Das aktuelle Heft
  (ab 27.07. am Kiosk)


Mehr G-Geschichte.de
Aktuelle Ausstellungen Austellungen im internet

Seite 1 von 5 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 44
  1. #1
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932

    Römische Teilreiche

    Da uns Cäsar seit einiger Zeit mit seiner Serie über das Sterben der römischen Kaiser erfreut, habe ich mir gedacht, ich mache einmal eine Serie über faktisch eigenständige Teilreiche auf römischem Territorium. Heute beginne ich mit Britannien unter Carausius und Allectus, irgendwann folgen dann Beiträge zum sogenannten Gallischen Sonderreich und zu Zenobia.

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932

    Die Selbstständigkeit Britanniens unter Carausius und Allectus

    Die Seeherrschaft spielte für Britannien schon in der Antike eine Rolle, wie dieses Beispiel aus der römischen Geschichte zeigt:
    Im 3. Jhdt. n. Chr. trieben in der Nordsee sächsische und fränkische Piraten ihr Unwesen, die immer wieder insbesondere die gallische Küste heimsuchten. Um sie zu bekämpfen, ließ Kaiser Maximianus in Boulogne eine Flotte ausrüsten, deren Kommando er im Herbst 285 einem gewissen Carausius übergab. Carausius stammte aus einer armen Familie aus dem Gebiet der heutigen Niederlande und hatte sich im Bagaudenfeldzug des Maximianus bewährt. Er machte seinen Job aber nicht ganz so, wie sich das Maximianus erhofft hatte: Er verhinderte nicht das Plündern der Küste durch die Seeräuber, sondern wartete ab, bis die von ihren Plünderungszügen heimfuhren, und fing sie auf dem Heimweg ab; ihre Beute behielt er selbst. Sein zunehmender Reichtum fiel natürlich irgendwann auf, und Maximianus wollte ihn absetzen und hinrichten lassen, doch Carausius kam ihm zuvor, indem er seine Soldaten durch seine Schätze davon überzeugte, ihn 286 zum Kaiser auszurufen. Dann setzte er nach Britannien über, wo er von der dort stationierten Armee ebenfalls anerkannt wurde und fortan, gestützt auf seine Soldaten, regierte; auch Teile der gallischen Küste, insbesondere Boulogne, wurden von ihm kontrolliert. Gegen die Rache des Maximianus schützte ihn seine Flotte, die er um angeworbene Sachsen und Franken ergänzte. Aber eine Invasion in Britannien wäre auch deshalb schwierig gewesen, weil die Süd- und Ost-Küste durch zahlreiche Kastelle geschützt war, die eigentlich der Abwehr der Piraten dienen sollten.
    Seine Sache als Herrscher machte er durchaus gut, z. B. ließ er den Hadrianswall renovieren. Er bemühte sich auch darum, von Diokletian und Maximianus als Kaiser anerkannt zu werden, und ließ sogar Münzen prägen, auf denen alle drei Kaiser abgebildet waren.
    Maximianus baute eine neue Flotte auf, doch ein Angriff scheiterte 289. In den folgenden Jahren wurde Carausius daher in Ruhe gelassen. 293 aber griff der neuernannte Caesar für Gallien und Spanien, Constantius Chlorus, Boulogne an. Er eroberte nach einer Belagerung nicht nur die Stadt; die im Hafen liegende Flotte sah seelenruhig zu, wie die Hafeneinfahrt von den Belagerern durch einen Damm versperrt wurde, und musste sich ergeben. Fortan war die Herrschaft des Carausius auf Britannien beschränkt. Sein Quaestor Allectus ließ ihn aber noch 293 ermorden und machte sich selbst zum Kaiser. Sein Versuch, Boulogne zurückzugewinnen, scheiterte, und er musste sich auf Britannien beschränken.
    Constantius Chlorus unterwarf 294 die an der Küste lebenden Franken, um die Piraterie zu beenden, dann baute er eine neue Flotte auf, die 296 aufbrach. Allectus hatte seine Flotte bei der Insel Wight stationiert, doch Constantius’ Prätorianerpräfekt Asclepiodotus nutzte dichten Nebel aus, um die feindliche Flotte zu umgehen und an Land zu gehen. Seine Flotte ließ er wie später Cortez in Mexiko verbrennen, vielleicht um wie Cortez seinen Männern die Hoffnung auf Flucht zu nehmen, vielleicht, weil sein Heer nicht ausreichte, um die Flotte zu bewachen und im Land zu operieren. Aclepiodotus zog mit seinem Heer Richtung London; Allectus eilte ihm mit seinem Landheer entgegen. Das nutzte Constantius aus, um mit einer weiteren Flotte an der Themse zu landen. Allectus verlor die Nerven, schickte einen Teil seines Heeres gegen Constantius, stellte sich mit dem Rest dem Asclepiodotus und fiel in der Schlacht. Seine überlebenden fränkischen Söldner wollten London plündern, trafen dort aber bereits auf die Truppen des Constantius und wurden niedergemacht. Der Rest Britanniens ergab sich dann sofort.

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    07.03.2008
    Beiträge
    7.153
    Zitat Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
    Da uns Cäsar seit einiger Zeit mit seiner Serie über das Sterben der römischen Kaiser erfreut, habe ich mir gedacht, ich mache einmal ......
    Gute Idee, freue mich schon auf interessante Beiträge von dir dazu.

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932

    Zenobia

    Palmyra war eine reiche Oasenstadt in Syrien, die an einer wichtigen Handelsstraße lag. Sie hatte etwa 200.000 Einwohner. Seit Kaiser Tiberius (14-37) stand Palmyra unter römischer Herrschaft, konnte aber offenbar immer ein gewisses Maß an Autonomie wahren; zumindest sind uns aus Inschriften mehrere Stadtfürsten bekannt. Ihre Dynastie erhielt von Kaiser Septimius Severus (193-211) das römische Bürgerrecht. In den Wirren des 3. Jhdts. wurde die Stadt praktisch unabhängig.
    256 eroberte der Perserkönig Schapur I. (240-272) die römische Euphrat-Festung Dura-Europos, die den Römern als Schlüssel zur Kontrolle ihres Anteils an Mesopotamien gedient hatte. In den Händen der Perser bildete sie jetzt den Ausgangspunkt für einen Einfall in Syrien. Kaiser Valerianus (253-260) zog daher gegen Persien in den Krieg, erlitt aber bei Emesa eine schwere Niederlage und wurde selbst gefangengenommen. Nun schlug die Stunde von Septimius Odaenathus, dem Fürsten von Palmyra: Mit seiner Reiterei griff er das heimziehende, schwer mit Beute beladene persische Heer an und schlug es mehrmals. Damit war fürs Erste auch die Gefahr eines persischen Einfalls in Syrien gebannt. 261 besiegte er im Auftrag von Valerians Sohn, Kaiser Gallienus (253-268), bei Emesa den Gegenkaiser Quietus (260-261).
    Gallienus war vollauf mit der Bekämpfung von diversen Barbaren und Gegenkaisern beschäftigt und konnte sich nicht ausreichend um den Osten kümmern. Daher ernannte er den Odaenathus, der sich so glänzend bewährt hatte, zum „Restitutor totius orientis“ (=“Wiederhersteller des gesamten Orients“) und „Dux Romanorum“ und übertrug ihm das Kommando über die römischen Truppen des Orients. (Warum sich Gallienus ausgerechnet für Odaenathus entschied, kann ich auch nur spekulieren. Möglicherweise rechnete er bei ihm weniger mit einer Usurpation als bei einem römischen Feldherrn.) Odaenathus machte seine Sache gut und blieb Rom treu; entgegen einigen antiken Darstellungen rief er sich nie zum Kaiser aus, wohl aber nannte er sich „König“. Er eroberte ab 262 einen Großteil Mesopotamiens: 264 eroberte er die Städte Nisibis und Carrhae, dann griff er die Perserhauptstadt Ktesiphon an, konnte es aber nicht erobern. Danach nannte er sich und seinen Sohn Herodius „König der Könige“. 267 griff er Ktesiphon erneut an, wieder vergeblich.
    Dabei handelte er aber natürlich nicht aus lauter Liebe zu Rom, sondern die Perser waren auch für Palmyra ein Problem, weil sie die Handelswege nach Zentralasien, China und Indien kontrollierten, auf die Palmyra als Handelsstadt angewiesen war.
    Doch dann wurde Odaenathus Ende 267 zusammen mit Herodius von seinem Neffen Maeonius ermordet, als er gerade nach Kleinasien zog, um einen Goteneinfall abzuwehren. Über die Hintergründe kann man nur spekulieren: Vielleicht war Gallienus der Auftraggeber, weil ihm Odaenathus doch zu mächtig geworden war. Eher dürfte aber seine Gattin Zenobia (eigentlich Beth-Zabbai) dahinterstecken, die vielleicht mit der Bescheidenheit ihres Mannes, der sich nicht gegen die Römer wandte, nicht zum Kaiser machte und nicht den Osten des römischen Reichs erobern wollte, nicht einverstanden war.
    Zenobia war ca. 241 als Tochter von Zenobius, dem Befehlshaber der Stadtwache von Palmyra, geboren worden und hatte den verwitweten Odaenathus geheiratet. Sie soll sehr schön gewesen sein, aber sie war auch sehr klug und gebildet: Neben Palmyrenisch sprach sie Griechisch, Latein, Syrisch und Ägyptisch, las Homer und Platon, umgab sich mit Philosophen, verfasste eine Geschichte des Orients, liebte die Jagd und das Reiten und trank auch gerne mit ihren Männern.
    Auf Odaenathus folgte sein etwa zehnjähriger Sohn Vaballathus, für den Zenobia die Regentschaft führte. Nun konnte sie ihre Pläne umsetzen. Durch die Feindschaft mit den Persern waren die Karawanenwege in den Osten stark gestört. Zenobia wollte die Perser daher umgehen, indem sie einen Seeweg nach Indien eröffnete; dafür brauchte sie aber die Herrschaft über Ägypten, um eine Flotte aufbauen und über das Rote Meer fahren lassen zu können. Doch Rom weigerte sich, dem Vaballathus die Position und Befugnisse seines Vaters zu übertragen. Als der einflussreiche Ägypter Timagenes Zenobia zum Einfall in Ägypten aufforderte, eroberte ihr Feldherr Zabdas 268 in einem Überraschungsangriff Unterägypten, nachdem er ein römisches Heer geschlagen hatte. Ein römischer Feldherr namens Probus (nicht zu verwechseln mit dem späteren Kaiser) leistete aber weiter Widerstand und nötigte die Palmyrener zum Rückzug. Als er jedoch dem abziehenden Feind bei Memphis eine Falle stellen wollte, wurde er von Timagenes selbst hereingelegt und besiegt und beging Selbstmord. Unterägypten wurde wieder palmyrenisch.
    Der schnelle Erfolg veranlasste Zenobia, auch Syrien inkl. Antiochia und Teile Kleinasiens zu erobern. Ein Vorstoß nach Westkleinasien scheiterte jedoch. Da der neue römische Kaiser Claudius Gothicus (268-270) infolge seiner Kämpfe gegen die Goten nicht imstande war, gegen Zenobia zu ziehen, anerkannte er notgedrungen ihre Stellung. Zenobia aber war noch nicht zufrieden, sondern wollte den ganzen Osten des römischen Reiches erobern. So kam es zum Bruch mit dem neuen Kaiser Aurelianus (270-275). Zenobia rief sich 270 zur Kaiserin und Vaballathus zum Kaiser aus.
    Bereits 270 schickte Aurelian ein römisches Heer unter dem Feldherrn Probus (dieser war der künftige Kaiser) nach Ägypten.
    Nachdem Aurelian den Westen konsolidiert hatte, zog er nach Osten. Der Großteil Kleinasiens unterwarf sich ihm sofort; erst die Stadt Tyana an den berühmten kilikischen Pässen leistete ernsthaften Widerstand, fiel aber. Aurelian behandelte ihre Einwohner milde, wodurch sich rasch auch andere Städte ergaben. Zenobia versuchte vergeblich, sich mit den Persern zu verbünden. Bei Immae, ca. 40 Kilometer östlich von Antiochia, kam es 272 zur ersten Schlacht Aurelians gegen Zenobia und Zabdas, in der es Aurelian gelang, die schwere Kavallerie der Palmyrener, ihre stärkste Waffe, auszuschalten und einen glänzenden Sieg zu erringen. Schon am nächsten Tag ergab sich Antiochia und wurde milde behandelt. Die Palmyrener lieferten bei der Vorstadt Daphne noch ein Rückzugsgefecht. Bei Emesa kam es erneut zur Schlacht Aurelians gegen Zenobia, in der zwar die römische Reiterei geschlagen wurde, aber die Legionen letztlich siegten. Zenobia verschanzte sich nun in Palmyra. Aurelian belagerte die Stadt. Zenobia spekulierte darauf, dass die Römer die Belagerung mitten in der Wüste bald wieder aufgeben würden. Doch die Römer hielten durch, während in Palmyra die Lebensmittel knapp wurden. Außerdem bekam sie es mit innerstädtischer Opposition zu tun, denn die bedeutenden Handelsfamilien waren einerseits auf ihre Macht neidisch, andererseits aber stinksauer, weil unter dem Krieg der Handel litt. Schließlich verließ Zenobia mit Vaballathus heimlich die Stadt und wollte auf einem Kamel zu den Persern fliehen, wurde aber, als sie gerade den Euphrat überqueren wollten, von römischen Soldaten gefangengenommen. Jetzt ergab sich Palmyra. Aurelian ließ die Stadt plündern, den Staatsschatz abtransportieren und Zenobias Berater, darunter den athenischen Philosophen Longinus, hinrichten, weil Zenobia auf diese die ganze Schuld geschoben hatte.
    Wenige Monate nachdem Aurelian abgezogen war, kam es in Palmyra zum Aufstand. Die römische Garnison wurde niedergemetzelt und ein gewisser Septimius Antiochus, vermutlich ein Sohn des Odaenathus, zum Kaiser ausgerufen. Aurelian kehrte sofort um, eroberte die Stadt 273 und ließ sie zerstören. Sie wurde erst unter Kaiser Diokletian wiederaufgebaut. Septimius Antiochus hingegen wurde angeblich begnadigt.
    Als die römischen Senatoren darüber spotteten, dass Aurelian doch eh nur eine Frau besiegt habe, soll er gesagt haben: „Wenn ihr nur wüsstet, was für eine Frau ich besiegt habe!“
    Was aus Zenobia und Vaballathus wurde, ist unklar, da mehrere antike Berichte dazu existieren:
    - Zenobia hungerte sich auf der Überfahrt nach Italien zu Tode.
    - Sie und Vaballathus wurden in Rom im Triumphzug mitgeführt und anschließend hingerichtet.
    - Zenobia wurde nach dem Triumphzug begnadigt und in Tibur, wo Roms Reiche und Schöne wohnten, in einer prächtigen Villa unter Hausarrest gestellt. Eventuell heiratete sie sogar einen Senator.
    - Vaballathus hingegen wird wohl hingerichtet worden sein.

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
    Registriert seit
    03.01.2009
    Ort
    Ostfalen
    Beiträge
    409
    Zitat Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
    ... habe ich mir gedacht, ich mache einmal eine Serie über faktisch eigenständige Teilreiche auf römischem Territorium. Heute beginne ich ...
    Solche Mühe ist gewiss löblich!

    Ich dachte allerdings, dass dies Forum der Diskussion und bestimmten Problemstelllungen dient, nicht aber langen lexikalischen Episteln, die ebenso gut in der alten Tante Wiki und jedem Lexikon nachzuschlagen sind.

    Nichts fur ungut, mein lieber Scifi, lass dich nicht von weiteren Ausführungen abhalten!

  6. #6
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932
    Wenn Du meine Beiträge mit Wikipedia vergleichst, wirst Du feststellen, dass die dortigen Artikel zu Odaenathus, Zenobia etc. sehr dürftig geraten sind. Im übrigen verfasst Dieter seit jeher solche "lexikalische" Beiträge.

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    02.10.2008
    Beiträge
    6.514
    Ich finde die "lexikalischen" Beiträge gut,

    denn sie bieten selbst in dem Fall, dass es eine gute Wiki-Version gibt, ein aufgearbeitetes Wissen dar,

    liefern also Triple-A-data.



    Danke und lG

  8. #8
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932

    Das Gallische Sonderreich

    Die Bezeichnung dieses von 260 bis 274 existierenden römischen Teilreiches ist natürlich modernen Datums. Es spaltete sich niemals offiziell vom römischen Reich ab, war aber auch nicht einfach nur der Machtbereich von Gegenkaisern. Die üblichen, normalerweise von Soldaten ausgerufenen Gegenkaiser bekämpften nämlich bloß den „offiziellen“, also den vom Senat anerkannten Kaiser, anerkannten aber wenigstens den Senat in Rom. Das Gallische Sonderreich verfügte jedoch über einen eigenen Senat; es wurden auch eigene Konsuln bestellt. (Es sind aber nicht einmal alle eponymen Konsuln des Teilreiches bekannt, während die wenigstens für Rom vollständig bekannt sind; von den Suffekten ganz zu schweigen.) Die Residenz befand sich erst in Köln, dann in Trier. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung umfasste das Reich Gallien, Britannien und Spanien.
    Gegründet wurde es von Postumus. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, war vermutlich Gallier, hatte Karriere gemacht und war als Feldherr an der Rheingrenze stationiert. Dort war er dem noch minderjährigen Caesar Saloninus, dem Sohn des Kaisers Gallienus (253-268), untergeordnet, wo sie gegen die Franken und Alemannen kämpften. Als wieder einmal Franken in Gallien plünderten, griff Postumus sie mit seinen Truppen auf dem Rückweg an, nahm ihnen ihre Beute ab und verteilte diese unter seinen Soldaten. Saloninus und sein Prätorianerpräfekt Silvanus forderten jedoch, dass die Beute in die Staatskasse abgeliefert würde. Postumus ließ sich zum Kaiser (260-269) ausrufen und belagerte Saloninus und Silvanus in Köln. Er eroberte die Stadt, ließ Saloninus und Silvanus töten und residierte fortan in Köln. Als Kaiser wurde er in Gallien, Spanien und Britannien anerkannt; bestehende Amtsinhaber, die zu ihm überliefen, übernahm er. Er regierte durchaus erfolgreich. Insgesamt erholte sich Gallien unter seiner Herrschaft etwas, auch die Währung konnte er zunächst stabilisieren. Weiters förderte er die Verehrung des vor allem bei den Soldaten populären Hercules.
    261 führte Gallienus vermutlich einen erfolglosen Feldzug gegen ihn. Danach aber ließ er ihn vorerst in Ruhe, weil er sich auf andere Probleme konzentrieren musste und daher die Rache für seinen Sohn warten musste. 262-263 kämpfte Postumus erfolgreich gegen die Alemannen und Franken. Er bekämpfte auch die sächsischen Piraten.
    265 unternahm Gallienus einen zweiten Feldzug, erlitt aber schon in der ersten Schlacht eine Niederlage. Die nächste Schlacht verlor jedoch Postumus, und er wurde in einer Stadt belagert. Dass er sich halten konnte, hatte er vor allem Gallienus’ Feldherrn Aureolus (dem späteren Gegenkaiser) zu verdanken, der ein doppeltes Spiel spielte und die Belagerung nicht konsequent durchführte. Als Gallienus bei dieser Belagerung durch einen Pfeil schwer verletzt wurde, brach er den Feldzug ab und kehrte heim.
    269 wurde einer seiner Feldherrn, Laelianus, in Mainz von seinen zwei Legionen zum Kaiser ausgerufen. Postumus zog sofort gegen ihn und eroberte Mainz zwei Monate nach dem Abfall. Laelianus fand dabei den Tod; vermutlich wurde er von seinen eigenen Soldaten ermordet. Doch dann wurde auch Postumus von seinen eigenen Soldaten ermordet, vermutlich, weil er ihnen die Plünderung der Stadt verboten hatte.
    Neuer Kaiser wurde ein gewisser Marius, angeblich ein ehemaliger Schmied, der es zum Offizier gebracht hatte. Nach einigen Monaten wurde er aus privaten Gründen ermordet.
    Schon vor seinem Tod oder auch erst danach wurde Victorinus zum Kaiser ausgerufen. Er stammte aus reicher Familie und hatte unter Postumus Karriere in dessen Prätorianergarde gemacht und auch das Konsulat bekleidet. Als Kaiser wurde er jedoch nur in Gallien und Britannien anerkannt, während sich Spanien wieder dem Restreich unterstellte. Auch die Stadt Autun wollte sich dem Restreich anschließen, was Victorinus nur gewaltsam verhindern konnte: Nach siebenmonatiger Belagerung wurde die Stadt erobert und geplündert. Die Residenz verlegte er nach Trier. Anfang 271 wurde er in Köln von einem seiner Offiziere, Attitianus, ermordet, vermutlich aus Eifersucht, weil er eine Affäre mit dessen Ehefrau hatte.
    Irgendwann 271 machte sich auch ein gewisser Beamter namens Domitianus zum Kaiser, wurde aber vermutlich schon nach ein paar Tagen ausgeschaltet.
    Nach Victorinus’ Ermordung sorgte dessen Mutter Victoria durch Bestechungen dafür, dass die Soldaten den (abwesenden) hochrangigen Beamten Tetricus (I.) zum Kaiser (271-274) ausriefen. (Er war wohl mit Victoria verwandt. Möglicherweise stand Victoria auch schon hinter der Erhebung des Marius.) Er stammte aus guter gallischer Familie und wurde in Gallien und Britannien anerkannt. Sein Problem war jedoch, dass er keine Militärlaufbahn hinter sich hatte und daher von den Soldaten nicht respektiert wurde. Die Armee konnte er eigentlich nur durch Victoria kontrollieren, die sehr beliebt war, doch dann starb sie. Gleich nach Herrschaftsantritt musste er Germaneneinfälle abwehren. 273 ernannte er seinen Sohn Tetricus (II.) zum Caesar. Vermutlich wurde Tetricus II. 274 dann auch zum Kaiser erhoben, aber das ist unsicher.
    Nachdem er Zenobia ausgeschaltet hatte, zog Kaiser Aurelianus (270-275) 273 nach Westen, um das Sonderreich zu unterwerfen. Tetricus hatte aber noch ein anderes Problem, denn ein gewisser Faustinus, möglicherweise Statthalter der Provinz Gallia Belgica, zettelte eine Meuterei unter den Truppen an und ließ sich 274 in Trier zum Kaiser ausrufen. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.
    274 kam es auf den Katalaunischen Feldern zur Entscheidungsschlacht zwischen den beiden Tetrici und Aurelian, die Letzterer klar gewann. Damit war das Sonderreich beendet.
    Möglicherweise steckte Tetricus I. selbst hinter Aurelians Angriff: Aus Amtsmüdigkeit oder weil er seiner Truppen nicht mehr Herr wurde, soll Tetricus ihn selbst heimlich „eingeladen“ haben. Die Entscheidungsschlacht war demnach nur ein Scheingefecht.
    Die beiden Tetrici wurden gefangengenommen und von Aurelian in seinem Triumphzug mitgeführt, aber dann begnadigt. Beide machten sogar noch Karriere. (Das könnte auch dafür sprechen, dass Tetricus sich dem Aurelian tatsächlich freiwillig unterworfen hat.)

  9. #9
    Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
    Registriert seit
    23.02.2008
    Ort
    Nähe Aschaffenburg
    Beiträge
    1.043

    Daumen hoch

    Sehr gute Berichte, vor allem der über Palmyra.

  10. #10
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    07.03.2008
    Beiträge
    7.153
    Zitat Zitat von Dietrich Beitrag anzeigen
    Solche Mühe ist gewiss löblich!

    Ich dachte allerdings, dass dies Forum der Diskussion und bestimmten Problemstelllungen dient, nicht aber langen lexikalischen Episteln, die ebenso gut in der alten Tante Wiki und jedem Lexikon nachzuschlagen sind.

    Nichts fur ungut, mein lieber Scifi, lass dich nicht von weiteren Ausführungen abhalten!
    Denke, dass Forum ist für beides da. Einerseits für Diskussionen, andererseits aber auch für längere Beiträge oder Beitragsserien zu Themen. Denke diese bereichern das Forum. Weiter so Scifi.

Seite 1 von 5 123 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Römische Kaisergeschichte
    Von Jschmitt im Forum Das Römische Reich
    Antworten: 157
    Letzter Beitrag: 22.03.2012, 17:24
  2. Wann wurde Rom gegründet/römische Frühgeschichte
    Von CATO im Forum Das Römische Reich
    Antworten: 33
    Letzter Beitrag: 17.03.2012, 16:41
  3. Die römische Legion
    Von Titus im Forum Das Römische Reich
    Antworten: 137
    Letzter Beitrag: 23.06.2011, 09:27
  4. Römische Reformatorin?
    Von 913Chris im Forum Mittelalter Allgemein
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 04.02.2009, 21:14

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •