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Tags: kreuzzuege

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Alt 14.05.2008, 14:32   #1 (permalink)
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Bilanz über die Kreuzzüge

Hier möchte ich gerne zusammen mit den anderen geschichtlich Interessierten, die in diesem Forum schreiben eine Billanz der Kreuzzüge erstellen.

Folgende Fragen würden mir dazu einfallen:

-Wer waren die Gewinner der Kreuzzüge?
-Welche Kreuzzüge waren erfolgreich, welche nicht?
-Welcher Kreuzzug war der "schändlichste" und warum?
-Welcher der größte (bezogen auf eingesetzte Truppen/Material usw.)
-Warum sind die Kreuzfahrer schlussendlich gescheitert?
-Was haben sie uns bis heute hinterlassen?
-Welche langfristigen Auswirkungen haben die Kreuzzüge gehabt?

Zusätzliche Fragen sind natürlich erwünscht.

Freue mich schon auf eure Antworten.
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Alt 14.05.2008, 18:54   #2 (permalink)
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Muepsilon wird schon bald berühmt werden
Interessantes Thema, und m.E. die richtigen Fragen. Nur zu dreien ein paar Gedanken.

Zitat:
Zitat von WDPG Beitrag anzeigen
-Wer waren die Gewinner der Kreuzzüge?
-Was haben sie uns bis heute hinterlassen?
-Welche langfristigen Auswirkungen haben die Kreuzzüge gehabt?
Gewinner:
Ich gehe mal nicht von territorialen oder politischen Aspekten aus, sondern von der Frage: Wer ging auf Kreuzzug? Der Aufruf und die Begründung der Päpste war für viele nur ein willkommener Vorwand. Antrieb war genauso die Aussicht auf Beute. So zogen denn massenhaft vor allem jene Kinder aus Ritterhäusern los, die nachgeboren und nicht erbberechtigt für die Übernahme der väterlichen Burg samt Besitztum waren. Für sie war es eine Aufgabe, und so stabilisierten die Kreuzzüge das soziale Gefüge des Ritterstandes. Er war ein Gewinner.

Hinterlassenschaft:
Es bietet sich ein Vergleich mit einer Völkerwanderung an, bei der sich Völker vermischen. Viele Kreuzfahrer blieben freiwillig vor Ort, gründeten dort Familien. Im Tross befanden sich auch viele Frauen (der Papst schickte sogar per Schiff mal Prostituierte hinterher), die bei einer Niederlage der Kreuzritter im Kampf in vielen Fällen in Harems vor Ort landeten. So sind heute Europäer und Araber vielfältig verwandt.
Zweitens: Wiortschaftlich. Immer wieder gingen auch Vertreter von Handelshäusern mit auf Tour. Die sahen sich (wie ein Vertreter der Nürnberger Familie Tucher) vor Ort auch nach profitablen Handelsprodukten um. Man könnte als "Hinterlassenschaft" sagen: Die Anbindung des Orients als Lieferant von Waren für den internationalen Fernhandelsverkehr (auch die Lebkuchen aus Nürnberg, um die sich später Fürstenhöfe rissen, waren ohne Gewürze aus dem Orient nicht denkbar).

Langfristige Auswirkungen:
Dazu muss man ein Ohr für die Stimmung vor Ort haben, und das bekommt man nur vor Ort. Meine Erfahrung: Die Kreuzzüge sind vor Ort trotz der langen Zeit, die verstrichen ist, nicht wirklich vergessen, sind fast wie ein Trauma, in der Kette des viel später folgenden Auftretens von europäischen Kolonialherren bis zur Verteibung der Bevölkerung aus Palästina - und das belastet das Verhältnis zwischen Orient und Okzident und erschwert ein Vertrauen gegenüber den Europäern.
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Alt 15.05.2008, 09:05   #3 (permalink)
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Zitat:
Zitat von WDPG Beitrag anzeigen
-Wer waren die Gewinner der Kreuzzüge?
Schwer zu sagen. Im Endeffekt wurden teilweise beide Parteien sowol die Christen als auch die Moslimen geschadet. Wie Muepsilon schon sagte wurde gewiss das Rittertum verstärkt und viellleicht auch die Macht der Päpste da ein einziger Ruf ausreichte um großes in der Geschichte zu bewegen. Verlierer kann man auf jeden Fall sagen war Byzanz, die ein ums andere mal von den eigenen "Freunden" den Abendländern überrannt wurden

Zitat:
Zitat von WDPG Beitrag anzeigen
-Welche Kreuzzüge waren erfolgreich, welche nicht?
Der erste war meiner Meinung nach gleich einer der erfolgreichsten. Es gelang Jerusalem zu erobern und Kleinstaaten unter christlicher Führung zu gründen

Zitat:
Zitat von WDPG Beitrag anzeigen
-Welcher Kreuzzug war der "schändlichste" und warum?
Bestimmt der "Kinderkreuzzug". Ob man diesen eigentlich als Kreuzzug bezeichnen sollte?!

Zitat:
Zitat von WDPG Beitrag anzeigen
-Warum sind die Kreuzfahrer schlussendlich gescheitert?
Sicherlich einfach auf dem Schlachtfeld gegen die Osmanen die einfach das ganze Umfeld besser gewohnt waren oder auch der Tatsache dass sie die Bevölkerung nicht kontrollieren und zu ihren Staaten eingliedern konnten. Zum Schluß denke ich auch war es dem Abendland egal was aus den Kreuzfahrerstaaten wird das einfach das Interesse nach den Jahrhunderten wieder verschwunden war.
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Alt 16.05.2008, 13:32   #4 (permalink)
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Eine Frage die ich eigentlich noch stellen wollte die ich aber scheinbar vergessen habe war: Wer waren die Verlierer der Kreuzzüge.

Aber zunächst zur Frage nach den Gewinnern: Einerseits würde ich sagen die Kirche und andererseits die Seemächte aus Italien. Genua und Pisa hatten meines Wissens nach vor den Kreuzzügen kaum Bedeutung. Venedig war auch bei weitem nicht so bedeutsam wie es durch die Kreuzzüge wurde. Es hatte aber schon vorher eine gewisse Bedeutung. Immerhin trat der byzantinische Kaiser Basileos II Dalmatien an Venedig ab.

Im 1. Kreuzzug spielten die Seemächte Italiens kaum eine Rolle (kein Wunder es wurde ja auch der Landweg genommen). Doch schon bei der Eroberung der Küstengebiete durch die Kreuzritter brauchte sie Hilfe und die kam von den Seemächten.
Bei der Kreuzzügen direkt erhielten die Seemächte erst dann Macht und Bedeutung als man den Seeweg nahm.
Mit dem 4. Kreuzzug bekam Venedig enorme Macht im Gebiet des Bosporus. Durch die Wiedereroberung Konstantinopels durch Nikäa erlangte Genua an Einfluss in dieser Gegend, ohne Venedig wirklich zu verdrängen. Die Macht der beiden Seemächte im Osten war damit begründet.
Ein weiterer Gewinner waren die Verschiedenen Orden. Sie wurde ja in dieser Zeit gegründet. Manche wie die Templer verloren ihre Macht kurz nach den Kreuzzügen, häuften aber wärend dessen große Schätze an. Der deutsche Orden entstand auch in dieser Zeit, ihm gelang es sich in Nordosteuropa eine Basis zu schaffen.

So jetzt zur Frage der Verlierer:

Da fallen mir vor allem 2 Verlierer ein. Einige Arabische Dynastien wie die Fatmidien (in Ägypten und Syrien) oder die Großseldschuken und zeitweise auch die Rum Seldschuken (Seldschuken in Anatolien).

Der zweite Verlierer war Byzanz. Schon beim 1. Kreuzzug (den ja der Kaiser von Byzanz ausgelöst hatte) waren die Kreuzritter nicht nur Verbündete sondern auch eine Bedrohung. Im 3. Kreuzzug kam es schon zu sehr ernsten Auseinandersetzungen und der 4. Kreuzzug schädigte das Reich so dass es sich nie wieder erholte.
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Alt 17.05.2008, 14:32   #5 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Hügl Beitrag anzeigen

Warum sind die Kreuzfahrer gescheitert?

Sicherlich einfach auf dem Schlachtfeld gegen die Osmanen die einfach das ganze Umfeld besser gewohnt waren oder auch der Tatsache dass sie die Bevölkerung nicht kontrollieren und zu ihren Staaten eingliedern konnten. Zum Schluß denke ich auch war es dem Abendland egal was aus den Kreuzfahrerstaaten wird das einfach das Interesse nach den Jahrhunderten wieder verschwunden war.

Ich denke mir es ging nicht nur um das Interesse direkt. Am Ende der Kreuzzüge waren viele der europäischen Mächte zusehr mit der Sizilianischen Frage beschäftigt um sich um die Kreuzzüge zu kümmern.
Etwas später (als die Kreuzfahrerstaaten schon untergegangen waren), war man zu schwach um sich um einen Kreuzzug zu kümmern. Frankreich und England waren ab Mitte des 14. Jahrhunderts mit dem hundertjährigen Krieg beschäftigt und das Heilige Römische Reich war nur noch ein aus hunderten Kleinreichen bestehendes Reich. So gab es kaum noch jemand der Stark genug war um einen Kreuzzug gegen die Mameluken oder Osmanen zu führen.
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Alt 17.05.2008, 14:38   #6 (permalink)
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Zur Frage welche Kreuzzüge waren Erfolgreich welche nicht:

Den 1. würde ich (genau wie vor mir schon Hügl schrieb) als den erfolgreichsten sehen. Immerhin konnte man die Kreuzfahrerstaaten (Edessa, Tripolis, Jerusalem usw.) gründen. Der 2. war unentschieden (obwohl man beachten muss das die Heere aus Europa starke Verluste zu erleiden hatten). Der 3. war zum Teil ganz Erfolgreich, dennoch gelang es nicht Jerusalem zurückzuerobern.
Der 4. Kreuzzug war ein Erfolg, aber nicht gegen die Moslems und langfristig eigentlich ein totaler Flop (gehört wohl zur Kathegorie "schändliche Kreuzzüge").
Die Kreuzzüge danach hatten nicht mehr die Dimension. Der von Friedrich II bewirkte immerhin nochmals die kurzfristige Abtretung von Jerusalem an die Kreuzfahrer.
Die Kreuzzüge von Ludwig dem Heiligen scheiterten genauso wie die Kreuzzüge gegen die Osmanen.
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Alt 01.06.2008, 17:43   #7 (permalink)
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"Hinterlassen" haben die Kreuzfahrer auch den Rohrzucker, den sie nach Europa einführten un der hier den Honig als Süßstoff ersetzte.
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Alt 01.06.2008, 21:19   #8 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Muepsilon Beitrag anzeigen
"Hinterlassen" haben die Kreuzfahrer auch den Rohrzucker, den sie nach Europa einführten un der hier den Honig als Süßstoff ersetzte.

Das mit dem Rohrzucker habe ich gar nicht gewusst. Honig, davon hab ich auch mal was gehört.
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Alt 14.06.2008, 17:12   #9 (permalink)
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Ohne die Kreuzzüge wären wir nicht so entwickelt wie wir sind.
Also können wir froh sein dass es sie gab.
Oder würdet ihr gerne mit römischen Zahlen rechnen^^?
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Krieg ist eine schwierige Angelegenheit, er verlangt Geschick und Präzision.
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Alt 16.06.2008, 10:30   #10 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Anonemuss Beitrag anzeigen
Ohne die Kreuzzüge wären wir nicht so entwickelt wie wir sind.
Also können wir froh sein dass es sie gab.
Oder würdet ihr gerne mit römischen Zahlen rechnen^^?
Das ist nicht einfach eine Frage des einfacheren Rechnens. Wirklich revolutionär war die Einführung der Null, die nachhaltige Auswirkungen auf das Weltbild und -verständnis hatte ...
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