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  1. #11
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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    Ausschließen kann man natürlich gar nichts, es ist aber doch ziemlich unwahrscheinlich. Wenn kurz nach 1200 tatsächlich Trojaner in Italien gelandet sein sollten, aber erst etwa 450 Jahre später Rom gegründet wurde (wobei es aber auch Historiker gibt, die meinen, Rom sei erst um ca. 700-600 gegründet worden), dann ist es schon sehr fraglich, ob sich die Römer überhaupt noch der trojanischen Herkunft ihrer Ahnen bewusst sein konnten.
    Die Flucht hat sich laut Vergil und Livius nicht über Jahrhunderte hingezogen, sondern nur über einige Jahre. Anders ginge es auch gar nicht: Hätten sich die Trojaner tatsächlich erst für ein paar Generationen in Nordafrika niedergelassen und wären dann weitergezogen, hätten sich die Römer später noch weniger einer Herkunft aus Troja erinnert.

  2. #12
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    Servus!
    So weit konnte Vergil auch rechnen. Deshalb hat er ja die Alba Longa-Phase eingebaut, die es sicherlich schon vor Livius sagenhafterweise gab. So wie ich das sehe, hat aber erst Livius Alba Longa und Rom in eine feste und direkte Verbindung gebracht.

    VG
    Christian

  3. #13
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    Die Geschichte von der trojanischen Herkunft scheint von den Griechen Süditaliens erfunden worden zu sein, die die wachsende und mächtiger werdende Stadt in ihren Kulturkreis einbinden wollten.

    Die Romulussage änderte sich auch im Laufe der Zeit. Ursprünglich galt Romulus als der Sohn des Aeneas, erst später erkannte man die chronologische Unmöglichkeit.

    Neben der bekannten Romulussage gab es noch andere Sagen über die Gründung Roms, z. B. dass siegreiche Griechen mit gefangenen Trojanerinnen nach Latium verschlagen worden wären. Dort hätten sie die Schiffe an Land gezogen, um zu überwintern. Die Trojanerinnen hätten aber die Schiffe in Brand gesteckt, und weil die Griechen keine neuen bauen konnten, hätten sie sich eben dort niedergelassen. Rom sei nach einer gewissen "Rhome" benannt worden, bei der aber unklar war, ob sie Griechin oder Trojanerin gewesen sei.
    Eine andere Sage nannte einen gewissen Rhomos als Gründer.

    Möglicherweise ist der Name in Wahrheit von einem etruskischen Geschlecht namens Rumina abgeleitet.

    In Wahrheit entstand Rom wohl durch die Vereinigung von latinischen und sabinischen Siedlungen. Das könnte die Sage vom Raub der Sabinerinnen und von der gemeinsamen Herrschaft von Romulus und dem Sabiner Titus Tatius erklären.

  4. #14
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
    So weit konnte Vergil auch rechnen. Deshalb hat er ja die Alba Longa-Phase eingebaut, die es sicherlich schon vor Livius sagenhafterweise gab. So wie ich das sehe, hat aber erst Livius Alba Longa und Rom in eine feste und direkte Verbindung gebracht.
    Eine direkte Verbindung gab es schon in der Aeneis:

    Eine Stelle des 5. Gesangs lautet:
    Kampfspiele dieser Art erneuerte erstmals Ascanius,
    als er den Mauerring zog um Alba Longa, und lehrte
    auch die Latiner der Vorzeit, sie würdig als Fest zu begehen,
    wie er als Knabe sie selber beging mit den troischen Jungen.
    Die Albaner gaben den Ihren sie weiter. Das große
    Rom übernahm sie von ihnen und pflegte das Erbe der Ahnen.
    »Troja« nennt man das Reiterspiel, »troisch« den Festzug der Knaben.
    Heute noch gelten die Spiele dem heiligen Vater Anchises.

    Eine Stelle des 6. Gesangs lautet:
    Auf denn, ich möchte den künftigen Ruhm des Dardanerstammes,
    alle die Enkel, die aus italischem Blute uns bleiben,
    denkwürdig-glanzvolle Seelen als Erben unseres Namens,
    darlegen jetzt, dich auch aufklären über dein eigenes Schicksal.
    Dort, der Jüngling – du siehst ihn –, gestützt auf die Lanze des Herrschers,
    steht nach dem Lose am nächsten der Oberwelt, wird sich als erster
    heben zu himmlischen Lüften, italisches Blut in den Adern.
    Silvius heißt er – albanisch –, dein letzter Sprößling. Gealtert
    bist du, wenn deine Gemahlin Lavinia ihn in den Wäldern
    aufzieht zum König, zum Vater auch künftiger Herrscher. Durch diese
    soll dann unser Geschlecht in Alba Longa regieren.
    Anschließend stehen Prokas, der Ruhm des trojanischen Volkes,
    Kapys und Numitor, dann auch dein Namenserbe, Aeneas
    Silvius, trefflich zugleich durch Pflichtgefühl wie auch als Kämpfer,
    wenn er die Herrschaft in Alba dereinst übernimmt. Was für Jungen!
    Siehe doch, was sie für Kräfte erkennen lassen! Sie tragen,
    Retter von Bürgern, dicht um die Schläfen Eichenlaubkränze,
    werden Nomentum und Gabii, auch Fidenae dir gründen,
    hoch auf den Bergen die Festung Collatia, ferner Pometia,
    Castrum Iuni, Bola und Cora; sie allesamt werden
    später berühmt sein, heute noch Landschaften ohne Benennung.
    Anschließen wird sich ein Sprößling des Mars sogar noch dem Ahnherrn,
    Romulus; aufziehen wird, vom Assarakosstamm, ihn die Mutter
    Ilia. Siehst du ihn stehen mit doppeltem Helmbusch? Ihn zeichnet
    hier schon der Vater der Himmlischen aus mit dem würdigen Schmuckstück!
    Unter dem Segen des Romulus wird, mein Sohn, das berühmte
    Rom mit der Herrschaft die Welt, mit dem Mut den Olympus umfassen,
    sieben Festungen mit nur einer Mauer umschließen,
    fruchtbar an Helden. So zieht die berekynthische Mutter
    unter der Mauerkrone zu Wagen durch phrygische Städte,
    freut sich der göttlichen Kinder und schließt in die Arme an hundert
    Enkel, sämtlich Bewohner der ragenden Höhen des Himmels.

  5. #15
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    Zitat Zitat von CATO Beitrag anzeigen
    Wann wurde Rom gegründet?
    Dass Rom an keinem fixen Datum gegründet wurde und der "21. April 753 v. Chr." legendär ist, darüber sind sich die Historiker einig. Aber wie zeigt sich die allmähliche Entstehung der Siedlung Rom in der Archäologie? Das ist die eigentlich interessante Frage!

    Das Gebiet der späteren Stadt Rom weist seit dem 10. Jh. v. Chr. auf dem Palatin und seit dem 9./8. Jh. auf dem Quirinal, dem Viminal und dem Esquilinischen Hügel eine kontinuierliche Besiedlung auf, wobei das versumpfte Tal des späteren Forum Romanum als Begräbnisstätte diente, in der über älteren Brandgräbern jüngere Körpergräber angelegt wurden.

    Da Rom sowohl am westlichen Endpunkt der Salzstraße - der Via Salaria - als auch an der Dreivölkergrenze der Latiner, Etrusker und Sabiner lag, wird die unterschiedliche Bestattungsweise entweder den getrennten Siedlungen der Latiner auf dem Palatin und der Sabiner auf dem Esquilin und dem Quirinal oder einer Veränderung im religiösen Weltbild zugeschrieben.

    Für die Existenz dieser beiden Bevölkerungsteile, von denen stets der latinische überwog, werden das Bestehen der priesterlichen Doppelkollegien sowie die Existenz von "Sabinismen" im stadtrömischen Latein geltend gemacht. Ein römisches Staatswesen unter einheitlicher Leitung und mit gemeinsamem Namen bestand zu dieser Zeit nicht, bestenfalls ein lockerer Kulturverband.

    Das Wirtschaftsleben war agrarisch-primitiv, in der Sozialstruktur scheinen von Anfang an die Geschlechter (gentes) eine wichtige Rolle gespielt zu haben, die unter Sippenhäuptern - den patres familias - standen. Hörige Bevölkerungsteile - die "clienten" - sind anzunehmen.

    Trotz der teilweise recht unterschiedlichen Anschauungen der modernen Forschung kommt der antiken Überlieferung von der Gründung Roms 753 v. Chr. sowie der Zahl und der Geschichte der sieben römischen Könige kein historischer Wert zu.

    Um 575 v. Chr. gerieten die römischen Hügelsiedlungen unter die Herrschaft von Königen der Etrusker, die die Einzelsiedlungen zu einem Gemeinwesen unter zentraler Leitung verbanden und diesem nach dem etruskischen Geschlecht der Rumach den Namen "Rom" gaben.

    Erst ab diesem Zeitpunkt kann man von "Rom" sprechen und es fällt mehr Licht in die Frühzeit der Stadt bzw Siedlung.

  6. #16
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    Zitat Zitat von Dietrich Beitrag anzeigen
    Um 575 v. Chr. gerieten die römischen Hügelsiedlungen unter die Herrschaft von Königen der Etrusker, die die Einzelsiedlungen zu einem Gemeinwesen unter zentraler Leitung verbanden und diesem nach dem etruskischen Geschlecht der Rumach den Namen "Rom" gaben.
    Gesichert ist diese Version aber auch nicht.

  7. #17
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    Zitat Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
    Gesichert ist diese Version aber auch nicht.
    Die Ableitung des Städtenamens "Roma" von einem etruskischen Adelsgeschlecht mit gleichem bzw. ähnlichem Namen ist nur eine Hypothese, die sich aber unter den Althistorikern großer Wertschätzung erfreut.

  8. #18
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    Aber die Tusci hatten doch, meiner Meinung nach, Rom schon vorher bewohnbar gemacht, indem sie die Sümpfe weitesgehend trockenlegten usw.

  9. #19
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    Zitat Zitat von CATO Beitrag anzeigen
    Aber die Tusci hatten doch, meiner Meinung nach, Rom schon vorher bewohnbar gemacht, indem sie die Sümpfe weitesgehend trockenlegten usw.
    Zum Einfluss der Etrusker auf die Stadtgründung Roms habe ich folgenden interessanten Beitrsg gefunden:

    Das städtische Gemeinwesen, das wir in der ältesten politischen Geschichte Roms, der Königszeit, dann vor uns sehen, kann nicht ohne die Hilfe der Etrusker entstanden sein. Denn die städtische Siedlungsform finden wir seit dem 9./8. Jahrhundert unmittelbar nördlich von Rom, nämlich in Etrurien; die erste griechische Stadt hingegen lag Hunderte von Kilometern weiter südlich (Kyme am nördlichen Gestade des Golfs von Neapel).

    Etruskisch ist auch der Name Roma, der von einem etruskischen Geschlecht der Romulier abgeleitet ist; der mythische Stadtgründer Romulus ist also ein Romulius. Etruskisch sind auch die Insignien des Herrschers, der Goldkranz, die goldbestickte Purpurtunika und der ebenso verzierte Purpurmantel, die Schnabelschuhe, das Rutenbündel mit dem Beil (fasces) und der Klappstuhl (sella curulis), ferner die Gehilfen der Amtsführung, die Liktoren, und die Sitte des Triumphs sowie die gesamte staatliche Vorzeichenschau, mit deren Hilfe der Wille der Götter erforscht wurde. Die formelle Abgrenzung des Stadtgebietes vom Landgebiet, die religiös-magischen Charakter hatte und durch das Ziehen einer heiligen Furche (pomerium) erfolgte, dürfte auch etruskisch sein (die heilige Stadtgrenze schloß übrigens das Kapitol und den Aventin-Hügel aus ...) ...

    Wir haben nach allem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die eigentliche Stadtgründung das Werk eines Etruskers war, der als Herrscher (lateinisch: rex) das neue politische Gebilde lenkte. Der Zeitpunkt dieses politischen Aktes dürfte irgendwann im 7. Jahrhundert liegen."
    http://http://www.ewetel.net/~martin.bode/Romgruen.htm

    Es ist hinzuzufügen, dass zwar die Stadtgründung Roms unter dem Einfluss der Etrusker erfolgte, das Wachstum der kleinen Siedlungen der Latiner und Sabiner jedoch, die Roms Vorstufe bildeten, eine originäre Entwicklung dieser italischen Stämme ist.

  10. #20
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    Servus!
    Zitat Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
    Eine direkte Verbindung gab es schon in der Aeneis:
    Vergil und Livius waren doch Zeitgenossen?!?
    Wieso also "schon in der Aeneis"?

    VG
    Christian

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