G/GESCHICHTE August 2017

Die Etrusker – Italiens geheimnisvolles Volk

Liebe Leserin, lieber Leser,

Tänzer, Trinker, Liebende – die Grabfresken der Etrusker sprechen von Lebensfreude und Heiterkeit. Der etruskische Adel wusste das Dasein zu genießen: Aus Afrika kamen exotische Elfenbeinschnitzereien und Straußeneier, aus Attika exquisite Vasen mit Bildern homerischer Helden und Götter. Von den Griechen Süditaliens übernahmen die Etrusker auch die Freude am Sport, doch deren restriktive Einstellung zu den Frauen blieb ihnen fremd. Zum Entsetzen griechischer Chronisten führten die Frauen in Etrurien ein emanzipiertes und freizügiges Leben.

Der Reichtum kam mit dem Handel. Die Etrusker waren die größten Eisenproduzenten ihrer Zeit, zudem exportierten sie die drei Grundnahrungsmittel der Antike: Getreide, Olivenöl und Wein. Das Handelsnetz reichte von der Rhonemündung bis zur Küste Karthagos. Wer aber schuftete in den Weinbergen, wer schwitzte an den Hochöfen von Populonia? Waren es Sklaven oder Arbeiter, die den luxuriösen Lebensstil des Adels ermöglichten? Über diesen Aspekt können die Forscher nur spekulieren.

Ein kleines „Dorf“ am Rande Etruriens wurde zum Schicksal der Etrusker: Nachdem die Römer das Joch der etruskischen Könige abgeworfen hatten, entwickelte die junge Republik am Tiber einen ungewöhnlichen Machthunger. 396 v. Chr. eroberten die Römer die mächtige Stadt Veji, weitere folgten bald. In den Tagen Cäsars waren alle Stadtstaaten Etruriens schon lange im Römischen Reich aufgegangen. Doch der religiöse Einfluss dieses Volkes blieb: Es war ein etruskischer Seher, der Julius Cäsar vor den Iden des März und dem Messer des Brutus warnte.

Ihre
Klaus Hillingmeier, Christian Pantle
Chefredakteure

Themen dieser Ausgabe

Der Tod und die Tänzer
Spurensuche in Tarquinia mit dem Etruskologen Stephan Steingräber

Kamen sie aus dem Orient?
Theorien zur Herkunft

Eisen und Urnen
Villanova: Das Fundament für die Zivilisation Etruriens

Wirtschaftswunder vor 2800 Jahren
Eine industrielle Revolution bringt Luxus. Zumindest für den Adel

Antike Völkerverständigung
Wie Griechen und Etrusker sich gegenseitig beeinflussten

Die dritte Seemacht
Gegen Griechen und Karthager: Der große Streit ums Mittelmeer

Pioniere der Schifffahrt
Die Skipperin Julia Cornelissen erklärt, wozu die Etrusker das Focksegel erfanden

Auf das Wohl von Fufluns
Der Weinanbau hat den Etruskern einiges zu verdanken

„Wein war das Alltagsgetränk“
Der Geschichtsprofessor Werner Tietz über Wein in der Antike

Riskante Spiele
Warum die Etrusker Sport liebten – und es dabei rau zuging

Feierfreudig und trinkfest
Etruriens emanzipierte Frauen

Alles hat seinen Platz
Götter und die Kunst der Seher

Am Ort der Toten das Leben feiern
Gräber als Spiegel des gesellschaftlichen Wandels

Romulus’ Erbe
Wie die Etrusker Rom prägten. Eine Spurensuche vor Ort

Ein Volk verglimmt
Der übermächtige Schatten Roms

Ausstellungstipp Schweiz: Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen
Der Archäologe Werner Rutishauser über die Etrusker-Ausstellung „Antike Hochkultur im Schatten Roms“

Weitere Themen

Blickpunkt
Prohibition in Amerika – Wie Gangster zu Helden wurden

Neue Serie: „Tiere schreiben Geschichte“
Der Wal – Schon Albrecht Dürer fuhr zum Whale Watching

Geschichte im Alltag
Trinkwasser – Feuchter Luxus

Porträt
Dmitri Schostakowitsch – Musik am Abgrund