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Tags: chatten, du00fcnsberg, germanien, roemische kolonisation, waldgirmes

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Alt 09.07.2009, 03:44   #1 (permalink)
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Waldgirmes Römerstadt u. germanische Siedlung

Kurz vor Chr. wurde im hessischen Waldgirmes eine römische Stadt gegründet. Sie sollte ein zentraler Verwaltungsort für Teile Germaniens werden. In Waldgirmes wurden aus dieser römischen Zeit auch die Spuren zivilen germanischen Lebens gefunden. Römer u. Germanen(Chatten) lebten hier zusammen. Wenige Km entfernt lag ein ehemaliges Römisches Militärlager, welches nur kurz z.B. für den Krieg mit den Kelten vom Dünsberg genutz wurde.
Die Römer siegten in einer Schlacht am Dünsberg gegen die Kelten, die daraufhin die Kontrolle über die Region verloren.
Über das Schicksal der Lahntalkelten können nur Vermutungen angestellt werden. Im Anschluß besiedelten Chatten zumindest das westliche Lahntal. Dort wurde dann Waldgirmes als Römische Stadt gegründet. Waldgirmes bestand als Römische Stadt nur wenige Jahre bis zur Niederlage des Varus. Die Römer zogen sich staatlich zurück. Die archäologischen Grabungen erbrachten aber schon, das die germanische Besiedlung von Waldgirmes fortbestand - wahrscheinlich dann kontinuierlich bis heute. Heute ist es ein Stadtteil von Lahnau.
Was die Presse sagt...
Da die Chatten zwar als Neusiedler aber nicht als Eroberer in das westliche Lahntal kamen, würde es mich interessieren, ob sie zurückgebliebene Kelten o. sogar Römer gleichberechtigt in ihren Stamm aufnahmen, welcher ja regional u. lokal neue Strukturen bekam. Es bildete sich sicherlich ein neuer Lahntalgau mit eignem Thing. Vielleicht hatte mancher "Römer" kein Interesse wegzuziehen. Während größere Römische Städte in Süddeutschland nach der Eroberung durch Germanen Eigenheiten bewahrten, wurde ja Waldgirmes ein normales germanisches Dorf, welches vielleicht nicht ganz normal war.
Während der römischen Vergeltungskriegszüge mußten dann alle Wehrpflichtigen incl. "Neuchatten" gegen die Römer kämpfen. Das war sicherlich für keltischstämmige Neuchatten kein Problem.
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viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Lahntal
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Alt 09.07.2009, 12:40   #2 (permalink)
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Dass römische Siedler in Waldgirmes zurückblieben, kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Wir reden hier ja nicht von der Völkerwanderungszeit, wo sich die Romanen den germanischen Eroberern beugten, sondern von der frühen Kaiserzeit. Welcher Römer wollte da schon unter germanischer Herrschaft leben?
Für eine Besiedlungskontinuität gibt es doch gar keine Hinweise. Hier Spuren der Jahrtausende wird eher von einer Zerstörung ausgegangen.
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Alt 09.07.2009, 22:57   #3 (permalink)
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Servus!
Auch stellt sich die Frage, ob es in einer solch vorgeschobenen Siedlung überhaupt Siedler im Wortsinn gegeben hat, Kolonisten also. Ich denke eher nicht! Vielleicht wurden ein paar villae rusticae gegründet, die überlebten aber nicht lange und wurden wohl zusammen mit der Römersiedlung wieder aufgegeben. Die Bevölkerung dürfte sich aber mehrheitlich aus Soldaten, Veteranen und Händlern/Kaufleuten zusammengesetzt haben, und die hinterlassen eher selten Spuren in der Bevölkerung, da sie kaum siedlerisch tätig werden.

VG
Christian
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Alt 13.07.2009, 02:56   #4 (permalink)
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Die ganze Region ist in dieser Zeit archäologisch sehr interessant, weil das keltische Opodium Dünsberg(Fluchtburg/Herrschersitz), die Römerstadt Waldgirmes, das Römische Militär-Marschlager Dorlar u. auch Wetzlar-Dahlheim mit seiner wahrscheinlich 7000 Jahre alten Besiedlungskontinuität so nahe beieinander liegen.
Viele/einige keltische Schmide werden den Krieg mit den Römern überlebt haben u. sich auch der Verschleppung/Versklavung entzogen haben und ziemlich sicher in Dahlheim geblieben sein.
Das Reiterstandbild aus Waldgirmes wurde nach Dahlheim gebracht, damit die Schmiede dort das Metall durch Einschmelzen nutzen konnten.

Die genaue Siedlungsgrenze zwischen Ubiern u. Kelten im Lahntal ist ja umstritten. Im Unteren Lahntal werden vor Chr. Ubier gelebt haben. Viele sind ja dem Ruf der Römer gefolgt u. haben sich Linksrheinisch bis nach Köln angesiedelt. Letztlich haben die Chatten die neue Stammesformation dieser Lahn-Region gebildet, wo vorher westlich des Lahnknicks vielleicht bis nach Weilburg die Kelten u. westlich davon die Ubier lebten. Den Stammesnamen der Chatten/Hatten gaben womöglich Einwanderer aus den heutigen Niederlanden?
Weitere Einwanderer sollen Elb-Sueben gewesen sein.
Ich frage mich ein bischen, warum Nordhessen zu dieser Zeit 100 v. Chr. bis Chr. so relativ dünn besiedelt sein konnte, um überhaupt Einwanderer aufnehmen zu können, so daß sich der neue Stamm der Chatten bilden konnte.
In weiten Teilen lebten ja vorher Kelten, bevor Ubier, Hatten, Elbgermanen einwanderten u. die Kelten verdrängten u. assimilierten, bevor sie dann von den Römern endgültig geschlagen wurden. Die Kelten hatten doch viele kulturelle Fertigkeiten, um eine große Bevölkerung auf diesem Gebiet zu ernähren.
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viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Lahntal

Geändert von Paul (13.07.2009 um 23:14 Uhr).
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Alt 27.07.2009, 23:53   #5 (permalink)
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Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
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Auch stellt sich die Frage, ob es in einer solch vorgeschobenen Siedlung überhaupt Siedler im Wortsinn gegeben hat, Kolonisten also. Ich denke eher nicht! Vielleicht wurden ein paar villae rusticae gegründet, die überlebten aber nicht lange und wurden wohl zusammen mit der Römersiedlung wieder aufgegeben. Die Bevölkerung dürfte sich aber mehrheitlich aus Soldaten, Veteranen und Händlern/Kaufleuten zusammengesetzt haben, und die hinterlassen eher selten Spuren in der Bevölkerung, da sie kaum siedlerisch tätig werden.

VG
Christian
Was auf jedenfall vorstellbar ist, ist das germanische Veteranen mit ihren auch römischen/keltischen Frauen zurückblieben. Auch für ehemalige Sklaven könnte es attraktiv gewesen sein, zurückzubleiben wenn sie als Freie unter Freien hätten leben können? Wie wäre es mit der wahrscheinlichen Konstellation, das Römische Veteranen mit ihren germanischen Frauen u. germanischen Kindern zurückblieben, z.B. wenn diese Kinder schon erwachsen waren. Das wäre eigentlich sehr wahrscheinlich gewesen. Warum hätten Zweisprachige erwachsene Germanen aus ihrer Heimat wegziehen sollen und warum sollten sie sich von ihrem älteren Vater trennen sollen(nur weil er Römer war)?
Die Römer mit germanischen Frauen z.B. aus der Region hatten sicherlich die freie Wahl zu bleiben. Das Lahntal war fruchtbar, vielleicht hatten sie ein kleines Landhaus. Vielleicht überlebte ein Teil der Sozialstrukturen der Römersiedlung Waldgirmes.
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viele Grüße

Paul

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Alt 27.07.2009, 23:59   #6 (permalink)
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Bei den Römern galt die patria potestas. Der pater familias entschied, was gemacht wurde. Wenn der Römer weg wollte, musste seine germanische Frau mitsamt Mischlingskindern mit, ob es ihnen passte oder nicht. Die Veteranen wurden gut versorgt, die hatten es nicht nötig, unter Feinden zu wohnen. Ich glaube auch kaum, dass die Germanen römische Veteranen unter sich geduldet hätten.
Und wieso sollte eine Römerin einen Germanen heiraten?
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Alt 28.07.2009, 00:36   #7 (permalink)
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Bei den Römern galt die patria potestas. Der pater familias entschied, was gemacht wurde. Wenn der Römer weg wollte, musste seine germanische Frau mitsamt Mischlingskindern mit, ob es ihnen passte oder nicht. Die Veteranen wurden gut versorgt, die hatten es nicht nötig, unter Feinden zu wohnen. Ich glaube auch kaum, dass die Germanen römische Veteranen unter sich geduldet hätten.
Und wieso sollte eine Römerin einen Germanen heiraten?
Jetzt las einfach mal den Gedanken an Feinde weg. Ein Römer, der früh nach Waldgirmes versetzt wird heiratet eine Germanin aus der Umgebung und bekommt schnell Kinder. Er wird entlassen u. bleibt in Waldgirmes. Er baut sich ein Haus, bestellt Felder und hat einen guten freundschaftlichen Kontakt zur Familie der Frau im Nachbardorf z.B. Atzbach, Naunheim, Bübelingshusen. Ein Schwager ist Schmied und zieht als gerngesehener Bewohner nach Waldgirmes. Mehrere Cousins u. ein Bruder der Frau waren Legionäre und lassen sich auch in Waldgimes nieder. Der Mann fühlt sich eingebunden u. wohl. Die Kinder u. die Frau wollen bleiben. Er glaubt, wohl auch zu recht, das er von seinen germanischen Verwandten z.B. seinen Kindern nur Unterstützung erfahren wird u. bleiben kann. Er hat wahrscheinlich auch Chattisch gelernt. Er kommt dann auch zur ersten Dorfversammlung als die meisten Römer abzogen und kann als normaler Freier Chatte mitreden u. beschließen. Er vertritt auch seine Interessen z.B. auf seinen Landanteil. Viele der verbliebenen Bewohner haben ähnliche Interessenlagen o. nichtgermanische Verwandte/Verschwägerte. Die verbliebenen Germanen unterstützen aufgrund ihrer sozialen Verflechtung diese Interessen. Zuwandernde Germanen passen sich an die vorhandenen Sozialstrukturen an.
Die Männer von Waldgirmes ziehen geschlossen zum ersten Thing des unteren Lahntalgaus.
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Paul

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Alt 28.07.2009, 00:49   #8 (permalink)
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Und wieso sollte eine Römerin einen Germanen heiraten?
Das ist sicherlich am einfachsten zu beantworten. Ein germanischer Legionär freundet sich mit einem Römischen Kameraden an. Er besucht ihn u. lernt dessen Familie kennen. Er verliebt sich auf Gegenseitigkeit in die älteste Tochter.
Sie heiraten. Er war nur Soldat auf Zeit und läßt sich nach seiner Entlassung mit seiner Frau in der Region nieder. Sie bekommen viele Kinder. Diese haben einen engen Kontakt zu ihrem Opa.
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Alt 28.07.2009, 00:56   #9 (permalink)
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Das sind sehr moderne Vorstellungen. Ein Römer vermählt seine Tochter nicht einem Barbaren! Außerdem hatte ein römischer Legionär zumindest keine legitime Familie.
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Alt 28.07.2009, 00:57   #10 (permalink)
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Jetzt las einfach mal den Gedanken an Feinde weg. Ein Römer, der früh nach Waldgirmes versetzt wird heiratet eine Germanin aus der Umgebung und bekommt schnell Kinder. Er wird entlassen u. bleibt in Waldgirmes. Er baut sich ein Haus, bestellt Felder und hat einen guten freundschaftlichen Kontakt zur Familie der Frau im Nachbardorf z.B. Atzbach, Naunheim, Bübelingshusen. Ein Schwager ist Schmied und zieht als gerngesehener Bewohner nach Waldgirmes. Mehrere Cousins u. ein Bruder der Frau waren Legionäre und lassen sich auch in Waldgimes nieder. Der Mann fühlt sich eingebunden u. wohl. Die Kinder u. die Frau wollen bleiben. Er glaubt, wohl auch zu recht, das er von seinen germanischen Verwandten z.B. seinen Kindern nur Unterstützung erfahren wird u. bleiben kann. Er hat wahrscheinlich auch Chattisch gelernt. Er kommt dann auch zur ersten Dorfversammlung als die meisten Römer abzogen und kann als normaler Freier Chatte mitreden u. beschließen. Er vertritt auch seine Interessen z.B. auf seinen Landanteil. Viele der verbliebenen Bewohner haben ähnliche Interessenlagen o. nichtgermanische Verwandte/Verschwägerte. Die verbliebenen Germanen unterstützen aufgrund ihrer sozialen Verflechtung diese Interessen. Zuwandernde Germanen passen sich an die vorhandenen Sozialstrukturen an.
Die zurückgebliebenen Römer wären einfach niedergehauen worden, aus.
Ich weise noch einmal darauf hin: Wir sind noch nicht in der Völkerwanderungszeit!
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