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  1. #1
    Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
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    Der liebe Gott des AT

    2. Mose: 32:27

    Er sagte zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.


    5. Mose: 20:16

    Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen.


    5. Mose: 28:63

    So wie der Herr seine Freude daran hatte, euch Gutes zu tun und euch zahlreich zu machen, so wird der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten. Ihr werdet aus dem Land, in das du nun hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, herausgerissen.


    1.Sam 15:3

    Darum zieh jetzt in den Kampf, und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!


    Jes 63:6

    Ich zertrat die Völker in meinem Zorn, ich zerschmetterte sie in meinem Grimm, und ihr Blut ließ ich zur Erde rinnen.


    Jer 48:10

    10 Verflucht, wer den Auftrag des Herrn lässig betreibt, ja, verflucht, wer sein Schwert abhält vom Blutvergießen.


    Das könnte ich jetzt beliebig fortsetzen.

    Ich frage mich, wieso immer vom "lieben Gott" geredet wird...

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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    Der "liebe Gott" ist gemeinhin der des NT. Aber auch im AT ist Gott nicht immer ein Kriegergott. Richtig gelesen, und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das AT sehr oft eine sehr bildhafte Sprache pflegt, findet man sogar überraschend häufig auch dort einen "lieben" Gott, allerdings meist nur aus Sicht des Volkes Israel, das im AT ja noch ein "Monopol" auf den "einzigen" Gott hat.

    Z.B.:
    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    2. Mose: 32:27

    Er sagte zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.
    Vorausgegangen ist dieser Szene die Geschichte mit dem "goldenen Kalb". Wer in der zitierten Stelle erschlagen werden soll, sind die abtrünigen Israeliten, die Gott verraten haben. Botschaft: Nur diejenigen, die wirklich treu zu Gott stehen, sollen ins "gelobte Land" ziehen dürfen. Die angeblich 40 Jahre in der Wüste waren ja auch schon eine Prüfung des Volkes.

    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    5. Mose: 20:16

    Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen.
    Gemeint sind die Städte, die im Bereich Israels liegen. Das Ganze ist eingebettet in Regeln für die Kriegsführung. Diese Regeln sind übrigens im Vergleich etwa zu der Vorgehensweise der Assyrer SEHR human...
    Weiter entfernt liegende Städte, die Israel erobert, sollen nur geplündert werden. Näher liegende Städte mit Stumpf und Stil zerstört - klar: Wer lässt schon in der Welt des bronze- oder eisenzeitlichen Orient einen Feind am Leben, der ihm noch schaden kann, noch dazu, wenn seine Macht auf militärisch so schwachen Füßen steht wie die Israels?
    Botschaft: Auch Israel muss die Regeln der sogenannten "Realpolitik" beherrschen und befolgen, sonst ist es dem Untergang geweiht.

    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    5. Mose: 28:63

    So wie der Herr seine Freude daran hatte, euch Gutes zu tun und euch zahlreich zu machen, so wird der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten. Ihr werdet aus dem Land, in das du nun hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, herausgerissen.
    Das ist aus der Abschlussbemerkung des Deuteronomium. Eingeleitet wird die ganze Passage mit "Wenn du nicht alle Wort dieser Weisung, die in dieser Urkunde aufgezeichnet sind, achtest und sie hältst, aus Furcht vor diesem herrlichen (= herrschaftlichen, herrscherlichen) und furchterregenden Namen, vor Jahwe, deinem Gott, wird der Herr die Schläge, die er dir und deinen Nachkommen versetzt, über alles Gewohnte hinaus steigern... (usw.)"
    Die Priester, die nach der Babylonischen Gefangenschaft das Deuterononium aufzeichneten, stelten Jahwe als König-Gott dar. Jeder König des 6.Jhs.v.Chr. hatte solche Rechte; allerdings hatte nicht jeder König quasi einen "Vertrag" mit seinem Volk, der auch dem Volk seine Rechte deutlich machte.
    Eine Formel wie die, die das Deuteronomium beschließt, findet sich sehr häufig bei Verträgen dieser Zeit. "Furchtbare Strafandrohungen gegen jeden, der diesen Vertrag bircht." Insofern kein Widerspruch zum "guten Gott" des AT, sondern allenfalls Remineszenz an die Zeit, in der der Text aufgezeichnet wurde.
    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    1.Sam 15:3

    Darum zieh jetzt in den Kampf, und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!
    Die Feinde Israels sind die Feinde Gottes. Für Israel ein großartiges Versprechen, das aus diesen Zeilen spricht. Kein Befehl, sondern eine Erlaubnis. Der Gott Israels als Gott, der sich um sein Volk sorgt, kümmert und sogar für sein Volk kämpft. Ein rundum "guter" Gott im Verständnis der Zeit.
    BTW: Jedes Volk, das damals (und nicht nur damals) in den Krieg zog, trug solche oder ähnliche Zeilenauf den Lippen: "Gott Assur hat uns beauftragt, das Volk XY zu schlagen, zu töten und zu vernichten, denn das Volk XY hat Gott Assur beleidigt!"
    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    Jes 63:6

    Ich zertrat die Völker in meinem Zorn, ich zerschmetterte sie in meinem Grimm, und ihr Blut ließ ich zur Erde rinnen.
    Vorhergehend wird Gott als siegreicher Krieger gezeichnet, der ohne Gehilfen (= andere Götter oder gar sein Volk) die Welt besiegt hat bzw. besiegen wird (Thema ist das endzeitliche Gericht mit darauffolgendem ewigem Heil für Gottes Volk). Wiederum: Gott als tatkräftiger und treusorgender Unterstützer seines Volks, wohlgemerkt (und im Unterschied zu den Göttern anderer Völker) ohne anderen Lohn als Treue zu fordern. Für Israel eine großartige Sache, so ein Verhältnis mit seinem Gott.

    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    Jer 48:10

    10 Verflucht, wer den Auftrag des Herrn lässig betreibt, ja, verflucht, wer sein Schwert abhält vom Blutvergießen.
    Das geht gegen die Moabiter, erbitterte und langjährige Gegner Israels im heutigen Jordanien. Die Moabiter hatten einen Hauptgot Kemosch, waren also keine Jahwe-Anbeter (obwohl es die auch unter den Moabitern gegeben haben dürfte, siehe die Moabiterin Ruth, die es sogar ins AT geschafft hat...) und daher Gegner von Jahwe. Passenderweise konkurrierten Moabiter und Israeliten auch um das Jordantal. Der Krieg gegen die Moabiter war also sowohl gut für das politische Israel als auch im Sinne Jahwes. Kernsatz des obigen Zitats ist nicht das Blutvergießen, sondern "wer den Auftrag des Herrn lässig betreibt". Das zieht sich durch´s ganze AT: Der Aufrag des Herrn muss ganz und gar ausgeführt werden, sonst taugt das Ganze nichts. Schon Saul ist adrüber gestolpert, als er (ich glaube auch gegen die Moabiter) gegen Gottes Gebot verstieß, die ganze Beute ihm (Gott) zu weihen. Saul zweigte Beutetiere ab und ließ sie verkaufen bzw. für ein Siegesmahl (zu Ehren Gottes!) schlachten. Das war aber nicht der Aufrag Gottes, daher war Saul ab diesem Zeitpunkt aus Sicht Gottes (und Samuels) nicht mehr der rechtmäßige (von Gott erkorene) König Israels.

    Du hast bewusst kriegerische Szenen ausgewählt, um den "lieben" Gott in Frage zu stellen. Genau diese Szenen sind immer aus der Zeit heraus zu verstehen, in der sie verfasst wurden. An anderen Stellen wird aber auch klar und deutlich der liebende Gott deutlich, etwa wenn David trotz seiens haarsträubenden Verbrechens gegenüber dem Hethiter Uriah Vergebung bei Gott findet - aber erst, nachdem er seine Schuld bekannt hat und Buße getan hat. Nichts anderes findet sich auch im NT: Es gibt nichts, was Gott nicht verzeihen könnte, wenn man seine Schuld bekennt und Buße tut. Ist das Verbrechen allerdings unsühnbar (weil etwa der Hethiter Uriah nun mal tot ist), erfolgt auch keine vollständige Vergebung. David durfte den Tempel nicht bauen, weil "zu viel Blut an den Händen hatte." Das ist nicht auf seine militärischen Siege oder auf sein Dasein als Räuberhauptmann gemünzt, sondern auf den Tod des Uriah!

    Hier liegt übrigens der Ursprung der sog. "Todsünden". Das sind Sünden, deren Konsequenzen nicht rücknehmbar sind und die daher auch nicht volständig sühnbar sind, so groß der Verzeihungswille Gottes auch ist.

    VG
    Christian

  3. #3
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    Danke für die Erläuterungen!

    Meine Ansicht über den Bibelgott konnten sie nicht ändern...

  4. #4
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    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    Danke für die Erläuterungen!

    Meine Ansicht über den Bibelgott konnten sie nicht ändern...
    War ich nicht überzeugend genug oder wolltest du nicht?

    VG
    Christian

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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    Tja

    Hallo ... ja habe au gestaunt über eine Doku von Moses als Feldherrn ... es war ja so ... das Volk Israel das ausgesuchte Volk von Gott ... die Landnahme zwingend erforderlich für den Aufbau des Volkes ... so weit ich weiß wurde Moses doch für seine Gewissenlosigkeit bestraft ? Er durfte nicht das ersehnte Land erreichen und musste sich zum Sterben auf einen Hügel begeben, als Strafe für das Morden von Kindern und Alten ? Im Prinzip ging es ja gegen "gottlose" Menschen ... Ungläubige ... das Schwert also durch aus Mittel der Wahl zur damaligen Zeit erlaubt.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    Danke für die Erläuterungen!

    Meine Ansicht über den Bibelgott konnten sie nicht ändern...
    Wie schon erwähnt, sind die Gottesbilder in der Bibel sehr unterschiedlich. Der liebende und vergebende Gott ist eine Interpretation Jesu, die sich ebensowenig nachprüfen lässt wie diejenige einiger besonders blutrünstiger Geschichten des Alten Testaments. Man kann es denke ich auf eine ganz einfache Formel aus Dan Browns Sakrileg bringen: "Seit es einen einzigen wahren Gott gegeben hat, wurde in dessen Namen getötet"

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
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    Das ist der Grund, weshalb ich nicht an den Bibelgott glaube...

  8. #8
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    Zitat Zitat von Conzaliss Beitrag anzeigen
    Das ist der Grund, weshalb ich nicht an den Bibelgott glaube...
    Der Gott der Bibel ist eine Interpretation des Menschen und deswegen den Moden der jeweiligen Zeit angepasst worden.

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