausgeprägt wie später Willi Zwo, aber immerhin) und galt/gitl daher auch als Urheber des deutschen Militarismus, der auf den preußischen Militarismus zurückgeführt wurde (und der sich qua Reichsgründung auf ganz Deutschland ausgebreitet haben soll).
VG
Christian