test
« zurück
Mexiko

Wettlauf gegen den Bauboom

Mexikanische Archäologen führen einen aufreibenden Kampf: Bauarbeiten auf der Halbinsel Yucatán bedrohen ihre Arbeit. Dadurch könnten viele bisher unentdeckte Maya-Funde verloren gehen.

Chichén Itzá

Die Ruinen von Chichén Itzá gehören zu den archäologischen Hotspots auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Andere Fundorte bekommen jedoch weniger Aufmerksamkeit. | © Istockphoto.com/Mlenny

Die Nachrichtenagentur „Associated Press“ berichtet von einem regelrechten Bauboom auf der mexikanischen Halbinsel. Vororte der Stadt Mérida würden um rund sieben Prozent jährlich wachsen. Vor allem Ruheständler aus den USA scheint es in die Region zu ziehen. Die Halbinsel ist jedoch eine archäologische Fundgrube. So gibt es bisher etwa 3 500 bekannte Orte, an denen sich Spuren der Maya, die früher hier siedelten, finden lassen. Berühmt ist Yucatán vor allem für seine großen Maya-Ruinen wie Chichén Itzá. Mehr als zwei Millionen Touristen besuchten 2014 die Stätte.

Auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen

Wird ein neues Bauprojekt geplant, bleibt den Archäologen nur wenig Zeit, das Gelände zu untersuchen und Funde zu sichern. Oft müssen sie sich sogar auf Bürger verlassen, um von einem Bauprojekt zu erfahren, denn nicht immer werden diese offiziell bekannt gegeben.

Wie wichtig die archäologische Untersuchung der Grundstücke ist, zeigen unerwartete Funde, die unter dem Druck des Booms ans Licht kamen. Eine ummauerte Mayasiedlung mit megalithischen Steinen wurde etwa im Dezember 2015 in den Bergen Nord-Yucatáns gefunden. Pläne für den Bau von Windrädern beschleunigten den Entdeckungsprozess.

Von einer eiligen „Rettung“ hat auch das Verständnis der Maya-Achitektur profitiert. Die Entdeckung runder, rechteckiger und quadratischer Häuser in den Außenbezirken von Mérida bewies, dass die als typisch geltenden ovalen Häuser der Maya später entstanden sein müssen. Ein ovaler Grundriss, erklärt Luis Pantoja, Archäologe am Nationalen Institut für Antropoligie und Geschichte (INAH) gegenüber „Associated Press“, steigere vermutlich den Luftstrom durch die Häuser. In heißen Gebieten ein echter Vorteil.

Joshua Stein

Zuletzt geändert: 08.04.2016