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12.07.2008, 22:44
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#1 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Abgedankt, ja - aber freiwillig? Im Laufe der Weltgeschichte haben zahlreiche Herrscher ihre Regierung nicht durch ihren natürlichen Tod beendet, sondern wurden ermordet, sind gefallen, wurden gefangen genommen, gestürzt, vertrieben - oder sie haben abgedankt.
Abdankung klingt nach Freiwilligkeit - im Sinne von "Ich mag nicht mehr". Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf zahlreiche Herrscher, von denen es normalerweise heißt, sie hätten abgedankt, merkt man ziemlich schnell, dass es mit der Freiwilligkeit nicht weit her war. Nehmen wir z. B. die deutschen Monarchen 1918. Man sagt zwar, sie hätten abgedankt, aber eigentlich ließ man ihnen gar keine andere Wahl. "Gestürzt" oder "vertrieben" wäre also der ehrlichere Ausdruck.
Spontan fallen mir eigentlich nur zwei Herrscher ein, die wirklich freiwillig, ohne jeglichen Druck von außen, abgedankt haben: die Kaiser Diokletian und Karl V.
Kennt Ihr noch weitere Monarchen, die tatsächlich freiwillig abdankten?
(Die zahlreichen abgedankten japanischen Kaiser möchte ich von dieser Diskussion nach Möglichkeit ausnehmen, da es einfach lange Zeit üblich war, abzudanken, um dann als - meist aber ebenfalls eher machtloser - Regent weiterzumachen. Später wurde es irgendwie schon als selbstverständlich empfunden, nach einiger Zeit abzudanken.)
Einige Zweifelsfälle: Der spanische König Amadeus wurde von vielen Bevölkerungsschichten und auch Politikern angefeindet und beinahe ermordet, und im Lande herrschten bürgerkriegsähnliche Unruhen. Schließlich dankte er auf Drängen seiner Frau ab und verließ das Land. Bei ihm könnte man also diskutieren, wie freiwillig seine Abdankung war.
Eduard VIII. von England wurde gezwungen, zwischen Krone und Liebe zu wählen.
Christina von Schweden wurde gedrängt zu heiraten, was sie aber nicht wollte. |
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13.07.2008, 22:40
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
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| Servus! Zitat:
Zitat von Scifi Die zahlreichen abgedankten japanischen Kaiser möchte ich von dieser Diskussion nach Möglichkeit ausnehmen, da es einfach lange Zeit üblich war, abzudanken, um dann als - meist aber ebenfalls eher machtloser - Regent weiterzumachen. | Machtlos? Die Regenten wurden dadurch erst mächtig, so dass es lange Zeit üblich war, gleich Söhne oder Enkel auf den Thron zu setzen, um sich nicht durch das Korsett der Herrschaft einengen zu lassen und im Hintergrund die reale Macht in Händen zu haben.
VG
Christian |
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13.07.2008, 22:52
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Zitat:
Zitat von 913Chris Machtlos? Die Regenten wurden dadurch erst mächtig, so dass es lange Zeit üblich war, gleich Söhne oder Enkel auf den Thron zu setzen, um sich nicht durch das Korsett der Herrschaft einengen zu lassen und im Hintergrund die reale Macht in Händen zu haben. | Ja, aber eben nur für etwa hundert Jahre, von Shirakawa bis zum Beginn des Kamakura-Shogunats. Danach blieb dieses Abdanken noch Jahrhunderte lang üblich, obwohl die eigentliche Macht in den Händen des Shoguns (bzw. der Hojo-Familie) lag. Außerdem gab es mitunter mehrere Ex-Kaiser, die sich bekämpften. |
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14.07.2008, 14:55
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Kanzler
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Beiträge: 813
| Einen habe ich "Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht", das musste schließlich auch Talleyrand erkennen.
Aber einen wirklich freiwillig Abdankenden kann ich beitragen: Papst Coelestin V.
Geboren 1215 als Pietro del Murrone, gründete er einen Orden, später nach ihm als Zölestiner benannt. Er zog sich allerdings bald zurück und lebte als Eremit ein heiligmäßiges Leben.
1294 wählte das Konklave ihn überraschend zum Papst. Nach der Legende war Coelestin wenig erfreut und floh, bevor er von Vertrauten zur Annahme der Wahl überredet werden konnte. Nach einem halben Jahr Kampf gegen die Windmühlen der Kirchenhierarchie hatte Coelestin genug und dankte gegen viele Widerstände ab. Sein Wunsch wieder als Einsiedler zu leben erfüllte sich aber nicht. Sein Nachfolger Bonifatius hielt ihn in Haft aus Angst vor einem Schisma. |
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14.07.2008, 20:57
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#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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Beiträge: 9.342
| ...und in Haft starb der Arme dann auch recht bald.
Irgendwie stand sein Tod auch in Zusammenhang mit den Haftbedingungen, oder?
VG
Christian |
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14.07.2008, 21:46
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Zitat:
Zitat von 913Chris ...und in Haft starb der Arme dann auch recht bald.
Irgendwie stand sein Tod auch in Zusammenhang mit den Haftbedingungen, oder?  | Muss nicht sein. Mit über 80 Jahren war er für seine Zeit ja schon ziemlich alt. |
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14.07.2008, 22:56
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#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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| Servus!
Da bin ich doch grad noch auf was gestossen: Ich will grad im Ökomenischen Heiligenlexikon nachschauen, wie das mit dem alten Coelestin so war, da fällt mir eine Fußnote ins Auge:
"In der Kirchengeschichtsforschung wird die Zahl der zurückgetretenen Päpste gelegentlich auf bis zu 10 geschätzt, wirklich belegbar ist aber nur der Amtsverzicht von Coelestin. Gregor XII. trat 1415 als Folge der Auseinandersetzungen um die Gegenpäpste jener Zeit auf dem Konstanzer Konzil auf Druck seiner Gegner zurück."
Na, passt das zum Thread, oder was?
VG
Christian |
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15.07.2008, 08:03
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Kanzler
Registriert seit: 20.02.2008
Beiträge: 813
| Zitat:
Zitat von 913Chris ...
"In der Kirchengeschichtsforschung wird die Zahl der zurückgetretenen Päpste gelegentlich auf bis zu 10 geschätzt, wirklich belegbar ist aber nur der Amtsverzicht von Coelestin. ...
Na, passt das zum Thread, oder was?  | Hallo Christian,
der Übergang zwischen freiwilllig zurücktreten und gewaltsam zurückgetreten werden ist ja auch fließend.
Und dann ist es ja auch nicht einfach nachzuvollziehen, wer war Papst, wer war Gegenpapst. Und wenn ein Papst als allgemein anerkannter Gegenpapst keine Unterstützung mehr genießt und seinen Anspruch zurückzieht, obwohl er sich durchaus als rechtmäßig betrachtet, ist das dann ein Rücktritt? Und wie freiwillig ist das dann? |
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21.07.2008, 19:56
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Vier wirklich freiwillig abgedankte Monarchen hätte ich da noch:
Wilhelmina, Königin der Niederlande 1890-1948
Juliana, Königin der Niederlande 1948-1980
Charlotte, Großherzogin von Luxemburg 1919-1964
Johann, Großherzog von Luxemburg 1964-2000 |
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22.07.2008, 10:33
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#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
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| Jaja, moderne Zeiten auch bei Monarchens...
VG
Christian |
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