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Tags: byzanz untergang

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Alt 28.11.2010, 20:55   #21 (permalink)
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Der 4. Kreuzzug/Die Verlierer:

Nachdem ich über die Gewinner des 4. Kreuzzugs geschrieben habe, möchte ich nun auch etwas über die Verlierer dieses. Kreuzzugs schreiben:

-Ungarn: Im 4. Kreuzzug wurde, wie schon berichtet wurde unter der Leitung Venedigs die Stadt Zara angegriffen und erobert. Somit verlor der König von Ungarn und Kroatien diese Stadt wieder an die Venezianer. Ein „christlicher Kreuzzug“ hatte sich also gegen eine „christliche (katholischen) Macht“ gewandt. Sicherlich wird Zara eine gewisse Bedeutung gehabt haben, sonst hätte Venedig nicht den Kreuzzug dorthin geleitet, aber auf Ungarn und seine Geschichte dürfte das Ganze nicht wirklich große Auswirkungen gehabt haben. Somit könnte man sagen: Verlierer Ja, aber nicht wirklich ein Großer.

-Byzanz: Anders bei Byzanz. Die Macht am Bosporus war wohl der Verlierer schlechthin.
Obwohl diese Behauptung zu einer interessanten Frage führt: Was wäre gewesen wenn der 4. Kreuzzug nicht stattgefunden hätte (habe nicht vergessen, das ich auf diese Frage, die ich schon gestellt habe, bisher noch nicht eingegangen bin)? Es gibt Historiker die sogar behaupten Byzanz wäre ohne den 4. Kreuzzug noch viel schneller untergegangen. Sieht man sich den Verfall von Byzanz seit ca. 1180 an wird einem klar das es sich um eine Periode mit gigantischem Abstieg handelt. Auf dem Balkan, der ja unter den Komnenenkaisern zum „Kern von Byzanz“ wurde, verlor man große Gebiete. Serbien und Bulgarien wurden Unabhängig. In Anatolien verlor man an die Rum-Seldschuken Gebiete und von Westeuropa her wurde man stark unter Druck gesetzt. Die Stellung der Angeloi-Kaiser war höchst umstritten, was zu weiteren Abspalltungen wie etwa Zypern oder dem Kaiserreich von Trapezunt (spalltete sich kurz vor dem 4. Kreuzzug ab) führte. Eine Entwicklung die unweigerlich zum (baldigen) Untergang führt? Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich persönlich denke aber das ein fähiger und starker Kaiser die Lage wieder zum Besseren führen hätte können. Es war nicht zum ersten mal das Byzanz stark in Bedrängnis gekommen war. Betrachtet man die Lage zwischen der verlorenen Schlacht von Mantzikert und Alexios I Komnennos z.B. war sie ähnlich Hoffnungslos, dennoch erfolgte ein erneuter Aufstieg und nicht der Untergang.
Zu den Verlierern des 4. Kreuzzugs gehörte zweifellos die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel. Nach den gewaltigen Plünderungen erreichte sie nie mehr den Glanz von vor 1204. Hinzu kam, das die Herrschaft der Lateiner der Stadt auch eher schadete als das sie etwas zur positiven Entwicklung beitrug. Neben der ständigen Geldnot der neuen Herrscher, wirkte sich auch noch aus das Konstantinopel seine Funktion als Zentrum eines Großreichs einbüsste. Venedig hätte Geld für Bauten gehabt, sah seinen Teile Konstantinopels aber eher als Handelsplatz als, als Stadt die man ausbauen oder gar verschönern hätte können. Es war wohl eher so, das vorhandene Kunstwerke z.B. noch in den Westen exportiert wurden, entweder um Finanzlöcher zu stopfen (Lateinisches Kaiserreich) oder um nach Venedig transportiert zu werden. So schadete diese Herrschaft der Stadt auch noch, das viele Bauten in dieser Zeit verfielen ist belegt.
Nach 1204 bildeten sich zahlreiche kleinere byzantinische Nachfolgestaaten heraus. Durchsetzen konnten sich schlussendlich: Das Kaiserreich von Nikea (unter der Führung der Laskariden, später der Palaiologos, Hauptstadt Nikea), Epiros-Thessalonike (unter der Führung des Hauses Dukas-Angeloi, Hauptstadt: Arta) und das wie erwähnt schon vor dem Kreuzzug gebildete Kaiserreich von Trapezunt (unter den Komnenen, Hauptstadt: Trapezunt). Schlussendlich setzte sich Nikea zwar durch, aber es blieben „Horte des Wiederstandes“ gegen das neue Byzanz. Einerseits die byzatinischen Nachfolgestaaten, die (wenn auch geschwächt) noch existierten und andererseits die kleineren lateinischen Fürstentümer (etwa Achaia oder Athen). Neben diesen Mächten gab es auch noch diejenigen die versuchten das Lateinische Kaiserreich wiederaufzubauen. Vor allem Karl von Anjou spielte da eine Rolle. Große finanzielle Aufwendungen waren nötig um diese Mächte abzuwehren (die vielleicht ohne den 4. Kreuzzug andere Ziele verfolgt hätten, oder zumindest in schwächerer Position gewesen wären), genauso wie Konstantinopel wieder zu einer ordentlichen Hauptstadt zu machen. Das ganze überforderte das „wiederhergestellte“ Byzanz finanziell, was ein bedeutender Faktor beim Abstieg war. Nicht der einzige in diesem Zusammenhang. Durch die Ereignisse musste man sich immer wieder Richtung Westen konzentrieren, die Feinde die dem Reich schließlich ein Ende setzten kamen aber vom Osten, die Osmanen.

-Kreuzzugsidee: Der erste Kreuzzug war aus der Sicht Europas ein Erfolg, der 2. und der 3. Kreuzzug waren große Unternehmungen. Ab dem 4. Kreuzzug ging es bergab, die Kreuzzüge nach 1204 waren wesentlich kleiner als die zuvor. Dazu hat wohl auch der 4. Kreuzzug etwas beigetragen. Immerhin führte er nicht gegen Ungläubige sondern gegen Angehörige des selben Glaubens, ja sogar gegen jene die mit ihrem Ansuchen um Hilfe die ganze Bewegung auslösten. Auch wenn es immer Spannungen zwischen Byzanz und den Mächten Europas gab hat der Zug gegen Byzanz und die brutale Plünderung Konstantinopels wohl bei vielen auf Unverständnis gestoßen.
Heute lässt der 4. Kreuzzug die ganze „Kreuzzugsbewegung“ in einem noch düstereren Licht erscheinen, als sie ohnehin schon gesehen wird.

-Genua: Gehört Genua zu den Verlierern des 4. Kreuzzugs? Das ist eine interessante Frage, die sich stellt. Kurzfristig gesehen muss wohl sagen, Ja. Immerhin hatte der Konkurrent Venedig nun eine weit stärkere Machtbasis. Aber Mittelfristig würde ich Genua wohl nicht als Verlierer sehen. Um ein Gegengewicht zu Venedig und dem Lateinischen Kaiserreich zu schaffen, brauchte man in Nikea eine andere Seemacht als Verbündeten, Genua. Hiermit war das Tor zu Byzanz weiter geöffnet als je zuvor. Genua war der Gewinner von der Rückeroberung Konstantinopels im Jahr 1261. Es schaffte sich nun eine Basis die stärker war als vor 1204. Später war es einmal Genua, einmal Venedig, das Byzanz zur Seite stand oder auch dessen Gegner war. In den Machtkampf der beiden Seemächte wurde Byzanz immer wieder hineingezogen, oft war es der Verlierer. Die beiden italtienischen Seemächte der Gewinner. Auf langfristige Sicht gesehen waren die beiden Seemächte ein Faktor der Anteil am Abstieg von Byzanz hatte. Diese Schwäche von Byzanz nutze den Osmanen und schadete dadurch nach 1453 auch den beiden Seemächten.

Über Ergänzungen, Kritik und Kommentare freue ich mich natürlich.

Geändert von WDPG (28.11.2010 um 21:13 Uhr).
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Alt 29.11.2010, 10:04   #22 (permalink)
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Weitere Informationen zum 4. Kreuzzug findet ihr hier:

http://www.g-geschichte.de/forum/dis...08-byzanz.html (Diskussion zur Ausgabe 07/08: Byzanz)

und hier:

(Bilanz über die Kreuzzüge)118
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