Zitat:
Zitat von dieter Sie verteilen sich auf mehr als 500 Stämme, deren Lebensweisen sich unterscheiden.Gemeinsam fühlen sie sich als Teil der Natur. Die Indianer wollen ihren Kontinent nicht besitzen. Sie sehen sich als seine Kinder. |
Autsch. Das klingt doch sehr nach dem Gesülze aus "500 Nations", für das Kevin Costner sein Gesicht hergeliehen hat.
Völliger Quatsch. Die Indianer nutzten das ihnen zur Verfügung stehende Land genauso bis zur völligen Erschöpfung wie das die Europäer taten. Nur - weil sie so wenige waren, konnten sie leicht ausweichen in Gegenden, die noch nicht oder schon länger nicht mehr genutzt wurden und hier wieder von vorne anfangen. Bis die neue Heimat wieder ausgebeutet war. Dann zogen sie weiter. Kamen sie bei íhren Wanderungen wieder in das allererste Gebiet zurück, hatte es sich wieder so weit erholt, dass es wieder nutzbar war. Das Prinzip des Wanderfeldbaus.
So lebten z.B. auch die Indianer der Rockies mehr schlecht als recht von der Natur. Die Utah waren von den Stämmen der Prärien, des Südwestens und der Pazifikküste immer sehr schlecht angesehen - eben wegen ihres primitiven Lebenswandels. Die Felsenberge gaben einfach nicht genug her, um einigermaßen üb er die Runden zu kommen, deshalb (ver-)hungerten die Utah und die verwandten Stämme sehr oft. Erst vor einigen Jahrzehnten kam man drauf, warum die Wapitis im Yellowstone sich explosionsartig vermehrten, seit da ein Schutzgebiet war bzw. seit da die Indianer verschwunden waren. Die Hirsche waren von den angeblichen "Naturkindern" schlicht überjagd worden, ohne die Jagd erholte sich ihr Bestand wieder und die Wapitis vermehrten sich dann noch weiter, weil dank der Europäer mittlerweile Bären und Wölfe so selten geworden waren, dass sich das natürliche Gleichgewicht nicht mehr einstellen konnte.
Manchmal ging´s auch deswegen schief, weil sich die Gelegenheit ergab, eine städtische Kultur zu entwickeln.
Die Anasazi im Südwesten der heutigen USA übertrieben das Ganze. Sie mussten ihre (im Wortsinn) verwüstete Heimat verlassen.
Auch die Mississippi-Kultur der "Mound Builder" ging höchstwahrscheinlich deswegen zugrunde, weil Raubbau an der Natur betrieben wurde. Die größte Stadt dieser Kultur, Cahokia, hatte um 1100 eine Fläche von 15 km2, und bis zu 40.000 Einwohner (Minimumschätzung 8000) - zu einer Zeit, als in Mitteleuropa Köln etwa 20.000 Einwohner hatte, London etwa 40.000 und nur Paris mit ca. 80.000 Einwohnern um Einiges größer war. Passt irgendwie nicht zu "im Einklang mit der Natur", gell? Die Indianer Nordamerikas befanden sich zum Zeitpunkt des Eintreffens der Europäer auf einem kulturellen Niedergang oder hatten ihn schon abgeschlossen - wenigstens die, die zuvor schon mal kulturell höher stehender waren (zwischen ca. 1000 und ca. 1400 erlebten Südwesten, Mississippi-Region und Südosten eine kulturelle Hochphase, in allen genannten Gebieten gab es damals große Städte! Beim Eintreffen der Europäer war maximal der Südosten noch auf einem kulturellen Niveau, auf dem städtische Siedlungen möglich waren...halt, die Pueblo im Südwesten habe ich vergessen.).
Die Indianer des Nordostens z.B. hatten noch nie anders gelebt als als Waldbauern und Waldjäger. Trotzdem begingen auch sie Raubbau an der Natur - wie eigentlich alle Kulturen der Menschheitsgeschichte.
VG
Christian