G/GESCHICHTE Juli 2010

Chinas Erster Kaiser – Der Drache erwacht

Liebe Leserinnen und Leser!

„Lasst den Drachen schlafen, denn wenn er erwacht, wird er den Erdkreis erschüttern!“, Immer wieder wird dieses Zitat Napoleons bemüht, wenn es gilt, vor der neuen Weltmacht China zu warnen, die sich aufmacht, die USA als globale Führungsnation abzulösen. Und tatsächlich gleicht die Wirtschaft Chinas seit der Liberalisierung des Handels einem erwachenden Drachen, der nach tausendjährigem Schlaf einen unersättlichen Hunger hat. Ehrgeizige Projekte wie die Weltausstellung oder die Staudämme des Jangtse zeugen von dem Willen Chinas, der Welt seine neugewonnene Stärke zu demonstrieren.

Man fühlt sich an die Tage des Ersten Kaisers Qin Shihuangdi erinnert, der ebenfalls mit gigantischen Großprojekten vom Straßenbau bis zur Errichtung der Großen Mauer das Land in einem rasanten Tempo veränderte. Auch damals schien nichts unmöglich zu sein, auch damals konnte sich kein anderes Land mit dem Reich der Mitte messen. Zum ersten Mal war der mächtige Drache erwacht. Doch Macht alleine – wirtschaftlich, politisch oder militärisch – reicht nicht aus, um einen Staat wirklich bedeutend werden zu lassen. Jede Nation braucht Ideale und Visionen, um auf Dauer bestehen zu können.

Zwei Philosophen haben China über Jahrtausende geprägt, Laozi und Konfuzius, ihre zwei Prinzipien beseelten lange das Reich der Mitte: Die Suche nach göttlicher Harmonie im Einklang mit der Natur sowie das Streben nach Menschlichkeit als die höchste aller Tugenden.

Im Gegensatz zu unseren bestialischen Lindwürmern verfügen Chinas Drachen über ein sanftes Wesen. Die Kaiser auf dem Drachenthron durften keine Waffen berühren, der freundliche Gelehrte galt in dieser verlorenen Welt immer mehr als der triumphierende General oder der erfolgreiche Händler.

Bei aller Fortschrittsgläubigkeit sollte das moderne China sich seiner kulturellen Wurzeln erinnern und erneut nach Menschlichkeit und Harmonie streben – sonst könnte das vielbeschworene „chinesische Jahrtausend“ zum Albtraum werden.

Ihr, Euer

Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur G/GESCHICHTE

 

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Chinas goldenes Erwachen
Die 7000 Tonsoldaten

Die Suche nach Unsterblichkeit
Kaiser Qin Shihuangdi fürchtete den Tod

Morgenröte am Gelben Fluss
Die Geburt der chinesischen Kultur

Ordnung im Geist
Konfuzius und Laozi suchen nach ewigen Wahrheiten

Chinas Erster Kaiser
Qin Shihuangdi

Unbesiegbar!
Die Qin-Armee

Der Wall des Drachen
Der Bau der ersten großen Mauer

Der Stoff aus dem Träume sind
Die Seidenstraße

Die heimliche Macht im Staat
Eunuchen für das Kaiserreich

Volk von Han
Die neue Dynastie

Der Rote Kaiser
Qin Shihuangdi als Maos Vorbild

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Eisenbahn in Deutschland

Serie, Rätsel der Geschichte
Roswell – Ein Ufo stürzt ab

Geschichte im Alltag
Der Fächer

Porträt
Hans Albers

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