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Die Normannen - Räuber, Entdecker, Staatengründer

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Tags: kreuzzuege

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Alt 08.01.2010, 14:46   #111 (permalink)
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Alt 19.02.2010, 15:17   #112 (permalink)
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Ungarn, Byzanz, Islamische Welt des Ostens in der Zeit der Kreuzzüge:

Ich möchte in der nächsten Zeit mal etwas über 3 Gebiete schreiben, die von den Kreuzzügen immer wieder betroffen waren, manche dahin in verschiedenen Rollen. Dabei handelt es sich um Ungarn, Byzanz und den islamischen nahen Osten (konkret meine ich Persien, Syrien und Ägypten). Möchte kurz die Lage vor/während den jeweiligen Kreuzzügen in den einzellnen Ländern/Gebieten beschreiben.

Fange mit der Zeit zwischen ca. dem Jahr 1000 und 1095 an:

-Ungarn:
Am Ende des 9. Jahrhunderts wanderten im Karpatenbecken die Magyaren ein. In den Jahren bis 955 versetzte man nun weite Teile Europas in Angst und schrecken, genauso wie andere Völker vor den Magyaren, die sich im Karpatenbecken niederliesen etwa die Hunnen oder die Awaren.
Doch schon vor dem Jahr 955 erlitten die Ungarn mehrere Niederlagen (Schlacht bei Riade/ Schlacht bei der Welser Heide).
Nach der Niederlage bei der Schlacht auf dem Lechfeld 955, begann man in Ungarn mit einer neuen Politik. Man passte sich den europäern an und übernahm auch den christlichen Glauben. Vor allem König Stephan I aus dem Haus der Arpaden spielte hier eine bedeutende Rolle. Auch bei der Entwicklung zu einem stabilen Königreich.
In den Jahren nach Stefan I ging es mit Ungarn jedoch bergab. Die Herrscher wechselten ständig und auch auswärtige Mächte versuchten ihren Einfluss immer mehr zu erhöhen, eine Rolle dabei spielte auch das Heilige Römische Reich. Diese Kriese dauert in etwa vom Jahr 1038 bis zum Jahr 1077, beendet wurde sie unter König Ladislaus I. In seiner Herrschaft beruhigt sich innenpolitische Lage und Ungarn erlebte eine neue Blüte.

-Byzanz:
In der Zeit der Makedonischen Dynastie (ab 867) erlebte das Byzantinische Reich im Großen und Ganzen einen Aufschwug. Immer wieder kamen in dieser Zeit neben direkten Mitgliedern der Dynastie auf fähige Militärführer auf den Thron.
Die Blütezeit erlebte das Byzantinische Reich dann unter Kaiser Basileios II. Dieser wurde unter anderem dadurch berühmt das er Bulgarien eroberte.
Doch nach Basileos II begann ein schleichender Abstiegsprozess. Unfähige Kaiser und innenpolitische Probleme schwächten das Reich. Vom Osten wurde der Druck mit der Zeit wieder stärker. Das Reich der Seldschuken hatte seinen Aufstieg erlebt und die vielzahl kleinerer Herrschaftsbereiche abgelöst. Mit Plünderungszügen wurde Byzanz immer wieder provoziert. Das Ganze wurde ein Problem dessen Lösung sich Kaiser Romanos IV sich schlussendlich zur Aufage machen musste.
Doch er scheiterte, verlor die Schlacht bei Mantzikert gegen die Seldschuken und geriet schließlich in Gefangenschaft. Die Herrscherdynastie der Dukas akzeptierte Romanos IV nie wirklich und nutzte seine Gefangennahme um wieder mit einem Kaiser aus ihren Reihen die Macht zu übernehmen. In dieser Zeit gelang es den Seldschuken immer mehr auch Anatolien unter Kontrolle zu bringen. Die Folge war ein innenpolitisches Chaos. Kaiser Romanos IV wurde von den Seldschuken wieder freigelassen, wurde aber wenig später vom neuen byzantinischen Kaiser gefangen genommen und geblendet. Doch der Dukas-Clan konnte seine Herrschaft nicht lange halten, Kasier Michael VII wurde gestürtzt und ging ins Kloster.
Was folgte kann man als Machtkampf um Byzanz sehen, in diesem setzte sich Alexios I Komnenos schlussendlich durch (ich weiß, dass ist etwas ungenau beschrieben, es wäre Reizvoll näher darüber zu schreiben, möchte aber Scifis Serie über "das sterben der Römischen Kaiser" wo das sicherlich noch genauer ersichtlich wird nicht vorgreifen, außerdem würde das den Rahmen sprengen).
Das Reich litt zu dieser Zeit unter vielen Problemen. Die Petschenegen am Balkan, die Seldschuken in Anatolien, finanzielle Probleme und die Bedrohung durch die Normannen Süditaliens. Nachdem sich die Bedrohung durch die Normannen etwas gelegt hatte und nachdem man die Petschenegen besiegt hatte, kümmerte sich Alexios I Komnenos um die Seldschuken und startete dabei den Hilferuf der den Aufruf zum 1. Kreuzzug verursachte.

-Persien, Syrien, Anatolien, Ägypten:
Nach dem Niedergang der Macht der Abbasiden kamen im Raum Persiens verschiedene Kleinreiche an die Macht. Doch ab dem Jahr 1034 erlebten die Seldschuken ihren Aufstieg, in diesem Jahr nahmen die Seldschuken Chorasan ein, im Jahr 1040 schlugen sie die mächtige Dynastie der Ghaznawiden in einer Schlacht, 15 Jahre danach befreiten die Seldschuken die Abbasiden von Bagdad aus der Schutzherrschaft der Buyiden und brachten das Abbasidenkalifat selbst unter ihre Kontrolle (so wie die Buyiden es vorher getan haben). Vom Kalifen erhielt der Herrscher der Seldschuken den Titel Sultan. Doch der Aufstieg der Seldschuken ging weiter, man schlug Byzanz in der Schlacht von Mantzikert im Jahr 1071 und nahm in der Folge Anatolien ein.
Unter Malik Shah erreichte das Reich der Seldschuken seine Blüte.

In Ägypten, Paläsitina und in Syrien herrschten die Fatimiden. Mein Eindruck ist das Byzanz mit den Famitimiden auch handelstechnische Bezihungen pflegte und das Reich der Fatimiden nicht nur als Feind ansah.

Das Verhältnis zwischen den Seldschuken und den Fatimiden war äußerst angespannt. Die Seldschuken waren Sunniten und sahen in den Fatimiden, die wohl die mächtigste Dynastie der Schiiten ihrer Zeit waren, ihre Hauptfeinde.


Über Kritiken und Ergänzungen freue ich mich natürlich.

Fortsetzung folgt.
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Alt 19.02.2010, 15:32   #113 (permalink)
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In Ägypten, Paläsitina und in Syrien herrschten die Fatimiden. Mein Eindruck ist das Byzanz mit den Famitimiden auch handelstechnische Bezihungen pflegte und das Reich der Fatimiden nicht nur als Feind ansah.

Das Verhältnis zwischen den Seldschuken und den Fatimiden war äußerst angespannt. Die Seldschuken waren Sunniten und sahen in den Fatimiden, die wohl die mächtigste Dynastie der Schiiten ihrer Zeit waren, ihre Hauptfeinde.
Das spielte auch im 1. Kreuzzug eine Rolle. Da freuten sich die Fatimiden über die Erfolge der Kreuzfahrer gegen die Seldschuken und boten ihnen sogar ein Bündnis an - allerdings sollte Jerusalem unter Fatimidenherrschaft bleiben. Die hatten also offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es beim Kreuzzug ging. Ich vermute einmal, sie hielten die Kreuzfahrer für eine byzantinische Söldnertruppe.
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Alt 21.02.2010, 00:50   #114 (permalink)
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Ich vermute einmal, sie hielten die Kreuzfahrer für eine byzantinische Söldnertruppe.
Mit deiner Vermutung dürftest du richtig liegen. Wundert mich auch nicht wirklich. Die Armee von Byzanz in der Komnenenzeit bestand hauptsächlich aus Söldnern und die werden nicht so viel anders ausgesehen haben als die Kreuzfahrer (etwas schon, weiß nicht woher genau wieviele kamen, aber vor allem die Petschenegen dürften im Heer von Byzanz eine bedeutende Rolle gespielt haben).
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Alt 21.02.2010, 13:47   #115 (permalink)
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1. Kreuzzug:

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-Ungarn:
Diese Kriese dauert in etwa vom Jahr 1038 bis zum Jahr 1077, beendet wurde sie unter König Ladislaus I. In seiner Herrschaft beruhigt sich innenpolitische Lage und Ungarn erlebte eine neue Blüte.

-Byzanz:
Nachdem sich die Bedrohung durch die Normannen etwas gelegt hatte und nachdem man die Petschenegen besiegt hatte, kümmerte sich Alexios I Komnenos um die Seldschuken und startete dabei den Hilferuf der den Aufruf zum 1. Kreuzzug verursachte.

-Persien, Syrien, Anatolien, Ägypten:

Unter Malik Shah erreichte das Reich der Seldschuken seine Blüte.

In Ägypten, Paläsitina und in Syrien herrschten die Fatimiden. Mein Eindruck ist das Byzanz mit den Famitimiden auch handelstechnische Bezihungen pflegte und das Reich der Fatimiden nicht nur als Feind ansah.

Fortsetzung folgt.
-Ungarn: Ungarn hatte im 1. Kreuzzugs die Rolle eines Durchzugslandes, zumindes von Teilen des Kreuzzugs. Ungarns König in der Zeit des 1. Kreuzzugs war Koloman der so eben den Thron der Thron übernommen hatte (nach dem Tod von Ladislaus I).
Der erste Zug der durch Ungarn zog war der Volkskreuzzug von Peter dem Einsiedler. Dieser durchquerte Ungarn ohne größere Zwischenfälle. Bei weitem nicht so einfach hatte es Ungarn mit dem Zug Gottschalks und Volkmars. Hier kam es zu Plünderungen, die schlussendlich verursachten dass, das Heer Ungarns den Zug vernichtete.
Auch mit einem weiteren Teil des sogenannten "deutschen Kreuzzugs" hatten die Ungarn Schwierigkeiten, dem Zug von Graf Emicho. Hier kam es zu gröberen militärischen Konflikten (Belagerung von Mosony), die schlussendlich dazu führten, das die Ungarn das "Kreuzzugsheer" vernichteten.
Wesentlich friedlicher verlief dann der Durchzug vom Heer von Gottfrieds und Balduins von Bouillon. Dieser Zug zog von beiden Seiten relativ gut organisiert und diszipliniert durch Ungarn und das obwohl das Misstrauen Ungarns nach den Erfahrungen mit den vorherrigen Zügen Anfangs groß war.

-Byzanz: Hier habe ich schon einiges von der Lage im vorherrigen Posting geschrieben. Kaiser Alexios I Komnenos war es der mit seinem Hilferuf den Anlass für den 1. Kreuzzug gegeben hat. Begeistert dürfte er nicht gewesen sein, dass es schlussendlich zu den Kreuzzügen kam, er wollte wohl lieber Söldnertruppen aus Westeuropa anwerben.
Genauso wie Ungarn versuchte er mit der zur Verfügungstellung von Lebensmitteln und auch mit dem Militär die Kreuzritter unter Kontrolle zu halten. Beim Volkskreuzzug kam es zu Kämpfen zwischen den Kreuzzugsteilnehmern und den Truppen von Byzanz, diese sollen dazu geführt haben, das Peters Zug ein Viertel seiner Teilnehmer verlor. Schlussendlich gelang es den Truppen des Kaisers aber die Kreuzzugsteilnehmer nach Anatolien hinüberzubegleiten, wo sie in Kämpfen mit den Seldschuken vernichtet wurden.
In den Jahren 1096 und 1097 trafen die Heere des 1. Kreuzzugs in Konstantinopel ein. Der Kaiser war ihnen gegenüber misstrauisch, ein Grund war das sich unter den Kreuzrittern viele Normannen Süditaliens befanden, mit denen man vor kurzem noch gekämpft hatte. Alexios I Komnenos verhandelte mit den Kreuzzugsführern über einen Lehenseid, wonach die ehemaligen Gebiete von Byzanz unter die Oberhoheit des Kaisers fallen sollten. Insgesamt muss man sagen half Byzanz den Kreuzfahrern zwar, aber Misstrauen bestand die ganze Zeit während des Kreuzzugs.
Direkt bracht der Kreuzzug Byzanz Teile von Anatolien mit Nikäa ein.

Anatolien, Syrien, Ägypten, Persien: Unter Malik Shah erreichte das Seldschukenreich seine Blüte. Schon damals dürften die Seldschuken allerdings nicht der alleinige Herr der Islamischen Gebiete (außer dem Fatimidenreich) im Osten gewesen sein. Schon relativ bald nach der Schlacht von Mantzikert gründeten sich etwa die Danischmenden in Anatolien. Auch bei den Seldschuken dürfte es schon Teilreiche gegeben haben. So gründete Tutusch I (ein Bruder von Malik Shah) eigene Herrschaftsgebiete, die er vorher den Fatimiden abgenommen hatte, zu diesen Gehörten Syrien und Palästina. Malik Schah gelang es jedoch Tutuschs Macht zu schwächen, nach dem Ende von Malik Schah versuchte Tutusch diese wiederzuerlangen, was ihm Teilweise auch gelang.
Doch nicht nur in Syrien auch in Anatolien konnten die Seldschuken relativ bald nach Mantzikert eine halbwegs eigenständige Politik verfolgen. Nach dem Ableben von Malik Shah im Jahr 1092 wurde die Tendenz zur Unabhängigkeit verschiedener Gebiete des Seldschukenreichs noch größer. Es kam zu relativ unübersichtlichen Zuständen in manchen Gebieten. Eine Ursache war das es zwischen den Söhnen Malik Schahs zu Thronkämpfen kam, die relativ schnell aufeinanderfolgenden Großseldschukensultane verloren die Kontrolle über weite Teile des Reichs.
Diese Zustände kamen auch den Kreuzrittern zu Gute. Als sie Anatolien durchzogen waren die Rum Seldschuken schon Unabhängig geworden. Schon 1077 hatte der Herrscher dieses Seldschukenteils den Titel Sulatn angenommen. Die Teilnehmer des Volkskreuzzugs konnten die Seldschuken vernichten, gegen die Teilnehmer des 1. Kreuzzugs verloren sie mehrere Schlachten und auch ihre Hauptstadt Nikäa (die schließlich an Byzanz fiel).
Auch bei der Belagerung von Antiochia spielten die Seldschuken eine Rolle, diesesmal die Linie von Tutusch I. Seine Söhne Duqaq (1095-1104 Herrscher in Damaskus) und Radwan (1095-1104 Herr über Aleppo, ab 1104-1113 auch über Damaskus) spielten bei den Entsatzversuchen von Antiochia, dessen Oberbefehlshaber der Schwiegervater Radwans war, eine Rolle.
Ein weiterer Herrscher der in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt war Kerboga, der Atabeg von Mossul. Mit den Seldschuken dürfte er nicht verwandt gewesen sein. Er versuchte zusammen mit Radwan und Duqaq Antiochia zu entsetzen, nach dem dies Misslungen ist verlor er aber seine Macht.

Eine ander islamische Macht in dieser Zeit war die der Fatimiden von Ägypten, diese waren den Kreuzfahrern gegenüber (wie Scifi schon schrieb) zuerst positiv eingestellt, da diese gegen ihre Feinde, die Seldschuken erfolgeich waren, doch dann mussten sie selbst gegen diese Kämpfen, da sie in dieser Zeit Herrscher über Palästina waren. Auch sie wurden von den Kreuzrittern des 1. Kreuzzugs besiegt.
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Alt 24.02.2010, 14:48   #116 (permalink)
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2. Kreuzzug/Lage in Ungarn, Byzanz und in den Ländern des nahen Ostens

-Ungarn: In der Zeit des 2. Kreuzzugs herrschte in Ungarn der erst 17 Jahre alte König Geza II. Im Großen und Ganzen stand es um das Land recht gut. Existenzielle Bedrohungen gab es keine (obwohl sowohl das Heilige Römische Reich, als auch Byzanz natürlich versuchte den Einfluss auf Ungarn auszubauen).
Was den 2. Kreuzzug betrifft, so dürfte die Versorgung der Heere während des Durchzugs ganz gut funktioniert haben, es kam zu keinen größeren Zwischenfällen. Und das obwohl das Heer des Königs von Frankreich immerhin einen Thronanwärter mit hatte.
Insgesamt hat der 2. Kreuzzug, genauso wie der reguläre 1. Kreuzzug (also ohne die Volkskreuzzüge) den Ausbau des Handels in Ungarn gut getan. Was mir dennoch auffällt ist, das die Ungarn, obwohl doch schon eine Zeit an die Kultur in Europa angepasst, dennoch irgendwie als fremde wahrgenommen wurden. Chronisten aus damaliger Zeit verglichen die Ungarn noch immer gerne mit Völker wie die Hunnen und dürften in ihnen Barbaren gesehen haben.

-Byzanz: Seltsamerweise liest man über den Grad der Ausschreitungen der Kreuzritter auf byzantinischen Boden verschiedene Angaben. Manchesmal liest man das es kaum größere Ausschreitungen gegeben hat, habe aber auch schon von schweren Ausschreitungen gelesen. Vor allem beim Durchzug des Heeres von Kaiser Konrad III soll es zu diesen gekommen sein. Kaum zu Ausschreitungen soll es beim Durchzug des Heeres des König von Frankreich gekommen sein.
Der Kaiser versuchte den am Kreuzzug teilnehmenden Heerschern zumindest einen Nichtschädigungseid abzuringen, wobei er auch Erfolg hatte. In Anatolien stellte Byzanz zwar Wegführer, ihre Ratschläge wurden aber oft, manchmal auch mit verherrenden Folgen nicht befolgt.
Insgesamt herrschte ein Klima des Misstrauens. Für Manuel I Komnenos müssen die Kreuzzüge vor allem eines gewesen sein, nervig. Sie hielten ihn ab sich um anderes zu kümmern und in Aussicht stand nicht wirklich ein Gewinn.
Die Kreuzzugsteilnehmer hingegen betrachteten Byzanz mit Misstrauen, vor allem als man in Anatolien war. Dort wurde man immer wieder von Seldschukenherren attakiert. Byzanz hatte mit den Seldschuken von Rum vor dem 2. Kreuzzug einen Waffenstillstand vereinbart. Betrachtet man Karten über die Ausdehnung des Byzantinischen Reichs und dann die wo man sieht wo die Kreuzfahrer unterwegs waren, fällt einem auf, dass sie anscheinend auch auf dem Gebiet von Byzanz angegriffen wurden.
Die Teilnehmer des Kreuzzugs schoben die Schuld natürlich auf Byzanz und den Kaiser. Es kann aber leicht sein, das die Grenzen eher unklar waren und sie sich zwar auf dem Gebiet von Byzanz befanden, das diese Gebiete aber nicht wirklich sicher vor Einfällen von den Seldschuken waren.
Insgesamt also eine ähnliche Situation wie beim 1. Kreuzzug. Byzanz musste den Kreuzzüglern zwar helfen, aber das gegenseitige Misstrauen war gigantisch.
Dennoch gelang es Manuel I Komnenos gute Beziehungen zum Kaiser des Westens Konrad III aufzubauen. Ein Grund war das beide in den Normannen (unter Roger II) in Süditalien eine Bedrohung sahen. Ein anderer Grund waren sehr gute Beziehungen zwischen Manuel I und Konrad III, die während des Kreuzzugs entstanden waren.
Weniger gut waren die Beziehungen zwischen Byzanz und dem König von Frankreich.

Was Byzanz im allgemeinen betraf, kann man sagen es war zur Zeit des 2. Kreuzzugs wieder eine Großmacht. Auf Kaiser Alexios I Komnenos folgte der fähige Kaiser Johannes II Komnenos. Dieser kämpfte Erfolgreich in Anatolien und versuchte auch seinen Einfluss auf die Kreuzfahrertaaen zu erhöhen.
Manuel I versuchte auf mehreren Ebene Großmachtspolitik zu betreiben, spätestens jetzt war Byzanz auch wieder ein Großmacht, aber die Politik Manuels I überforderte die Ressourcen von Byzanz und so kam es spätestens nach dem Ableben Manuels I zum Niedergang des Reichs (wenn nicht schon nach der Schlacht von Myriokephalon), doch das war erst in der Zeit nach dem 2. Kreuzzug.

-Syrien, Persien, Ägypten, Anatolien:
Die Stärke der Rum-Seldschuken ist schwer einzuschätzen, einerseits dürfte es gegenüber Byzanz ein gewisse Unterlegenheit gegeben haben. Andererseits waren sie stark genug um einen Teil des Heeres des 2. Kreuzzugs entscheidend zu schlagen und auch um immer wieder in die Gebiete von Byzanz einzufallen. Zur Stärkung beigetragen hat, das Reich der Danischmenden im Niedergang befand und man somit einen Konkurrenten in Anatolien weniger hatte.
Weiter südlich in Syrien war es dem Atabeg von Mossul und Aleppo Zengi gelungen Edessa zu erobern, was schließlich den 2. Kreuzzug auslöste. Als die Kreuzritter im Nahen Osten ankamen Zengi bereits verstorben, doch sein Sohn Nur ad-Din der Atabeg von Aleppo war, als ein starker Gegner der Kreuzfahrer, einer der seinem Vater nichts nachstand. Atabeg von Mossul wurde Saif ad-Din Ghazi I, der älteste Sohn von Zengi.
Eine islamische Stadt die im 2. Kreuzzug noch eine große Rolle spielte und an der man schließlich scheitern sollte war Damaskus. Hier herrschten die Buriden. Diese waren nicht wirklich feinde der Kreuzfahrer sondern verbündeten sich gelegentlich auch mit ihnen. Für sie waren Leute wie Zengi oder Nur ad-Din eine Bedrohung. Schließlich gelang es Nur ad-Din auch die Stadt in seinen Besitz zu bekommen, allerdings erst einige Jahre nachdem er der Stadt gegen die Kreuzfahrer beistand.

Nun noch ein Blick weiter in den Osten: Das Reich der Großseldschuken war in dieser Zeit ohnehin schon zu weit entfernt um eine Bedeutende Rolle beim 2. Kreuzzug zu spielen. Vom Jahr 1118-1153 herrschte Ahmad Sanjar über das Reich. Vor ihm hatte es eine rasche Abfolge von Herrschern gegeben, was die Folge von Machtkämpfen unter den Großseldschuken waren. Das kostete natürlich an Macht. Dennoch war das Reich von Ahmad Sanjar nicht gerade klein. Ursprünglich herrschte er nur über Chorasan, aber als sein Bruder verstarb erbte er das mächtigste Reich des damaligen Persien und konnte so nochmals weite Teile des Seldschukenreichs unter sich vereinen. Zu seiner Hauptstadt machte er Nischapur (heute im östlichen Iran). Doch im Jahr 1141 erlitt Ahmad Sanjar eine Niederlage gegen die Kara Kitai und im Jahr 1153 geriet er in Gefangenschaft der Ogusen. Dort blieb er 3 Jahre lang, ein Jahr darauf verstarb er. Das Seldschukenreich, das zwar für die Kreuzzüge in dieser Zeit kaum mehr eine Rolle spielte, aber doch auch Beachtung verdient, da es ja viele mit der Auslösung des 1. Kreuzzugs zu tun hat, erlosch.
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Alt 04.03.2010, 13:47   #117 (permalink)
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Lage von Ungarn, Byzanz und dem Nahen Osten zur Zeit des 3. Kreuzzugs:

-Ungarn: Durch Ungarn führte ein Teil des dritten Kreuzzugs, der Zug von Friedrich I Barbarossa, der Durchzug verlief problemlos. Das Heer das durch Ungarn zog war gut diszepliniert und Ungarn sorgte für die Verpflegung. Es kam auch zu persönlichen Begegnungen zwischen Kaiser Friedrich I und Ungarns König Bela III. Unter anderem gingen beide gemeinsam zur Jagd. Also insgesamt ein Durchzug wie er kaum besser hätte sein können.
Vom restlichen Kreuzzug war Ungarn kaum betroffen, da dieser ja den Seeweg nahm.
Ungarn erlebte in dieser Zeit eine Blüte und war ein starkes Land. Interessant ist die Gestalt König Bela III. Dieser war verlobt (manchmal liest man auch verheiratet) mit der Tochter von Manuel I Komnenos (dieser war 1143-1180 Kaiser von Byzanz). Da Manuel I Komnenos anscheinend damit rechnete keinen eigenen Erben hervorzubringen erwägte er Bela zu seinem Nachfolger zu machen. 1165 wurde er zum Thronfolger ernannt, aber kurz darauf kam dann doch noch ein Sohn von Manuel I zur Welt, Alexios II Komnenos. Interessant wäre es darüber nachzudenken, was gewesen wäre wenn Bela III, der sich als König von Ungarn durchaus als fähig erwies Kaiser geworden wäre.
Doch so kam es nicht und so und Bela III wurde schlussendlich "nur" König von Ungarn. Zuvor musster er aber noch Machtkämpfe bestehen, seinen Bruder Geza nahm er bei diesen Gefangen. Geza wurde beim Durchzug von Kaiser Friedrich I wieder freigelassen um mit dem Kreuzzug mitzuziehen. Wenn sich Kaiser Manuel I gedacht hatte Bela III könnte Vasall von Byzanz werden hat er sich getäuscht, er war diesem zwar nach wie vor verbunden, aber regierte unabhängig, als fähiger Herrscher Ungarns 1172 und 1196.

-Byzanz: Beim ersten und beim zweiten Kreuzzug begegnet uns Byzanz als Großmacht, diese Position hatte es zur Zeit des dritten Kreuzzugs bereits eingebüßt. Manuel I Komnenos war der letzte Kaiser der eine Art Großmachtspolitik betrieb, danach ging es mit dem Reich steil bergab. Nur 5 Jahre nach dem Ableben von Kaiser Manuel I wurde der letzte Kaiser aus der Komnenendynastie Andronikos I gestürtzt. Ihm folgte Isaak II Angelos nach, diesen gelang es zwar die Normannen die unter seinem Vorgänger das Reich stark bedrohten abzuwehren, ansonsten erwies er sich aber nicht gerade als fähiger Herrscher und hatte auch mit Legitimationsproblemen zu kämpfen.

Beim Durchzug des Heeres auf dem Balkan von Friedrich I Barbarossa zeigte sich bereits die der Kaiser von Byzanz mit zahlreichen Aufständen fertig werden musste. Friedrich I Barbarossa war geneigt dazu diese eher zu unterstützen. Als das Heer Konstantinopel näher kam, drohte die Lage zu eskallieren. Ein Krieg zwischen den beiden gegeneinander äußerst misstrauischen Seiten wurde immer realistischer, schlussendlich kam es aber dann doch dazu dass, das man sich friedlich einigte und Byzanz den Kreuzzugstruppen helfen musste über Gallipoli nach Anatolien zu kommen.

Die Politik Kaiser Isaak II Komnenos trug wesentlich dazu bei das die Spannungen zwischen Kreuzfahrern und Byzanz weiter stiegen, etwas was sich später rächte (siehe vierter Kreuzzug). Was Byzanz auch noch angekreidet wurde, war ein Bündnis mit Saladin. Es kann aber sein, das dieses nur dazu diente die Seldschuken von Rum zu bedrängen bzw. davon Abzuhalten gegen Byzanz vorzugehen.

Doch nicht nur der Zug auf dem Landweg wirkte sich auf Byzanz aus, sondern auch der auf dem Seeweg. In Zypern hatte sich ein Großneffe von Kaiser Manuel I, Isaak Komnenos zum Kaiser ausgerufen. Zwischen diesem und Richard Löwenherz kam es zum Konflikt, an dessen Ende die Kreuzfahrer die Insel in Besitz nahmen und sie für Byzanz somit verloren ging.

-Anatolien, Syrien, Ägypten, Persien:
Den Rum-Seldschuken ist es im Jahr 1176 gelungen bei der Schlacht von Myriokephalon das Heer von Byzanz zu besiegen. Ein harter Schlag für Kaiser Manuel I und sein Reich. In dieser gelang es dem Sultan der Rum Seldschuken auch die Gebiete der Danischmenden unter seine Kontrolle zu bringen. Von der Schwäche des Byzantinischen Reichs nach 1180 profitierte auch der Sultan von Rum, es gelang ihm einige Gebiete in Anatolien zu erobern. Doch nach dem Ableben des erfolgreichen Sultans Kilic Arslan II (1192) kam es zu Streitigkeiten um die Thronfolge die das Reich schwächten.
Schon vor dieser Zeit überlies Kilic Arslan seinen Söhnen die Regierung, diese zerstritten sich, was auch dazu beitrug dass, das Kreuzfahrerheer das durch Anatolien zog erfolge gegen die Seldschuken feierte.

In Ägypten und weiten Teilen Syriens war es in der Zeit vor dem 3. Kreuzzug den Ajjubiden gelungen die Fatimiden vom Thron zu stürzen. Zuerst herrschte das berühmteste Mitglied der Familie Saladin unter der der Autorität von Nur ad-Din, doch mit der Zeit zeichnete sich immer mehr ein Konflikt zwischen den beiden ab. Zu diesem kam es nicht mehr denn Nur ad-Din starb, bevor es zu einer Auseinandersetzung kam. Die Nachfolger von Nur ad-Din waren nicht mehr so mächtige Gestallten wie dieser und so gelang es Saladin mit der Zeit immer mehr die Kontrolle über ihre Gebiete zu bekommen. Einige Nebenlinie der sogenannten Zengiden (Nachfolger Zengis) hielten sich noch etwas länger und wurden entwieder von den Ajjubiden oder später von den Mongolen gestürtzt. Das es Saladin gelang Jerusalem unter seine Kontrolle zu bringen war der Grund warum der 3. Kreuzzug ausgelöst wurde, auf die Auseinandersetzungen zwischen Saladin und dem Heer des 3. Kreuzzugs möchte ich hier jedoch nicht näher eingehen, da das den Rahmen sprengen würde und ich mich ja eher auf eine Lagebeschreibung zur Zeit der jeweiligen Kreuzzüge beschränken möchte.

In Persien erlebte in dieser Zeit eine andere Macht ihren Aufstieg. Ala ad-Din Tekis (1172-1200) gelang es mit Hilfe der Kara Kitai in Choresmien die Macht zu erlangen. Danach schüttelte er die Oberhoheit der Kara Kitai jedoch ab und eroberte selbst weite Gebiete. Das Reich des Choresm-Shahs das nun entstand dürfte auf das Geschehen des dritten Kreuzzugs kaum Einfluss gehabt haben.
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Ungarn, Byzanz, Naher Osten in der Zeit des 4. Kreuzzugs:

-Ungarn: Ungarn nahm im 4. Kreuzzug eine neue Rolle ein, bisher war es immer Durchzugsland gewesen, ab und zu waren auch einige Ungarn in einem Kreuzzug beteiligt gewesen, aber im 4. Kreuzzug wurde Ungarn bzw. ein kleiner Teil davon Opfer.
Venedig leitete den Zug nach Zara um die Stadt, die im Laufe ihrer Geschicht mehrmals den Oberherren zwischen Venedig und Ungarn wechselte wieder unter seine Kontrolle zu bringen, was auch gelang.
König zu dieser Zeit (1202 wurde Zara beleagert) war Emmerich. Dieser herrschte 1196-1204. So erschreckend es auch gewesen sein mag, das Ungarn nun Opfer eines solchen Zugs gewesen ist, es dürfte sich auf Ungarn nicht groß ausgewirkt haben. Beschäftigt man sich mit der Geschichte Ungarns muss man eher aufpassen um das Eregnis überhaupt zu finden oder zumindest nicht zu übersehen. Kann aber auch sein, dass ich die das Eregnis unterschätze.

-Byzanz: Der Zustand von Byzanz in dieser Zeit war ein schlechter, schon beim dritten Kreuzzug kämpfte man unter Isaak II Angelos mit verschiedenen wirklich großen Problemen, doch diese verschärften sich unter seinem Nachfolger Alexios III Angelos, der durch eine Palastrevolution an die Macht kam sogar noch. Die finanzielle Lage war äußerst problematisch, die militärische ebenfalls, was kein Wunder ist, ein großer Teil des Heeres von Byzanz bestand aus Söldnern, ohne Geld also kein starkes Heer, die legitimität des Kaisers wurde in Frage gestellt, was zu zahlreichen Erhebungen führt und Bulgarien war auch seit einigen Jahren nun wieder unabhängig geworden.
Dieser zunehmde Verfall von Byzanz gipfelte schlussendlich in der Eroberung von Byzanz im 4. Kreuzzug.
Ein Kreuzzug mit einem christlichen Staat zum Opfer, einer bei dem man sich fragen muss ob man ihn überhaupt als Kreuzzug bezeichnen sollte.
Nach dem Sturz von Alexios III durch die Kreuzfahrer, nach der Einnahme von Konstantinopel folgte kurze Zeit Alexios IV und der blinde Isaak II Angelos kamen zurück. Doch sie konnten sich nicht lange halten. Die Versprechen die Alexios IV den Kreuzfahrern versprochen hatte um an die Macht zu kommen, konnte er nicht erfüllen und so kam es zu seinem Sturz. Ihm folgt Alexios V. Dieser Versuchte widerstand zu leisten doch er scheiterte, Konstantinopel wurde von den Kreuzfahrern abermals eingenommen. In der Folge gründete man das Lateinische Kaiserreich.

-Anatolien, Syrien, Ägypten, Persien:
In Anatolien profitierten die Rum-Seldschuken von der Schwäche von Byzanz und auch von der späteren Eroberung Konstantinopels und erreichten eine neue Blütezeit.
Um Ägypten kam es nach dem Tod Saladins unter seinen Nachfolgern zu Machtkämpfen aus denen schlussendlich Al Adil I, der im 3. Kreuzzug eine Rolle bei Verhandlungen gespielt hat durchsetzte. Er war von 1200- 1218 Sultan in Ägypten.

Weiter östlich in Persien erreichte zur Zeit des 4. Kreuzzugs gerade das Reich des Choresm-Schah sein Blütezeit und größte Ausdehnung. Herrscher war Ala-ad-Din Muhammad der das Reich vom Jahr 1200 bis zum Jahr 1220 beherrschte, schlussendlich aber gegen die Mongolen verlor.

Geändert von WDPG (14.03.2010 um 12:33 Uhr).
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Alt 18.03.2010, 15:10   #119 (permalink)
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5. Kreuzzüge/Lage in Ungarn, Byzanz, Naher Osten:

Da die beiden Kreuzzugsunternehmungen die beide als 5. Kreuzzug bezeichnet werden zeitlich nicht so weit auseinanderliegen werde ich die Lage der Staaten die ich beschreibe hier zusammenfassen. Die beiden Kreuzzüge sind die von Damiette (1217-1221) und der Kreuzzug Friedrichs II (1228-1229).

-Ungarn: Der König von Ungarn zur Zeit der 5. Kreuzzüge war Andreas II. Dieser Herrschte von 1205-1235 über Ungarn. Im Jahr 1217 begab sich dieser mit einem Heer auf Kreuzzug. Wegen Transportproblemen über das Meer konnte er jedoch nur einen Teil des Heeres mit dem er zum Kreuzzug ziehen wollte mitnehmen. Große Erfolge brachte der Zug des Ungarnkönig Andreas II nicht. Man belagerte erfolglos eine Festung am Berg Tabor und schon Anfang 1218 zog Andreas II wieder ab. Der Kreuzzug ging ohne ihn weiter. Auch die Soldaten von Andreas II zogen wieder ab.

Der Kreuzzug Friedrichs II beeinflusste die Geschichte Ungarns nicht.

-Byzanz: Byzanz existierte seit dem 4. Kreuzzug nicht mehr. Im Gebiet des ehemaligen Byzantinischen Reichs kämpften nun verschiedene Reiche um die Vormachtstellung:
Darunter das von den Kreuzfahrern des 4. Kreuzzugs errichtete Lateinische Kaiserreich (1217 herrschte hier Peter von Courtenay, dieser kam jedoch nie in Konstantinopel an, danach herrschte sein Sohn Robert bis zum Jahr 1228), das bereits kurz nach dem 4. Kreuzzug zu bröckeln begann.
Bulgarien kämpfte ebenfalls um die Vormachtstellung in diesem Raum, teils mit großen Erfolgen. Und dann waren da noch die Nachfolgestaaten von Byzanz: Trapezunt, Epiros-Thessaloniki und Nikäa.
Die Machtkämpfe um Konstantinopel und damit die Nachfolge von Byzanz wurden erst 1261 gelöst, als es Truppen des Kaiserreichs von Nikäa gelang Konstantinopel einzunehmen. Der Lateinische Kaiser wurde vertrieben, Byzanz wiederhergestellt.
In keinem der beiden Kreuzzüge spielten die Gebiete von Byzanz eine bedeutende Rolle.

-Anatolien, Syrien, Ägypten, Persien:
In Ägypten und Syrien herrschten in der Zeit der 5. Kreuzzüge die Ajjubiden, die Nachfolger Sultan Saladins. Nach Saladins Ableben kam es zunächst zu Machtkämfen. Aus diesen ging al-Adil I als Sieger hervor. al-Adil I erlebte noch einen Teil des Kreuzzugs von Damiette. Nach seinem Tod wurde das Reich abermals geteilt, was wiederum Machtkämpfe unter den Ajjubiden zur Folge hatte. Al Kamil wurde zum Sultan in Ägypten, ihm gelang es schließlich das Kreuzzugsheer des 5. Kreuzzugs zu besiegen.
Mein Eindruck vom Ajjubidenreich ist, dass es nach Saladin bei weitem nicht mehr so stark war, immer wieder wurde es vom Machtkämpfen im Inneren bedroht und auch von Außen gab es immer wieder gefährliche Bedrohungen.
Das erklärt auch warum Al-Kamil eine friedliche Lösung mit Friedrich II einem Krieg vorzog und ihm Teile des ehmaligen Königreichs Jerusalem, samt Jerusalem abtrat.

In Persien kündigte sich in dieser Zeit eine neue Macht an. Die der Mongolen. Unter Al-Ad-Din Muhammad (1200-1220) erreicht das Reich der Choresm-Schahs seine größte Ausdehung. Doch nun grenzte es an das Reich Dschinghis Khans. Wer nun wirklich schuld am Krieg zwischen den beiden Großreichen hatte, darüber lässt sich streiten, aber schlussendlich kam es zu diesem. Al-Ad-Din Muhammad setzte auf die falsche Taktik und sein Reich erwies sich als zu instabil um den Mongolen trotzen zu können. Stadt um Stadt fiel an diese, Al-Ad-Din Muhammad starb auf der Flucht. Energisch setzt sein Sohn Dschalal ad-Din den Widerstand des Choresm-Reichs fort, er hatte auch den einen oder anderen Erfolg dabei, scheiterte aber schlussendlich doch. Seine energische Politik auch seinen Nachbarstaaten gegenüber bedrohte auch die Ajjubiden, was in ihren Politik dem Kreuzzug Friedrichs II gegenüber auch eine gewisse Rolle gespielt haben dürfte. Spätestens mit dem Ende von Dschalal ad-Din war es mit dem Choresm-Reich vorbei. Doch sein Heer existierte weiter. Es spielte in den Machtkämfen der Ajjubiden eine bedeutende Rolle und dieses Heer war es auch das schlussendlich 1244 Jerusalem den Kreuzfahrern wieder "wegnahm".

In Anatolien erlebte das Reich der Rum-Seldschuken von 1204 (eigentlich schon von 1176 an) bis zur Schlacht von Köse Dag 1243 eine Blüte Zeit. Was nicht gelang ist das Kaiserreich Nikäa einzunehmen oder zumindest unter Kontrolle bringen zu können. Dieser Versuch kostete einem Seldschukenherrscher (Kai Chosrau I) das leben. Auch die Rum-Seldschuken bedrohten immer wieder das Ajjubidenreich.
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Alt 25.03.2010, 11:59   #120 (permalink)
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Ungarn, Byzanz, Islamische Welt/ 6. Kreuzzug:

-Ungarn: Beim 6. Kreuzzug den der französische König Ludwig IX führte, war Ungarn nicht dabei. Kein Wunder es hatte andere Sorgen. Der König von Ungarn in der Zeit des 6. Kreuzzugs (1248-1250) war Bela IV, dieser herrschte von 1235-1270. In seine Regierungszeit fiel der Einfall der Mongolen im Jahr 1241. Gegen die heranstürmenden Mongolen erlitten die Ungarn in der Schlacht bei Muhi eine vernichtende Niederlage, der König kam nur knapp mit seinem Leben davon. Es wäre gar nicht so unlogisch gewesen, dass Ungarn zu einem Teil des Mongolenreichs geworden wäre, doch diese zogen schlussendlich doch ab und Bela IV konnte seine Herrschaft fortsetzen.
Für Ungarn war der Mongolensturm dennoch ein schwerer Schlag, der extrem viele Opfer forderte. Zunächst war Ungarn also mit dem Wiederaufbau beschäftigt und dannach mit Kriegen gegen die Nachbarn (1246 besiegt man in der Schlacht bei der Leitha Herzog Friedrich II aus Österreich, der in der Schlacht umkommt). An eine Kreuzzugsteilnahme war unter diesen Umständen nicht zu denken, wüsste auch nichts, dass man über diese nachdachte.

-Ehemals byzantinische Gebiete: In diesen Gebieten herrschte nach wie vor der Machtkampf um das Erbe von Byzanz. Mittlerweile mit klarem Favoriten. Epiros-Thessaloniki war schon im Jahr 1230 aus dem Kampf um die Macht ausgeschieden, nachdem es eine Niederlage gegen Bulgarien erlitt, das Kaiserreich der Lateiner war relativ schnell niedergegangen, war nur dadurch ein wichtiger Machtfaktor, dass es Konstantinopel als Hauptstadt hatte. Blieben neben diesem noch Bulgarien und Nikäa als Kontrahenten um die Macht in den Gebieten von Byzanz. Bulgarien wurde schlussendlich durch den Einfall der Mongolen 1242 extrem geschwächt und fiel dadurch im Kampf um Konstantinopel aus. Blieben noch das schwache Lateinische Kaiserreich, dass außerhalb von Konstantinopel kaum mehr Gebiete besaß und das Kaiserreich von Nikäa.
Herrscher des Lateinischen Kaiserreichs war Balduin II. Er bestieg als 11 Jähriger den Thron, gerade in der Lage in der sich das Lateinische Kaiserreich befand braucht man einen fähigen Regenten. Das wurde schlussendlich Johann von Brienne, der im 5. Kreuzzug eine wichtige Rolle gespielt hatte und zuvor König von Jerusalem war. Als er den Titel eines Mitkaisers annahm war er bereits ein alter Mann, doch er regierte das Lateinische Kaiserreich immerhin noch 9 Jahre lang. In dieser Zeit musste es eine Belagerung durch Bulgarien und Nikäa bestehen. Ab 1237 herrschten nun Balduin II selbst über das Lateinische Kaiserreich. Die Lage war äußerst problematisch, Balduins Reich war ein von äußeren Feinden (vor allem Nikäa) bedrohter Kleinstaat, der kaum Soldaten hatte und starke finanzielle Schwierigkeiten hatte.
Aus diesem Grund bereiste Balduin II die Höfe Europas. Auch dem 6. Kreuzzug stattete Balduin II einen Besuch ab.

-Anatolien, Syrien, Ägypten, Persien:

Unter Kai Kobad I befand sich das Reich der Rum-Seldschuken in voller Blüte. 1237 bis 1246 herrschte Kai Chosrau II über das Reich der Rum-Seldschuken, er war bei weitem nicht so ein fähiger Herrscher wie sein Vater. Im Jahr 1243 wurden die Rum-Seldschuken in der Schlacht von Köse Dag geschlagen, die Blüte war zu Ende. Der Sultan wurde zum Vasallen der Mongolen.
In Ägypten und Syrien herrschten nach wie vor die Ajjubiden. Doch zwischen diesen kam es immer wieder zu kämpfen. Praktisch immer wenn ein Sultan verstarb, hatte das Nachfolgekämpfe zur Folge. In diese versuchten auch die Kreuzfahrerstaaten immer wieder einzugreiffen. Im Jahr 1245 gelang es as-Salih sich in langen Kämpfen gegen seine Kontrahenten um die Macht im Reich der Ajjubiden durchzusetzen, in diesen Kämpfen spielten auch die nun herrenlos gewordenen Truppen Dschelal-Ad-Dins immer wieder ein Rolle. Diese Truppen spielten auch bei der Eroberung Jerusalems im Jahr 1244 eine Rolle. Diese Eroberung hatte jedoch den 6. Kreuzzug zur Folge. Im Jahr 1249 also mitten in der Zeit des 6. Kreuzzugs verstarb as-Salih an einer Krankheit. Herrscher wurde nun Turan Schah, diesem gelang es das Heer des 6. Kreuzzugs zu schlagen. Doch er blieb nicht lange auf dem Thorn.
Eine andere Entwicklung die in der Zeit von as-Salih begann spielte nun eine Rolle. Wie erwähnt, spielten die Truppen des Choresm-Shahs die nach dem Ende von Dschelal Ad-Din herrenlos geworden waren immer wieder eine bedeutende Rolle im Dienste der Ajjubidenherrscher. Doch sie waren auch gefährlich, aus diesem Grund setzte der Sultan immer mehr auf türkische Sklaventruppen, die Mamluken. Turan Schah versuchte den Einfluss dieser Truppen nun einzugrenzen, was zu seinem Sturtz führte. Die Ajjubiden wurden nun von den Mamluken abgelöst.

Was Persien betrifft so spielte eine Entwicklung, die uns in dieser Zeit schon mehrfach begegnete eine große Rolle, der Aufstieg der Mongolen. Nachdem das Reich des Choresm-Shahs zerschlagen worden war, herrschten die Mongolen noch nicht über Persien, doch ihr Einfluss wird wohl hoch gewesen sein. Schlussendlich, ein paar Jahre nach dem 6. Kreuzzug kam es zur Eroberung Persiens und auch der Eroberung von Bagdad im Jahr 1258.
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