G/GESCHICHTE Januar 2012

Friedrich der Große – Philosoph. Staatsmann. Hasardeur

Liebe Leserinnen und Leser!

Das Grab Friedrichs des Großen in Sanssouci erkennen Sie an den Kartoffeln, die auf der unauffälligen Steinplatte verteilt liegen. Bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten wünschen sich die Verantwortlichen wohl eher, dass die Besucher sie nicht dort platzieren würden. Aber viele Deutsche kennen ihn eben so, den volksnahen Friedrich, der mit einem Trick seinen Untertanen die Knolle näherbrachte. Friedrichs Arbeit am eigenen Image, die Anekdoten, die Bilder Adolph Menzels, sie haben gewirkt. Bis heute. Wer hätte gedacht, dass der „Alte Fritz“ zu seinem 300. Geburtstag so viel Aufmerksamkeit auslöst? Magazine, Bücher und Fernsehbeiträge, sie alle stellen die eine Frage: Wer war Friedrich wirklich? Wir stellen diese Frage nicht. Denn wir können sie nicht beantworten.

Wir würden zu sehr zwischen den Extremen pendeln: dem des ruhmsüchtigen Feldherrn und aufgeklärten Monarchen, ja, vielleicht sogar Philosophen, wie sich Friedrich selbst gern adelte. Wir brauchen da nur an sein berühmtes „Rendezvous mit dem Ruhm“ oder die Inszenierung der eigenen Beerdigung zu erinnern. Die Korrespondenzen des Königs sind der Beweis. Er selbst feilte an seinem Zunamen „der Große“ und bekam Hilfe von Voltaire und vom preußischen Volk. Auch die Presse nutzte er erfolgreich und publizierte beispielsweise während des Bayerischen Erbfolgekriegs in niederländischen Zeitungen. Keiner kann sagen, wer Friedrich wirklich war. Wir können nur versuchen, Ihnen den Preußenkönig näherzubringen: von seinem Leben erzählen, von seiner Todessehnsucht, von seiner Wut und von seinen Ängsten. Alles das, was einen Menschen eben ausmacht. Und wir können über sein Erbe berichten. Keine andere historische Persönlichkeit im deutschen Raum ist so häufig politisch instrumentalisiert worden. Positiv wie negativ. Vieles am „Fritz“ ist das, was die Zeit brachte, ohne sie existiert kein Blick auf den „Alten“. Auch 225 Jahre nach seinem Tod schafft er es zum großen Jubiläum, für Diskussionen zu sorgen – und wenn es nur um die Kartoffeln geht.

Wir wünschen große Unterhaltung.

Janina Lingenberg
Redakteurin G/GESCHICHTE

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Neues über den Alten
Bücher, Forschung, Nachfahren

Der Zorn des Vaters
Eine missglückte Flucht und die Hinrichtung

Rheinsberger Idyll
Friedvolle Kronprinzenjahre

Von der Mark zur Macht
Die Geschichte Preußens

Militärstaat Preußen
Disziplin und Gehorsam

Der Stier zieht Furchen
Die Schlesischen Kriege

Fridericus magnus
War Friedrich ein Großer?

Musiker, Autor, Philosoph
Friedenszeiten mit Tafelrunde und Flötenkonzert

Royale PR
Die Geschichte von dem Müller und dem König

Am Abgrund!
Der Siebenjährige Krieg

Das Erbe
Missbrauch und Instrumentalisierung

Heroisierung von Herrschaft
Der Historiker Bernd Sösemann über die Instrumentalisierung Friedrichs

Letzte Ruhe?
Umbettung des Preußen-Königs

Weitere Themen

Blickpunkt
Die Lust am Weltuntergang

Serie Monster und Fabelwesen
Die Sphinx

Geschichte im Alltag
Die Taschenlampe

Porträt
Muhammad Ali – „The Greatest“

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