G/GESCHICHTE Spezial

Juden in Europa – 2000 Jahre zwischen Tradition und Aufbruch

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Nach Wahrheit forschen, Schönes lieben, Gutes wollen, das Beste tun. Das ist die Bestimmung des Menschen.« Für den Idealisten Moses Mendelssohn war das Streben nach Erkenntnis ein Gebot Gottes (siehe Beitrag ab Seite 28). Der jüdische Aufklärer stand in einer großen Tradition. Bereits im frühen Mittelalter blühte vor allem in den rheinischen Bischofsstädten Worms, Mainz und Speyer das jüdische Geistesleben.

Eine Heimat fand das jüdische Leben in den Schtetlech, den Städtchen Osteuropas. Wenn auch weit entfernt von einer Idylle, war hier das Leben geordnet: Den Mittelpunkt bildete die Synagoge, der Sabbat krönte die Woche und die jüdischen Festtage verliehen dem Jahr seinen Glanz. Diese Welt ging unter mit der Schoa, dem Völkermord an den europäischen Juden. Für den Historiker Götz Aly lagen die Ursachen in einem tief verwurzelten deutschen Antisemitismus.

Seit November 1938 sei ein »Teil von mir, ein Teil meiner Koffer immer noch auf der Flucht«, resümiert Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, die nur dank des außergewöhnlichen Einsatzes einer ehemaligen Hausangestellten ihres Onkels den Holocaust überlebt hat. Warum trotz der dunklen Vergangenheit ausgerechnet Berlin auf junge Israelis eine enorme Anziehungskraft ausübt, erfahren Sie von unserem Autor Tobias Sauer.

 

Ihr, Euer
Klaus Hillingmeier,
Chefredakteur

Themen dieser Ausgabe

Jerusalem am Rhein
Spuren mittelalterlicher Gelehrsamkeit in Worms

Sepharden
Auf der Iberischen Halbinsel erlebt das Judentum eine Blüte

Im Schtetl
Jüdisches Leben im Städtchen

Prager Cyborg
Der Mythos vom Golem

Auf dem Land
Wie die Synagoge ins Dorf kam

Moses Mendelssohn
Aufklärer und Prophet der Hoffnung

Es begann mit einem Kramladen
Wie Mayer Amschel Rothschild den Grundstein für eine Bankerdynastie legte

„Die geistreichste Frau des Universums“
Rahel Varnhagen von Ense

Berlins neue Synagoge
Mix aus Tradition und Moderne

Obsessiver Eigenbrödler
Paul Ehrlich

Wenn Gerüchte töten
Pogrome im Zarenreich

Golda Meir
Sie wusste, wofür sie kämpfte

Zur Not ohne den Messias
Theodor Herzl und die Anfänge des Zionismus

„Der Feind steht rechts“
Attentat auf Walter Rathenau

Konferenz der Völkermörder
Was geschah am Berliner Wannsee?

„Die Leute wurden in den Strudel des Bösen gezogen“
Interview mit dem Historiker Götz Aly

Retter aus Berlin
Otto Weidt riskierte sein Leben für seine jüdischen Angestellten

Ein Münchner Leben
Charlotte Knobloch

Zeitrangig
Wie eine jüdische Gemeinde den Sabbat feiert

„Ausgerechnet Berlin“
Ein junger Israeli zieht in die deutsche Hauptstadt