G/GESCHICHTE August 2012

Sklaverei – Von der Antike bis zur Gegenwart

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, verfasst am 4. Juli 1776, beginnt mit einer wunderbaren Präambel: „Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.“ Wirklich „alle Menschen“?

Thomas Jefferson, der Vater dieses Textes, hielt Sklaven, genauso wie Benjamin Franklin, George Washington und zahlreiche andere Gründungsväter der USA. Ein ähnliches Phänomen im klassischen Athen: Die Politiker priesen den Wert der Demokratie und die Philosophen feierten die Schönheit und die Unsterblichkeit der menschlichen Seele, während sich in den Steinbrüchen und Silberminen Attikas ein Heer von Sklaven zu Tode schuftete. Ignoranz und Heuchelei waren stets treue Geschwister der Sklaverei. „Die Sklaverei setzen wir dem Tode gleich“, hieß es im römischen Recht. Und tatsächlich verlor ein Sklave in der Regel alles: seine Heimat, seine Familie, seine Freunde – selbst sein Körper war ganz und gar der Willkür seines Herren unterworfen. Das Gros der Prostituierten wurde genauso von Sklaven gestellt wie das Heer der Gladiatoren. Eigentlich hätte mit dem Untergang der antiken Welt auch die traurige Praxis der Sklaverei ein Ende finden müssen, teilen doch Christentum und Islam die Idee, dass der Mensch das erhabenste Geschöpf Gottes sei.

Doch das Gegenteil war der Fall: Jahrhundertelang zogen Sklavenkarawanen aus Afrika in die Metropolen der islamischen Welt zwischen Cordoba und Delhi; dann tauchten im 16. Jahrhundert die Schiffe der Europäer an den Küsten Westafrikas auf, um „Menschenmaterial“ für die Plantagen in der „Neuen Welt“ zu erwerben. Nur wenige Idealisten in Europa nahmen daran Anstoß, dass an Zucker und Baumwolle der Schweiß und das Blut der Sklaven klebten. Erst im 19. Jahrhundert sagten sich Großbritannien, Frankreich und Portugal vom System Sklaverei los – in den USA setzte erst der Bürgerkrieg einen Schlussstrich. Trotzdem existiert Sklaverei immer noch – schätzungsweise 27 Millionen Menschen sind davon betroffen. In der Dritten Welt, aber auch hier in Europa. Wir dürfen dies nicht ignorieren!

 

Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Der schwarze Napoleon
François-Dominique Toussaint befreit Haiti

Sklavenschicksale
Die Menschen hinter den Zahlen

Lehrer, Huren, Gladiatoren
Attische Freiheit, römischer Luxus und elende Geschöpfe

Eunuchen fürs Kalifenreich
Sklaverei im Orient

Schwarzes Elfenbein
Wie der afrikanische Kontinent zur Hölle wurde

Dreieck des Todes
Der transatlantische Sklaven- und Warenhandel war ein Geschäft ohne jeden Skrupel

Der hartnäckige Mr Wilberforce
Ein Dandy und sein Einsatz für die Menschlichkeit

Sklaverei in den USA
Blutige Baumwolle

Musik mit Seele
Gospel, Blues, Jazz

Befreit Sie!
Die gefährliche Flucht in den Norden

Onkel Toms Hütte
Kleiner Bilderbogen des bewegenden Romans

Free at last?
Der kühne Traum des Martin Luther King

Human Trafficking
Unmenschlichkeit und Sklaverei im 21. Jahrhundert

 

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Blickpunkt
Feiern unterm freien Himmel – Eine Kulturgeschichte des Festivals

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Porträt
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