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Tags: bagauden, isaurier, rom

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Alt 03.03.2009, 21:53   #1 (permalink)
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Römische Räuber

Da uns Cäsar seit einiger Zeit mit seiner Serie über das Sterben der römischen Kaiser erfreut, habe ich mir gedacht, ich mache einmal eine Serie über berühmte römische Räuberbanden. Heute beginne ich mit dem berühmten Räuberhauptmann Felix Bulla. Weitere Beiträge über die Bagauden und die Isaurier harren ihrer Fertigstellung, aber wohl erst am Wochenende.
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Alt 03.03.2009, 21:54   #2 (permalink)
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Felix Bulla

Zur Zeit des Septimius Severus machte ein gewisser Felix Bulla mit seiner 600 Mann starken Räuberbande zwei Jahre lang die Via Appia unsicher. Über ihn waren mannigfache Schelmengeschichten im Umlauf, deren Wahrheitsgehalt jeder selbst beurteilen möge:
- Als zwei Mitglieder seiner Bande verhaftet und zum Tierkampf in der Arena verurteilt wurden, verkleidete er sich als hochrangiger Beamter, ging als solcher zum Kerkermeister und ließ sich unter dem Vorwand, sie für angeblich von ihm zu veranstaltende Spiele verwenden zu wollen, die beiden Gefangenen mitgeben.
- Einmal versprach er als Centurio verkleidet die baldige Festnahme des Felix Bulla.
- Von einem mit seiner Verhaftung beauftragten Centurio ließ er sich als Häscher engagieren, lockte ihn in eine Falle, ließ ihm den Kopf kahl scheren und gab ihm den Tipp, die Sklavenhalter sollten ihre Sklaven besser behandeln, damit die nicht wegliefen und zu Räubern würden.
Septimius Severus beauftragte schließlich einen Tribunen mit der Festnahme Bullas, dem das auch tatsächlich gelang: Bulla wurde von seiner Geliebten verraten und in seinem Versteck, einer Höhle, im Schlaf überrascht. Er wurde in der Arena den Tieren vorgeworfen, und seine Bande zerfiel.
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Alt 04.03.2009, 19:15   #3 (permalink)
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Die Bagauden

So nannte man eine große Räuberbande aus Bauern und Hirten, die in der zweiten Hälfte des 3. Jhdts. n. Chr. in Gallien ihr Unwesen trieb. Der Name leitet sich eventuell vom keltischen Wort baga=Kampf ab. Über ihre Anfänge ist wenig bekannt, man weiß auch nicht genau, inwieweit sie wirklich alle zusammenhingen oder unterschiedliche Gruppen waren.
Über den rechtlichen und sozialen Status der Bauern Galliens im 3. Jhdt. ist nur wenig bekannt. Teils waren es Ackersklaven, teils Pächter, teils Halbfreie. Jedenfalls war ihre Not groß, da sie unter der Abgabenlast, den Bürgerkriegen und den Germaneneinfällen litten. Schließlich hatten viele im nördlichen und östlichen Gallien genug von ihrem bisherigen Leben und gründeten Banden. Zunächst bettelten sie eher, aber bald wurden sie Räuber, die das offene Land ausplünderten. Sie konnten aber auch einige Städte einnehmen, indem ihnen der dortige Pöbel die Tore öffnete. Schließlich wurden sie ab 283 so zahlreich und stark, dass sie 285 zwei der ihrigen, Amandus und Aelianus, zu Kaisern ausriefen. Auf einer leicht zu verteidigenden Halbinsel in der Marne errichteten sie ihren Stützpunkt, von dem aus sie ihre Züge unternahmen. Es gelang ihnen sogar, Augustodunum (Autun) zu erobern, das sie gründlich ausplünderten und verwüsteten. Ihre Züge erstreckten sich bis nach Spanien. Schließlich zog der Caesar Maximianus (später Kaiser) gegen sie und besiegte sie relativ rasch, wobei ihm half, dass unter den Bagauden eine Seuche ausgebrochen war.
Im 4. Jhdt. war es dann ruhig, doch im 5. Jhdt. entstanden die Bagauden von Neuem und zogen bis nach Italien. 407 musste ihnen ein römischer Feldherr sogar Tribut zahlen, damit sie ihn die Alpen ungehindert passieren ließen. Mitte des 5. Jhdts. wurden sie jedoch von den Römern und den Westgoten vernichtet.
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Alt 04.03.2009, 19:43   #4 (permalink)
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Theoretisch gesehen waren auch die Sklaven des Spartakus eine Räuberbande. Wenn auch eine ziemlich große. Sie zogen durch Italien und plünderten alles um überleben zu können.
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Alt 04.03.2009, 22:10   #5 (permalink)
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Zu weiteren Räubern, den Bukolen, siehe hier: http://www.g-geschichte.de/forum/ant...html#post32005 (Altes Ägypten)
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Alt 04.03.2009, 22:16   #6 (permalink)
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Die Isaurier

Die Isaurier waren ein Volk im Taurusgebirge im nördlichen Kilikien, ihre Heimat war von Lykaonien, Phrygien, Pisidien und Kilikien umgeben; benannt waren sie nach dem Ort Isaura (oder der nach ihnen). Sie waren als Räuber und Krieger gefürchtet. Über ihre kriegerischen Qualitäten schwankten die antiken Angaben: Einerseits hieß es, sie seien nur in den Bergen durch ihre Guerillataktik stark, andererseits wurden sie aber später im Oströmischen Reich geschätzt.
Seit jeher führten sie Raubzüge in die benachbarten Gebiete durch und beteiligten sich am kilikischen Seeräuberunwesen, das im 2. und frühen 1. Jhdt. v. Chr. überhand nahm. Um es zu beenden, eroberten die Römer schließlich Kilikien, und die Isaurier wurden in den Jahren 78-76 von P. Servilius Vatia (79 Konsul) besiegt, der dafür den Beinamen „Isauricus“ erhielt. Er zerstörte auch Isaura, das aber bald wiederaufgebaut wurde. Dennoch nahmen sie ihre Raubzüge bald wieder auf und beteiligten sich auch weiter an den Seeräubereien, bis Pompeius 67 der Piraterie ein Ende machte. In den folgenden Jahrhunderten verhielten sie sich aber offenbar ruhig.
In den Wirren des 3. Jhdts. verlor die römische Zentralmacht die Kontrolle über das Gebiet der Isaurier, und sie begannen wieder mit ihren Raubzügen in der Umgegend. Sie riefen zur Zeit des Kaisers Gallienus (253-268) angeblich sogar ihren Anführer Trebellianus zum Kaiser aus, der in Isaura regelrecht Hof gehalten haben soll. Schließlich wurde er aber von Causisoleus, einem Feldherrn des Gallienus, besiegt und getötet. Von der modernen Forschung wird seine Historizität jedoch mitunter angezweifelt.
Die Isaurier waren damit aber noch längst nicht besiegt. Unter Kaiser Claudius Gothicus (268-270) wurden sie erneut geschlagen. Er plante sie umzusiedeln, aber daraus wurde durch seinen frühen Tod nichts mehr.
Zur Zeit des Kaisers Probus (276-282) dehnten sie ihre Raubzüge unter ihrem Anführer Lydius bis nach Lykien und Pamphylien aus, außerdem machten sie aus Kremna in Pisidien ihren schwer befestigten Hauptstützpunkt. Ein unterirdischer Gang führte von Kremna aus ins Freie, durch den die Stadt bei einer Belagerung versorgt werden konnte. Als die Römer die Stadt belagerten, wurden die Einwohner der Stadt von Lydius vertrieben; als sie von den Römern zurückgeschickt wurden, ließ er sie von den Stadtmauern stürzen. Als der Geheimgang entdeckt wurde und somit kein Lebensmittelnachschub mehr in die Stadt kommen konnte, ließ Lydius den entbehrlichen Teil seiner Männer töten, ebenso die Frauen bis auf ein paar, die sie zum Zeitvertreib behielten. Schließlich fiel Lydius jedoch durch den Treffer eines Wurfgeschützes, und die Stadt kapitulierte.
Damit war zwar Pisidien befreit, aber das Isauriergebiet in Kilikien selbst blieb in Isaurierhand. Man versuchte nicht mehr, ihr unzugängliches, zum Guerillakreig geeignetes, Gebiet zu erobern, sondern umgab es mit einem Gürtel aus Stützpunkten, um Raubzüge zu verhindern. Mindestens zwei Legionen wurden eingesetzt, um sie in Schach zu halten. Zeitweise brachten die Isaurier trotzdem auch die kilikische Küste unter Kontrolle und begannen Seeräuberei zu treiben. Sie griffen sogar die große Stadt Seleucia Trachea an, zogen sich aber zurück, als ein römisches Entsatzheer herbeieilte. 359 brachen sie aus ihrem Gebiet aus und raubten weit und breit, ebenso 368; da gelang es ihnen sogar, eine römische Armee in einer Schlucht zu vernichten; schließlich konnten sie zurückgedrängt werden. Auch in der Folgezeit kam es immer wieder zu Kämpfen. Im 5. Jhdt. eroberten sie Seleucia dann tatsächlich.
Neue Bedeutung erlangten sie im Oströmischen Reich. Kaiser Leon I. (457-474) wollte lieber nicht auf germanische Heerführer und Truppen setzen, deren Allmacht er im Westreich beobachten konnte. Auch seinen alanischen Söldnern und seinem alanischen Heermeister Aspar misstraute er. Daher heuerte er in den 60ern des 5. Jhdts. als Ersatz die Isaurier an, die immer noch als Barbaren galten. Besonders ihren Häuptling Tarasicodissa Rusumbladeotes (426-9.4.491) protegierte er ab 466. Tarasicodissa erwies sich als fähiger Feldherr, während die anderen oströmischen Feldherrn dieser Zeit, vor allem Basiliskos, nur Mist bauten. Das brachte ihm natürlich nicht nur Freunde ein; nur knapp entging er einem Attentat. Leon I. gab ihm 467 sogar die Hand seiner Tochter Ariadne, von der er einen Sohn Leon (ca. 467-17.11.474) bekam. Er nahm den Namen Zenon an, um weniger fremd zu wirken. 469 wurde er Konsul. 469-471 kam es zunehmend zu Konflikten zwischen Leon und Zenon einerseits und Aspar andererseits, in dem Aspar sogar versuchte, die Isaurier abzuwerben. Schließlich ließ Leon I. 471 Aspar und dessen Sohn Ardabur ermorden und machte Zenon zum Heermeister. Leon folgte seinem Großvater 474 als minderjähriger Kaiser Leon II. Wenige Tage nach Leons II. Thronbesteigung erhielt auch Zenon selbst auf Betreiben Ariadnes von seinem Sohn die Kaiserwürde. Als Leon II. schon im November 474 starb, herrschte Zenon allein weiter.
Vom Volk und der Hofclique wurde er, der Barbar, allerdings nicht akzeptiert. Schon im Jänner 475 putschte Basiliskos, und Zenon musste fliehen. Er zog sich mit seinen isaurischen Kriegern nach Antiochia zurück und rüstete zum Gegenschlag. Da sich Basiliskos als unfähig erwies, liefen zunehmend Heeresteile zu Zenon über, und er konnte im August 476 Konstantinopel ohne Gegenwehr einnehmen. Basiliskos ergab sich mit seiner Familie gegen das Versprechen, nicht sein Blut zu vergießen; daher ließ Zenon sie verhungern.
Bis zu seinem Tod 491 regierte er nun weitgehend ungestört und machte seine Sache als Kaiser nicht schlecht. Da auch sein zweiter Sohn bereits vor ihm gestorben war, heiratete Ariadne nun den Beamten Anastasios, der somit Kaiser wurde (491-518). Zenons Bruder Longinus wollte das nicht akzeptieren, und es kam bis 498 zu einem Bürgerkrieg, den Anastasios gewann; die Macht der Isaurier war damit gebrochen. Anastasios ließ einen Großteil von ihnen nach Thrakien umsiedeln.
Die fälschlich mitunter so bezeichnete „Isaurische“ Dynastie hatte nichts mit den Isauriern zu tun; richtiger wird sie daher „Syrische“ Dynastie (717-802) genannt.
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Alt 05.03.2009, 10:51   #7 (permalink)
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Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
Da uns Cäsar seit einiger Zeit mit seiner Serie über das Sterben der römischen Kaiser erfreut, habe ich mir gedacht, ich mache einmal eine Serie über berühmte römische Räuberbanden. Heute beginne ich mit dem berühmten Räuberhauptmann Felix Bulla. Weitere Beiträge über die Bagauden und die Isaurier harren ihrer Fertigstellung, aber wohl erst am Wochenende.
Tolle Beitragsserie, erwahrten uns noch weitere Beiträge zu Römischen Räuberbanden?
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Alt 05.03.2009, 22:15   #8 (permalink)
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Fürs Erste nicht.
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Alt 06.03.2009, 19:47   #9 (permalink)
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cäsar sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphärecäsar sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphäre
Woher hat denn die Forschung so genaue Daten über diese Gesetzeslosen?
Gibt es da noch Gerichtsakten oder Inschriften? Ich meine, hat die Regierung nicht versucht die Hinterlassenschaften solcher Leute zu vertuschen versucht?

Übrigens: Wirklich gute Reihe.
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Alt 06.03.2009, 19:53   #10 (permalink)
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So etwas wie Zensur gab es im Römischen Reich doch nicht, da konnten die Historiker über alles schreiben, was sie interessant fanden.
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