Was denkt ihr?
Besaß Herodes ein faktisch eigenständiges Territorium auf römischen Boden?
Ich würde sagen ja, aber bin mir nicht ganz sicher.
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Was denkt ihr?
Besaß Herodes ein faktisch eigenständiges Territorium auf römischen Boden?
Ich würde sagen ja, aber bin mir nicht ganz sicher.
OK, ich wollte es ja nur mal wissen.
Das Teilreich des Aegidius im Norden Galliens war nicht das einzige Römische Teilreich in der Spätzeit Roms. Ein weiteres wurde von Marcellinus in Dalmatien (Illyrien) gegründet und geführt.
Marcellinus war ein Anhänger von Flavius Aetius, hatte und war unter dem mächtigen Heermeister „Befehlshabender General der römischen Feldstreitkräfte in Illyrien“, kurz könnte man auch Sagen Verwalter des Heeres in Illyrien. Eines Heeres das anscheinend hauptsächlich aus Söldnern bestand. Nach der Ermordung des Aetius durch Valentinian III gelang es Marcellinus in Dalmatien ein eigenständiges römischen Teilreich zu begründen.
Doch ganz abgeschlossen hatte er mit Westrom nicht. So unterstützte er Kaiser Majorian mit Hilfstruppen und unterhielt zu ihm auch gute Beziehungen. Weniger gut dürften die Beziehungen zu Ricimer gewesen sein, was ein Grund dafür sein könnte warum er sich nach Majorians Ermordung wieder vom Westen abwandte. Er wandte sich nun stärker an den Ostkaiser und unterstützte den vom Osten nach Westrom entsandten Kaiser Anthemius.
Das Teilreich des Aegidius im Norden Galliens (das den Untergang Westroms sogar um ein paar Jahre überstand) war nicht das einzige Teilreich in spätrömischer Zeit. Auch in Dalmatien exisiterte ein Teilreich Roms. Gründer und Herrscher über dieses Reichs war Marcellinus, dieser war ein Anhänger von Flavius Aetius und diente diesem als „Befehlshabender General des Heeres in Illyrien.“. Nachdem Aetius von Valentinian III ermordet worden war behielt Marcellinus sein Amt und herrschte in diesem über Illyrien (Dalmatien).
Zu halten versuchte er sich indem er sich abwechselnd an den Westen und an den Osten wandte. Damit erlangte er auch Einfluss auf die Politik der jeweiligen Kaiser. Nicht allzu lange nach dem erlangen seines Unabhängigen Machtbereiches unterstützt er Westkaiser Majorian mit Truppen. Von Majorian wurde er auch zum Heermeister Dalmatiens ernannt. Nachdem Majorian von Ricimer abgesetzt und Hingerichtet worden war, wandte sich Marcellinus dem Osten zu und stand in Opposition zu Ricimers „Marionette“ Libius Severus.
Als der Kaiser des Ostens Anthemius entsendete um im Westen zu Herrschen stellte sich Marcellinus auf die Seite von Anthemius. Die Streitmacht die Anthemius nach Italien mitbrachte, stammte von Marcellinus (dessen Truppen hauptsächlich aus Hunnischen Söldnern bestanden). In der Rolle des Unterstützers des Anthemius spielte er auch als ein fähiger Befehlshaber beim Versuch der Wiedereroberung Nordafrikas eine Rolle. Obwohl er selbst Erfolge verzeichnen konnte scheiterte das Unternehmen und damit der letzte größere Versuch das Westreich zu retten.
Marcellinus wurde in der Zeit als er im Rahmen der Unternehmung auf Sizilien kämpfte ermordet, dahintergesteckt haben könnte Ricimer. Dalmatien ging an Marcellinus Neffen Julius Nepos über, dieser lehnte sich stark an das Ostreich an und wurde später vom Ostkaiser nach Westen entsandt um dort die Herrschaft zu übernehmen, diese dauerte nur kurz. Vor den Truppen des Orestes (der seinen Sohn Romulus Augustus zum Kaiser machte) musste Julius Nepos in den Osten fliehen. Ihm blieb nur noch sein „Stammgebiet“ Dalmatien als Zufluchtsort. Vom Osten wurde er weiterhin als der legitime Westkaiser angesehen. Als Odoakar in Italien die Herrschaft übernahm und den Ostkaiser darum bat die „Verwaltung des Westens (Italiens)“ übernehmen zu können, wies der Ostkaiser noch einmal daraufhin das es mit Julius Nepos einen legitimen Westkaiser gab. Getötet wurde Julius Nepos, der noch bis zum Jahr 480 über Dalmatien herrschte bei einem Attentat.
Ich habe noch ein Sonderreich entdeckt (*Juchuuu!*). Das Sonderreich des Quintus Sertorius in Spanien. Es ist eines der (das?) frühste(n) Teilreich(e) auf römischem Territorium überhaupt – nämlich 81 bis 72 vor Christus, also noch zu Zeiten der römischen Republik. Sertorius stellte einen Gegensenat und Gegenprätoren / -quästoren auf und regierte de facto als Gegendiktator.
PS: Alle Jahreszahlen meinen die Jahre vor Christus.
Quintus Sertorius, 123 vermutlich in Nursia geboren, stammte aus einer Ritterfamilie und wurde 97 Militärtribun in Spanien und sechs Jahre später Quästor im Bundesgenossenkrieg. Da Sulla seine Bewerbung als Volkstribun verhinderte, wechselte er auf die Seite dessen Gegners Marius. Als 83 Sulla Herrscher in Rom wurde, wurde Sertorius zwar zuerst Statthalter im diesseitigen Spanien, doch zwei Jahre später für vogelfrei erklärt (er stand auf den sogenannten Proskriptionslisten) und durch Gaius Annius Luscus, einen Vertrauten Sullas, aus Spanien vertrieben. Er ging nach Mauretanien, wo er erfolgreich in die Thronstreitigkeiten eingriff. Doch die spanischen Lusitanier erhoben ihn aus unbekannten Gründen kurz darauf zu ihrem Anführer. Darauf kehrte er nach Spanien zurück und eroberte im Kleinkrieg weite Gebiete Spaniens. Die Statthalter der beiden spanischen Provinzen konnten nichts gegen ihn ausrichten. Als sein schlimmster Feind Sulla starb, war Sertorius Herr über fast ganz Spanien und bildete einen Gegensenat. Dieser bestand größtenteils aus Römern, die unter Marcus Perperna zu ihm übergetreten waren. Auch ernannte Sertorius eigene Quästoren und Prätoren. Von seiner Residenz Oska (nördlich vom heutigen Saragossa gelegen) aus herrschte er mit Milde und Umsicht, womit er viele Untertanen auf seine Seite brachte.
Geändert von Maxdorfer (28.02.2012 um 18:48 Uhr)
Kein Feldherr hatte bisher etwas gegen Sertorius ausrichten können, und so wurde der begabte Pompeius mit 40.000 Mann nach Spanien entsandt. Ein paar Stämme wechselten zwar auf dessen Seite, doch Sertorius konnte seine Macht halten und befand sich 75 auf dem Höhepunkt seiner Macht. Mithridates, König von Pontus und ebenfalls Feind der Römer verbündete sich mit ihm. Pompeius erbat sich vom Senat Verstärkung, doch wusste dieser nicht, woher die Truppen hätten genommen werden sollen – Soldaten wurden in dieser Zeit vielerorts benötigt. Doch irgendwie wurden zwei weitere Legionen bereitgestellt, weil man um jeden Preis ein Näherkommen zwischen Sertorius und Mithridates verhindern wollte. Tatsächlich errang Pompeius in den Jahren 74 und 73 zahlreiche Siege. Sertorius wiederum wollte auf weitere Kämpfe verzichten und plante, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Doch 72 bildete sich eine Verschwörung unter Perperna (der war zu Beginn des Sertorius’ Herrschaft zu diesem übergetreten, siehe oben). Sertorius hatte im Laufe seiner Herrschaft immer herrischer regiert, und noch im Jahre 72 wurde er erstochen. Perperna wurde neuer Herrscher dieses Sonderreiches, doch wurde er bald geschlagen und hingerichtet.
Geändert von Maxdorfer (28.02.2012 um 18:48 Uhr)
Es könnte (was ich neulich gelesen habe) auch sein das Syagrius den Titel Patricius, also den gleichten Titel den Odowakar auch angenommen hatte. Orientiert könnte man sich (wohl schon unter Agidius) richtung Osten haben.
Odowakar selbst dürfte sich eher als Oberherr auch über dieses Gebiet gesehen haben.
Über die Herkunft Flavius Magnus Maximus’ ist nur bekannt, dass er um 335 n. Chr. in der Provinz Hispanien geboren wurde. Als junger Mann trat er in die Armee ein und diente unter anderem unter dem Vater des Kaisers Theodosius I., später in Britannien.
In den 380er Jahren machte sich in der dortigen Armee jedoch immer mehr Verärgerung über die Verdrängung der Römer als Legionäre durch die Alemannen breit, bis Magnus Maximus schließlich 383 zum Kaiser ausgerufen wurde – warum gerade er, ist dabei unklar. Vielleicht rief er sich auch selber zum Kaiser aus, wie einige Forscher meinen. Einige höhergestellte Personen schlossen sich jedenfalls dieser Bewegung an, vielleicht zum Beispiel der germanische Heermeister Merobaudes.
Maximus selbst zog derweil nach Gallien und ließ sich von den dortigen sowie den belgischen und den germanischen Garnisonen zum Kaiser ausrufen. Kaiser Gratian zog ihm entgegen, doch seine Legionen liefen zum Usurpator über. Der verlassene Gratian floh nach Lyon, wurde aber am 25. August umgebracht. Sein Nachfolger im westlichen Teil des römischen Weltreiches wurde Valentinian II.
Doch neben den Legionen und der gallischen und britischen Bevölkerung unterstützte auch die heidnische Führungsschicht Roms Maximus. So mussten die anderen Kaiser Theodosius (Kaiser im Osten des römischen Reiches), Arcadius (dessen Mitkaiser) und Valentinian II. (Kaiser im Westen des römischen Reiches) ihn als Augustus, also vollwertigen Kaiser, für Britannien, Gallien, Germanien und Spanien anerkennen.
Sein Sohn Flavius Victor wurde zum Caesar, also zum Mitkaiser, erhoben. Dass sein Verbündeter Gildo der Befehlshaber Afrikas war, stärkte die Position des Maximus. Die Residenz des Teilreiches war Augusta Treveronum, das heutige Trier.
Geändert von Maxdorfer (06.12.2011 um 16:27 Uhr)
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