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Tags: alternative systeme, bismarck, dreigliedriges schulsystem

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Alt 18.05.2008, 14:17   #1 (permalink)
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913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick913Chris ist ein wunderbarer Anblick
Schule

Servus!
Da ich z.Zt. Lehrer an einer Wirtschaftsschule bin und ich mich auch mit Pädagogik allgemein beschäftige, kam mir letztens eine Frage in den Sinn, die ich hiermit zur Diskussion stellen möchte:
Wie sinnvoll ist unser dreigliedriges Schulsystem, das ja eigentlich (siehe "Wirtschaftsschule") gar kein dreigliedriges mehr ist?
Entstanden im vorvorigen Jahrhundert, kultiviert und ausgebaut im vorigen Jahrhundert und gegen mannigfaltige Alternativen zäh verteidigt, ist unser Schulsystem auch ein historisches Phänomen geworden.
Vor kurzem habe ich ein in Arbeit befindliche Dissertation gelesen, die sich mit dem "Monitorial System" beschäftigt, eine Unterrichtsmethode, die im kolonialen Indien entwickelt wurde, um die dortigen Riesenklassen unterrichten zu können, und das mir bekannt vorkam - auch unsere früheren Volksschulklassen mit mehreren Jahrgängen in einer Klasse wurden so unterrichtet: Der Lehrer widmete sich abwechselnd den verschiedenen Jahrgängen, die älteren Schüler beaufsichtigten in der Zwischenzeit die Jüngeren. (grob vereinfachte Version)

Angesichts der Klassenstärke an meiner Schule (alle Siebten und Achten haben 33 oder 34 Schüler): Wäre ein solches (oder ähnliches) System auch heute noch ein Methode, grosse Klassen und wenige Lehrer effektiv zu verbinden?

VG
Christian
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Alt 20.05.2008, 23:26   #2 (permalink)
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lorginn sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphärelorginn sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphärelorginn sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphäre
Vorschlag

Gude,
wie wäre es mit der Aufteilung eines Jahrgangs nach der aktuellen Leistungsmöglichkeit des Schülers? Also ein Jahrgang wird die ersten drei Monate zusammen unterrichtet. Dann beginnt die Unterteilung nach a, b, c, d, e, welche nach einem viertel Jahr wieder überprüft wird. Wäre ungemein motivierend für einzelne Schüler. Je weiter die Abstufung der Klasse, könnten auch mehrere Lehrer gleichzeitig die Schüler während des Unterrichts unterstützen?
lG
__________________
... bis hierher und keinen Schritt weiter ...
lorginn ist offline  
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Alt 21.05.2008, 12:08   #3 (permalink)
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Servus!
Zitat:
Zitat von lorginn Beitrag anzeigen
ein Jahrgang wird die ersten drei Monate zusammen unterrichtet. Dann beginnt die Unterteilung nach a, b, c, d, e, welche nach einem viertel Jahr wieder überprüft wird.
Da fällt mir spontan die Geschichte ein, dass in einer Grundschule ein paar Psychologen aufschlugen und die Lehrer baten, eine Beurteilung der Erstklässler abzugeben. Nach der 5.Klasse wurde überprüft, ob die Beurteilung fünf Jahre zuvor zutreffend war - bingo! Die meisten Schüler erfüllten die Erwartungen der Lehrer, positiv und negativ.
Als dann allerdings rauskam, dass nicht die Schüler, sondern die Lehrer das Objekt der Untersuchung waren, und dass das Thema der Untersuchung "sich selbst erfüllende Vorurteile" war (oder so), mussten die Psychologen ganz schnell schauen, dass sie Land gewinnen...


Dein Vorschlag scheint mir die gleiche Gefahr zu beinhalten, dass nämlich Schüler am Anfang einer Jahrgangsstufe in Schubladen gesteckt werden, aus denen sie dann ganz schwer wieder rauskommen. Ausserdem darf nicht unterschätzt werden, dass dann die Schüler ihrerseits ganz schnell mit Etiketten wie "Verliereklasse" und "Streberklasse" bei der Hand sind. Und während eines Jahres Klassen neu zusammen zu stellen, dürfte auch gaaaanz schwer sein...

VG
Christian
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Alt 28.11.2009, 10:31   #4 (permalink)
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PèreJoseph sorgt für eine eindrucksvolle AtmosphärePèreJoseph sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphäre
Zitat:
Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
... auch unsere früheren Volksschulklassen mit mehreren Jahrgängen in einer Klasse wurden so unterrichtet: Der Lehrer widmete sich abwechselnd den verschiedenen Jahrgängen, die älteren Schüler beaufsichtigten in der Zwischenzeit die Jüngeren. (grob vereinfachte Version)

Angesichts der Klassenstärke an meiner Schule (alle Siebten und Achten haben 33 oder 34 Schüler): Wäre ein solches (oder ähnliches) System auch heute noch ein Methode, grosse Klassen und wenige Lehrer effektiv zu verbinden?
Ich bin erst jetzt per Zufall auf diesen Thread gestoßen.

Das mit den früheren Volksschulklassen, in denen mehrere Jahrgänge in einer einzigen Klasse von einem einzigen Lehrer unterrichtet wurden, trifft nur auf die sogenannten "Zwergschulen" zu, die sich ausschließlich auf dem flachen Land in kleinen und kleinsten Dörfern befanden und über die man sich in Deutschland in den 1960er-Jahren gestritten hat. Parallel dazu ging es in Deutschland auch um die Abschaffung von Konfessionsschulen, wie sie im Reichskonkordat noch erwähnt waren, was zu Konflikten mit dem Vatikan geführt hat, der damit drohte, die Grenzen der Bistümer an die politischen Grenzen Deutschlands anzupassen - eine indirekte Anerkennung der DDR also.

In diesen - übrigens in Baden-Württemberg in einer ziemlich einheitlichen Architektur gebaut - befanden sich die beiden Klassenzimmer im Erdgeschoß, im Obergeschoß die Lehrerwohnung. In nicht ganz so kleinen Dörfern gab es zwei Lehrer, einen Ober- und einen Unterlehrer, letzterer hatte ein Zimmerchen entweder in der Lehrerwohnung oder aber ein Bett auf dem Speicher stehen. Der Oberlehrer unterrichtete die 10- bis 14jährigen Kinder, der Unterlehrer die 6- bis 10jährigen Kinder.

Gute Schülerinnen und Schüler durften, habe ich mir erzählen lassen, im Lehrergarten auch schon mal Unkraut jäten oder für die Lehrersgattin einkaufen. Gute Schüler wurden auch eingesetzt als eine Art Aufsicht, indem sie, bei Abwesenheit des Lehrers, die Namen von Lärm machenden Schülern
aufzuschreiben hatten, damit diese Schüler nachher, wenn der Lehrer wieder zurück war, ihre "Tatzen" abholen konnten.

Zusätzliche Aufgabe des Oberlehrers war, auch das wurde mir gesagt, sonntags in der Kirche die Orgel zu spielen. Da in Deutschland die Trennung zwischen Thron und Altar bzw. später zwischen Obrigkeit und Altar so strikt nicht war wie anderswo, bekam der Oberlehrer auch gleich mit, welche seiner Schäfchen dem Gottesdienst beiwohnten oder nicht - was sich dann am Montag im Unterricht auswirken konnte.

Der Unterlehrer wurde übrigens nach einigen Jahren befördert und bekam eine eigene Dorfschule - mit einem Unterlehrer.
__________________
Die neue deutsche Rechtschreibung halte ich für Unfug. Und ich muß privatim nicht jeden Unfug mitmachen!
PèreJoseph ist offline  
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Alt 28.11.2009, 11:08   #5 (permalink)
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Benutzerbild von Scifi
 
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Scifi ist einfach richtig nettScifi ist einfach richtig nettScifi ist einfach richtig nettScifi ist einfach richtig nettScifi ist einfach richtig nett
Solche zweiklassigen Volksschulen gibt es in Österreich in manchen kleinen Gemeinden, deren Bürgermeister eine Schließung verhindern konnten, heute noch. Auch meine Mutter, die früher Volksschullehrerin war, hat einmal an einer solchen Dorfvolksschule unterrichtet, in der immer zwei Klassen in einem Raum saßen - und war überhaupt nicht angetan, da sie immer für die einen eine Beschäftigung brauchte, während sie die anderen aktiv unterrichtete. Natürlich war es da auch schwer, den Lehrplan einzuhalten. Ich kann mir das auch nur sehr schwer vorstellen: Wie sollen sich die einen Schüler auf ihnen gestellte Aufgaben konzentrieren, wenn die Lehrerin gleichzeitig die anderen lautstark unterrichtet?
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Bis in den Tod Rot-weiß-rot!
Wen die Götter lieben, der stirbt jung.
Scifi ist offline  
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Alt 13.04.2011, 17:22   #6 (permalink)
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Gude,
wie wäre es mit der Aufteilung eines Jahrgangs nach der aktuellen Leistungsmöglichkeit des Schülers? Also ein Jahrgang wird die ersten drei Monate zusammen unterrichtet. Dann beginnt die Unterteilung nach a, b, c, d, e, welche nach einem viertel Jahr wieder überprüft wird. Wäre ungemein motivierend für einzelne Schüler. Je weiter die Abstufung der Klasse, könnten auch mehrere Lehrer gleichzeitig die Schüler während des Unterrichts unterstützen?
lG
Ich bin selber Schüler und weiß was das für Folgen haben würde. Das wäre nicht motivierend (vielen Schülern, selbst Gymnasiasten sind Noten egal), nein, im Gegenteil, die Trennung zwischen gut und schlecht wäre noch offensichtlicher und die schlechten Schüler würden mehr ausgegrenzt werden!

Das sagt aus Erfahrung
Der Maxdorfer
__________________

Wir gründen das beste Forum für Geschichte!!!
Maxdorfer ist offline  
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Alt 13.04.2011, 19:10   #7 (permalink)
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Gude,
wie wäre es mit der Aufteilung eines Jahrgangs nach der aktuellen Leistungsmöglichkeit des Schülers? Also ein Jahrgang wird die ersten drei Monate zusammen unterrichtet. Dann beginnt die Unterteilung nach a, b, c, d, e, welche nach einem viertel Jahr wieder überprüft wird. Wäre ungemein motivierend für einzelne Schüler. Je weiter die Abstufung der Klasse, könnten auch mehrere Lehrer gleichzeitig die Schüler während des Unterrichts unterstützen?
lG
Halte ich für keine gute Idee, wenn am Ende alle den gleichen Schulabschulss bekommen und ein durchmischen in der Schulzeit ist ebenfalls schwierig bis unmöglich.
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