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Tags: allectus, britannien, carausius, gallien, kaiser, postumus, roemisches reich, rom, zenobia

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Alt 03.12.2011, 09:13   #31 (permalink)
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Das Teilreich des Magnus Maximus Teil 2

Magnus Maximus war bei der Bevölkerung sehr populär, obwohl er Menschen, die nicht dem Glauben der offiziellen Staatskirche folgten, brutal verfolgen ließ. Trotzdem kann man ihn nicht als wirklich starken Kaiser bezeichnen. Da er Legionen aus Britannien abzog, wurde die römische Herrschaft in dieser Provinz stark geschwächt. Zudem fielen unter seiner Herrschaft die Franken in Germanien ein und plünderten die Colonia Claudia Ara Agrippinensis, das heutige Köln. Maximus hatte ihnen nichts entgegenzusetzen, zumal es unter ihm mit den Staatsfinanzen nicht rosig aussah.

Dennoch zog er riskanterweise 387 über die Alpen, um den von ihm zurückgedrängten weströmischen Kaiser Valentinian II. ganz zu vernichten. Da er mehrere Armeen mit nach Italien nahm, fielen die Franken erneut in das Reich ein. Immerhin war der Zug nach Italien erfolgreich: Valentinian zog sich in das oströmische Reich zurück. Aber der dortige Kaiser Theodosius konnte Maximus’ Streben nach der Alleinherrschaft im ganzen römischen Reich nicht länger akzeptieren. Er bereitete einen Feldzug gegen ihn vor. Maximus war einer Entscheidungsschlacht nicht gerade abgeneigt. Doch Theodosius schlug Maximus bei Siscia und Poetovio (im Gebiet des heutigen Kroatiens) ohne große Probleme, zumal dem Ostkaiser die besseren Legionäre zur Verfügung standen. Magnus Maximus wurde schließlich von seinen Soldaten ermordet.

Der Sohn des Maximus, Flavius Victor, wurde bald darauf in Gallien umgebracht, und sein Herrschaftsgebiet dem römischen Reich wieder einverleibt.
Ich bezeichne es übrigens mit voller Absicht als Sonderreich. Schließlich war Magnus Maximus ein Usurpator und wurde nur unfreiwillig anerkannt. Zudem grenzte er sich deutlich von den anderen Kaisern ab.

Letztendlich war Maximus ein typischer Soldatenkaiser: Aus armen Verhältnissen stammend, schlug er die Soldatenlaufbahn ein, wurde durch die Gunst der Stunde zum Kaiser, dann nur unfreiwillig legitimiert. Durch die Soldaten zum Kaiser erhoben, wurde er von seinen Legionären wieder erschlagen. Kein Einzelfall und damit Beispiel für die wachsende Instabilität des römischen Reiches.

Wenn nun das Ganze Euch wohl gefallen hat, so klatscht Beifall, und entlasst uns alle mit Dank nach Hause.
(ursprünglich Kaiser Oktavian kurz vor seinem Tode nach einem unter Schauspielern nach der Vorstellung üblichen Spruch)
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Geändert von Maxdorfer (06.12.2011 um 16:30 Uhr).
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Alt 03.12.2011, 14:14   #32 (permalink)
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Ob man dieses Reich wirklich als Sonderreich bezeichnen kann ist schwer zu sagen, als "Römisches Telreich" würde ich sagen aber auf jedem Fall. Die Postings zu Magnus Maximus sind dir jedenfalls sehr gut gelungen, leider kann ich dich im Moment nicht bewerten.
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Alt 04.12.2011, 11:05   #33 (permalink)
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Zitat:
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Ob man dieses Reich wirklich als Sonderreich bezeichnen kann ist schwer zu sagen, als "Römisches Telreich" würde ich sagen aber auf jedem Fall. Die Postings zu Magnus Maximus sind dir jedenfalls sehr gut gelungen, leider kann ich dich im Moment nicht bewerten.
Danke für das Lob.

Das Reich passt auf jeden Fall in den Thread.
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Alt 26.01.2012, 20:40   #34 (permalink)
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Dieser Beitrag ist auch ein Artikel über ein Römisches Teilreich, auch wenn dieses Reich nicht von einem Usurpatoren gegründet wurde.

Zitat:
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In den siebziger Jahren des vierten Jahrhunderts nach Christus suchte der Stamm der Westgoten neuen Siedlungsraum auf römischem Territorium.

Der oströmische Kaiser Valens stellte sich dem Stamm entgegen, doch die Barbaren konnten die Römer in der Schlacht von Adrianopel am 9. August 378 vernichtend schlagen.
Zwar konnte Adrianopel mit dem Reichsschatz gehalten werden, doch man konnte nur zusehen, wie weite Gebiete geplündert und verwüstet wurden.

Der Nachfolger Valens’ seit 379, Theodosius I., verlor 380 wieder eine Schlacht gegen die Westgoten.
Doch zum Glück für ihn konnte er zwei Jahre später eine friedliche Einigung finden.

Die Westgoten erreichten ihr Ziel – neuen Siedlungsraum: Theodosius stellte ihnen Gebiete im heutigen Bulgarien (damals in den Provinzen Thrakien und Mösien) zur Verfügung.
Besonders war, dass dieser barbarische Stamm ein eigenständiges, autonomes Teilreich auf römischem Boden hatte, mit eigenen Gesetzen und einer eigenen Regierung.

Das war neu, auch wenn die Westgoten weiterhin auf römischem Gebiet siedelten und Soldaten stellen mussten.
Zwar bestand dieses Westgotenreich nur bis 395, aber seit 380 geschah die Gründung solcher Teilreiche im größeren Ausmaße, besonders in Gallien, Germanien und anderen Grenzprovinzen.
http://www.g-geschichte.de/forum/roe...tml#post131125 (Untergang von Westrom)
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Geändert von Maxdorfer (12.03.2012 um 18:05 Uhr).
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Alt 13.04.2012, 11:02   #35 (permalink)
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Römische Teilreiche – eine kleine Analyse

In den ersten Jahrhunderten des römischen Kaiserreiches gab es eigentlich keine römischen Teilreiche, die wenigen Usurpatoren waren meistens schon bald gescheitert. Die ersten römischen Teilreiche entstanden dann in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach Christus. Das waren das Reich der Zenobia (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...html#post32312 (Römische Teilreiche)), das Gallische Teilreich (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...html#post32384 (Römische Teilreiche)) und die Selbstständigkeit Britanniens unter Carausius und Allectus (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...html#post32098 (Römische Teilreiche)). Im vierten Jahrhundert entstanden dann weiterhin viele Teilreiche – von ca. 250 bis ins fünfte Jahrhundert hinein war sozusagen die „Blütezeit“ der (teilweise) erfolgreichen Usurpationen. Eines ist das Teilreich des Magnus Maximus (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...tml#post127260 (Römische Teilreiche) und http://www.g-geschichte.de/forum/roe...tml#post127317 (Römische Teilreiche)), aber es gibt noch einige andere.
Der Grund für diese Anhäufung liegt wohl in einer Dezentralisierung des römischen Verwaltungssystems: In den frühen Jahrzehnten und Jahrhunderten der Kaiserzeit galt, dass ein Usurpator, um anerkannt und auf eine gewisse Weise legitimiert zu sein, Rom in seiner Hand haben musste. Dieses war die althergebrachte Hauptstadt, in der die meisten Verwaltungsorgane arbeiteten und die eine große symbolische Bedeutung hatte. Doch in der Zeit der Soldatenkaiser, in der der Herrscher oft an die Front musste, bahnte sich eine Entwicklung an, die eben im vierten Jahrhundert ihren Höhepunkt hatte. Oft wurde die Hauptstadt gewechselt, Kaiser Konstantin erhob Byzanz (Konstantinopel) zur Residenz, mancher Kaiser residierte noch in Rom, manch anderer in Trier oder Lyon, Honorius beispielsweise in Ravenna. Dies hatte zur Folge, dass die alte „Faustregel“ für den Erfolg von Usurpationen, dass man Rom einnehmen musste, aufhörte, gültig zu sein.
Man konnte sich ohne große Probleme ein Teilreich aufbauen, dessen Hauptstadt in Lyon, in Palmyra oder einer anderen Stadt lag, ohne dabei an Legitimierung zu verlieren. Es zählte auch immer weniger die Anerkennung durch den Senat in Rom, sondern immer mehr die durch die Armee oder die Mehrzahl der Legionen – und die waren eben gerade nicht in Italien, sondern in den Provinzen stationiert.
Im Weströmischen Reich ging das immer so weiter, und es gab außer den Barbarenreichen auf dem Reichsgebiet auch einige Teilreiche. Das sind unter den hier schon beschriebenen das mir als Reich des Syagrius bekannte Teilreich in Nordgallien (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...lreiche-2.html (Römische Teilreiche)) und das in Dalmatien (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...tml#post117094 (Römische Teilreiche)). Im Oströmischen Reich gelang es derweil, eine feste Hauptstadt in Gestalt von Konstantinopel festzulegen, weshalb dort im fünften Jahrhundert eigentlich keine Teilreiche mehr auftauchten. Dass dem westlichen Reichsteil das nicht gelang, war wohl ein nicht unbedeutender Grund für dessen Untergang.
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Alt 13.04.2012, 11:38   #36 (permalink)
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Rom in der Krise – Teil 1. Teilreiche in Britannien

Am Anfang des vierten Jahrhunderts geriet das römische Reich in eine tiefe Krise – besonders in Britannien herrschten chaotische Verhältnisse. Viele Truppen waren in den letzten Jahren abgezogen worden, um Italien gegen die Einfälle der gotischen Stämme zu verteidigen. Was übrig blieb, war ein kleines Häufchen, alleingelassen mit den Barbaren, eigentlich abgeschnitten und nicht einmal mehr richtig bezahlt. Die staatliche Ordnung in der Provinz war im Zerfalls- und Auflösungsprozess, und aus den romtreuen Soldaten wurden britische Patrioten, die eine starke Führung ihres Landes wünschten.
Deshalb wurde schließlich im Jahre 406 ein gewisser Legionär namens Marcus von den Truppen zum Kaiser erhoben. Man weiß sehr wenig über ihn, Herkunft und ungefähres Alter sind unbekannt. Auch von seiner Herrschaft ist wenig überliefert. Doch wahrscheinlich schaffte er es nicht, erfolgreich die militärische Befehlsgewalt zu übernehmen und die Wünsche der Soldaten zu befriedigen. Schon bald wurde er von seiner eigenen Armee umgebracht. Vielleicht hatte er nur wenige Tage oder einige Wochen regiert.
An seine Stelle setzten die Legionäre Gratian, der wohl ein britischer Adeliger und kein Militär war. Warum die Wahl gerade auf einen Zivilisten fiel, weiß man nicht. Währenddessen ging es auch in den anderen Regionen des Reiches immer weiter bergab. Man berichtet, das größte Interesse des noch jungen Kaisers Honorius habe der Geflügelzucht gegolten. In der Silvesternacht des Jahres 406 überschritten germanische Stämme (Sueben, Vandalen, Burgunder etc.) den Rhein, schlugen die Abwehreinheiten und plünderten die Provinzen Gallien und Germanien. Die britischen Legionen wollten – trotz aller Heimatliebe – ihren Kameraden auf dem Festland zur Hilfe kommen. Gratian jedoch wollte sich lieber auf Britannien beschränken und verbot seinen Legionen, dieses zu verlassen.
Infolge dessen wurde 407 auch Gratian umgebracht. Er hatte nur 4 Monate regiert. Doch sofort riefen die Legionäre einen neuen Kaiser aus. Das war Flavius Claudius Constantinus (auf deutsch und im folgenden Konstantin genannt), von dem berichtet wird, er sei nur ein einfacher Soldat gewesen. In diesem Falle hätte wohl sein Name ausschlaggebend gewirkt, der an Konstantin I. erinnerte, welcher ein Jahrhundert früher in Britannien usurpiert und im Anschluss das ganze Reich erobert hatte.
Entweder den Namen „Flavius“ oder den Namen „Claudius“ hat er wohl erst nach der Erhebung angenommen, um so zu heißen wie der älteste Sohn Konstantins des Großen, der über den Westen des Reiches regiert hatte. Vielleicht gab er sich sogar als dessen Nachfahre aus. Seine Söhne hatten den gleichen Namen wie Kaiser, die sehr erfolgreich in der Abwehr gewesen waren: Constans und Julian. Es gibt auch Quellen, die behaupten, er sei schon „comes britanniarum“, also Heerführer der Legionen Britanniens, gewesen. Aber die Anlehnung an erfolgreiche Kaiser, was die Namensnennung angeht, lässt einen Zwang zur Legitimation, also eine niedrigere Herkunft vermuten. Natürlich ist es auch möglich, dass die Namen zur Legitimation als „comes britanniarum“ angeschafft wurden, was auch die Namen der Söhne (die vor der Usurpation vergeben wurden) erklären würde.
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Alt 13.04.2012, 13:34   #37 (permalink)
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Rom in der Krise – Teil 2. Das Teilreich des Konstantin III.

Konstantin war wohl vor allem zum Schutz und der Verwaltung Britanniens Kaiser geworden. Das ferne Rom beziehungsweise die Residenzstadt Ravenna bedeuteten nicht mehr viel, seine Blütezeit und die des Kaisertums war vorbei. Man merkte, dass Honorius nicht gegen die Anarchie ankam, dass man von Rom immer weiter abgeschnitten war. Konstantin sollte allein Britannien regieren und vor den Barbaren schützen.
Trotzdem zog er schließlich mit seinen Legionen nach Gallien. Einerseits übten die Soldaten weiterhin Druck auf ihn auf, andererseits besaß er wohl den angeborenen Machthunger. Es gibt auch Spekulationen über einen Hilferuf der gallischen Adeligen, ihnen zur Hilfe zu kommen. Schon bald jedenfalls überquerte Konstantin den Ärmelkanal und landete bei Bononia, dem heutigen Boulogne. Obwohl er nicht besonders viele Soldaten mitnahm, wurde die Verwaltung in Britannien immer schlechter, die zusammenhaltende Macht verfiel. Vielleicht war Wales nun sogar völlig unbesetzt und nur noch am Hadrianswall und im Südosten der britischen Insel waren einige Einheiten, deren Befehlshaber keine Notwendigkeit für einen Feldzug gesehen hatten. In Gallien angekommen, wartete er die Reaktionen der Gallier ab. Die waren positiv: Die Legionen und die Bevölkerung schlossen sich ihm an.
So konnte der Konstantin sein Teilreich auf Gallien ausweiten. Auch Germanien kam auf seine Seite. Halbwegs gelang es, in diesen Provinzen die Ordnung zu sichern. Berichte von einer „großen Schlacht“ sind vermutlich Übertreibung. Konstantin beabsichtigte nun wirklich, ein größeres Teilreich zu errichten. Im Anschluss sicherte er die Rheingrenze gegen die Germanen und reorganisierte die Truppenstationierung. Sein älterer Sohn Constans wurde aus dem Kloster geholt und zum Mitkaiser (Caesar) gemacht, dessen jüngerer Bruder Julian Nobilissimus.
In Lugdunum, dem heutigen Lyon, wurden die ersten Münzen geprägt. Dass auf ihnen Konstantin zusammen mit Honorius, Arcadius und Theodosius II. abgebildet ist, zeigt, dass Konstantin nur ein Teilreich zu errichten beabsichtigte und im Gegensatz zu früheren Usurpatoren nicht die Herrschaft über das ganze Reich anstrebte. Das ist jedoch auch einer Änderung der Situation zu verdanken: Die Hauptstadt war nicht mehr fest in Rom, sondern konnte auch in den Provinzen aufgebaut werden, ohne dass der Kaiser an Legitimation verloren hätte.
Doch der Regent des weströmischen Reiches, Stilichio, der im Gegensatz zu Honorius die wahre Macht innehatte, war nicht tatenlos geblieben. Er beauftragte seinen General Sarus mit der Niederschlagung des Aufstandes im Nordwesten. Schon bald nach der Ankunft in Gallien wurde Konstantins Vorhut im Frühjahr 408 geschlagen, sein General Nebiogastes, der Friedensverhandlungen einleiten wollte, kurz darauf von den Goten getötet. Es kam zur Belagerung von Valentia, dem heutigen Valence. Doch der Gegenkaiser entsandte neue Truppen gegen Sarus. Nach nur einer Woche musste die Belagerung abgebrochen werden.
Es gelang schließlich, Honorius’ Feldherr mit seinen Legionären nach Italien zu vertreiben. Dieser Rückzug war es übrigens, bei dem ein römischer Feldherr den Bagauden Tribut zahlen musste (http://www.g-geschichte.de/forum/roe...html#post32209 (Römische Räuber) und http://www.g-geschichte.de/forum/roe...tml#post127518 (Römische Räuber)), wobei eine andere meiner Quellen meint, die Räuber hätten dem wohl stark dezimierten Heer lediglich die Kriegsbeute abgenommen.
Nun wurde Arelate (heute Arles) die neue Hauptstadt. Da man aus Münzen erkennen kann, dass Arcadius zu diesem Zeitpunkt schon tot war (er wird nicht mehr erwähnt), wird dieser Akt in den Mai 408 verschoben. Nach Hispanien wurden Statthalter entsandt, die zumindest teilweise anerkannt wurden.
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Alt 13.04.2012, 17:05   #38 (permalink)
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Rom in der Krise – Teil 3. Höhepunkt und Niedergang der Macht Konstantins

Währenddessen war Sarus nicht tatenlos geblieben und hatte in Italien ein großes Heer zusammengestellt. Doch Konstantin befürchtete, die mächtigen Verwandten des Honorius in Spanien würden ihn zu einem Zweifrontenkrieg zwingen, und wandte sich zuerst diesen zu. Diese Operation leitete nicht er persönlich, sondern der Caesar Constans und der General Gerontius. Sie errangen einen mühsamen Sieg. Zu dieser Zeit geschahen auch in Italien wichtige Dinge. Nach einer Meuterei der Armee, bei der viele Offiziere erschlagen wurden, wurde der Heermeister Stilicho mit seiner Leibwache hingerichtet, da viele Menschen germanenfeindlich waren. Aus Empörung verließ daraufhin auch Sarus mit seiner großen Truppe die Armee und zog sich zurück. Honorius hatte nur noch wenige Soldaten und war in Ravenna machtlos. Immer noch waren auch die Goten in Italien unterwegs, die zu jeder Zeit sehr gefährlich hätten werden können. Als dann Konstantin Verhandlungen mit dem Kaiser einläutete, musste dieser einschlagen und ihn als Augustus für Gallien, Britannien und Spanien anerkennen. Aus Konstantin wurde Konstantin III. – zumindest in Westrom.
Der frisch legitimierte Kaiser war auf dem Gipfel seiner Macht. Doch wie das bei Gipfeln üblich ist – danach geht es wieder abwärts. Die Ende 406 eingedrungenen Germanen waren mittlerweile auf dem Weg durch das Reich und kamen schließlich an den Pyrenäen an. Bald drangen sie in Spanien ein. Konstantin plante darum, seinen Mitkaiser Constans erneut in diese Provinz zu schicken. Doch da erhob sich dort sein General Gerontius und machte sich selbst zum Kaiser, einen gewissenen Maximus (wahrscheinlich seinen Sohn) zum Mitkaiser.
Constans zog nach Spanien, um dort die Autorität Konstantins wieder herzustellen, doch er wurde geschlagen und flüchtete nach Gallien zurück. Gerontius zog schon bald darauf zusammen mit seinen germanischen Verbündeten nach Gallien ein, während Maximus von Tarraco (dem heutigen Tarragona) aus Spanien verwaltete. Der Gegenkaiser Konstantin hatte sich de facto so weit legitimiert, dass es schon wieder Gegenkaiser gegen ihn gab.
Im Sommer 409 kündigte Honorius das Bündnis auf. Er hatte es nicht mehr nötig, da Alarich mit seinem Volk keine Gefahr mehr zu sein schien. Als wäre das nicht genug, kamen sächsische Piraten in Britannien an. Dieses hatte Konstantin ja sich selbst überlassen, als er mit fast allen Legionären abzog. Die Bewohner merkten nun, dass Konstantin sie nur benutzt hatte, um an die Macht zu kommen und starteten einen Aufstand. Die Anhänger des Usurpators wurden vertrieben.
Dieser war verzweifelt. Als letzten Strohhalm, um seine Macht zu erhalten, zog er nach Italien (obwohl er dort ja legitimiert war), von wo ihn ein Hilferuf nach einem fähigen Herrscher erreicht hatte. Doch diese Unternehmung wurde eine Pleite, im Mai/Juni 410 musste Konstantin umkehren. Außerdem waren die gallischen Provinzen während der Abwesenheit verfallen. Im Folgejahr wurden Konstans Legionäre von Gerontius bei Vienne geschlagen. Sein Sohn Constans geriet in Gefangenschaft und wurde hingerichtet.
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Alt 13.04.2012, 17:59   #39 (permalink)
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Rom in der Krise – Teil 4. Das Ende Konstantins

Währenddessen war ein neuer Usurpator auf der Bildfläche aufgetaucht. Es war Jovinus, der aus einer vornehmen gallorömischen Familie, vielleicht in Mainz, stammte. Im Rheinland wurde er zum Kaiser ausgerufen. Sofort lief Konstantins Prätorianerpräfekt (Chef der Leibwache eines Kaisers) Decimius Rusticus zu ihm über. Eigentlich war es offensichtlich dass das Teilreich verloren war.
Der ehemalige General Konstantins III., Gerontius, schloss Konstantin III. in dessen Hauptstadt Arles ein, es war wohl Mai 411. Er wollte ihn beseitigen und sein Teilreich an dessen Stelle setzen. Es kam zu einer Belagerung. In dieser Zeit hatte Honorius jedoch auch einen neuen Feldherren gefunden, Flavius Constantius. Er zog mit seinem Heer nach Arles und schlug Gerontius. Dessen Legionäre liefen über, er selbst entkam mit einigen wenigen Getreuen. Bald jedoch beging er Selbstmord.
Das war für Konstantin III. jedoch kein Vorteil, nun war es ein noch fähigerer Heerführer – noch dazu mit voller Legitimation, der ihn belagerte. Er pochte auf Ausharren, da er frische Truppen von seinen Generalen aus Nordgallien erwartete. Tatsächlich dachte Constantius daran, sich nach Italien zurückzuziehen. Doch als die Legionäre nach einer langen Wartezeit endlich vor der Stadt ankamen, wurden sie mit einer simplen List vernichtend geschlagen. Ihr Führer wurde hinterlistig ermordet.
Schließlich kam in Arles auch die Nachricht an, dass die Truppen Germaniens Jovinus übergelaufen seien. Konstantin hatte fast jeglichen militärischen Schutz verloren und floh in eine Kirche, in der er sich sofort zum Priester weihen ließ. Man versprach ihm sicheres Geleit und ein geistliches Amt. Den Legionären wurde Straflosigkeit zugesichert, um sie zum Öffnen der Tore zu bewegen. Der Sieger zog in die Stadt ein. Tatsächlich wurde Konstantin lebendig auf den Weg nach Ravenna gemacht. Doch trotzdem wurde er noch vor der Ankunft verhaftet und schließlich, im August oder September 411, auf Befehl des Kaisers enthauptet. Der Hauptgrund soll gewesen sein, dass er einst in Spanien einige Verwandte des Honorius umgebracht hatte.
Es wurde später behauptet, dass er der Großvater des legendären Artus gewesen sei, der die Insel endgültig unabhängig machte. Das ist natürlich nicht mehr als literarische Zusammenstellung dramatischer Figuren. Im Übrigen war Konstantin von Ostrom nie anerkannt worden, weshalb aus byzantinischer Sicht der Kaiser von 641 Konstantin III. genannt wird.
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Alt 13.04.2012, 19:28   #40 (permalink)
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Rom in der Krise – Teil 5. Wie es weiterging

Der siegreiche Feldherr Constantius zog im Triumph in Rom ein, seine Laufbahn war erst am Anfang: Später heiratete er die Tochter des Honorius und wurde somit Mitkaiser (augustus), er ist der spätere Constantius III.
Die Usurpatoren, die gegen Konstantin III. rebelliert hatten, hatten Rom damit zwar einen Dienst erwiesen, machten Honorius aber trotzdem seinen Rang streitig. Gerontius, der ja vormals General Konstantins gewesen war, hatte ja schon nach seiner Vertreibung durch Honorius’ Feldherr Constantius Selbstmord begangen. Sein Mitkaiser Maximus floh zu den germanischen Söldnern in Spanien. Er blieb unbehelligt, bis er 418/419 erneut rebellierte. Doch das ist eine andere Geschichte.
Blieb noch Jovinus. Er hatte ab 411 ein großes Teilreich in Gallien und Germanien, wenn auch kein so großes wie Konstantin. Ihm war es gelungen, einige von dessen Gebieten zu übernehmen, erst einmal nichts unternommen werden konnte. Er war aber stark abhängig von den Alanen unter Goar und den Burgundern unter ihrem König Gundahar, denen er ihr Reich am Mittelreich legitimierte. Immerhin prägte Jovinus viele Münzen unter seinem Namen, die ihn mit dem kaiserlichen Diadem abbilden. Denn die Ausgangsposition hatte sich ja seit 406 nicht geändert: Der Kaiserhof in Ravenna hielt nicht einmal in Italien die Ordnung aufrecht und die Provinzen waren wieder schutzlos und verwahrlosten langsam. Die lokale Oberschicht der Gallorömer war größtenteils auf seiner Seite, denn es war auf keinen Fall in ihrem Interesse, wenn germanische Stämme in das Reich eindrangen. Sie brauchten Schutz.
Schließlich wollte Jovinus, um seine Herrschaft weiter zu sichern, ein Bündnis mit den Westgoten eingehen. Diese zogen ihm 413 aus Italien entgegen. Ein Vertrag wurde schnell geschlossen. Doch das Band zwischen den Parteien war nicht fest. Einerseits tötete der Gotenkönig Athaulf Sarus, der zu Jovinus überlaufen wollte, andererseits machte dieser eigenmächtig seinen Bruder Sebastianus zum Mitkaiser. Das bedeutete Vertragsbruch. Schließlich verbündeten sich die Westgoten mit Honorius und zogen gegen den Usurpator in den Krieg.
Sie errangen den Sieg, worauf Sebastianus hingerichtet wurde. Jovinus konnten sie nicht schnappen, er floh durch Gallien. In Valence wurde er schließlich belagert. Dies war erfolgreich, und Jovinus wurde nach Narbonne verschleppt. Dort residierte Postumus Dardanus, der schon vor Konstantin III. Prätorianerpräfekt in Gallien gewesen war und die ganze Zeit hindurch Rom die Treue gehalten hatte. Er richtete den gescheiterten Jovinus 413 hin und schickte seinen Kopf an den Kaiser in Ravenna.
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