G/GESCHICHTE Oktober 2012

Die Könige von Amerika – US-Präsidenten von Washington bis Obama

Liebe Leserinnen und Leser!

Bei Beiträgen, die sich mit Amt oder Person des US-Präsidenten beschäftigen, taucht gewöhnlich irgendwann einmal das Klischee vom „mächtigsten Mann der Welt“ auf. Dieses Prädikat hätte allerdings die Gründerväter der Vereinigten Staaten mit absolutem Horror erfüllt. Sie hatten den Kampf gegen die britische „Tyrannei“ – mochte diese im 18. Jahrhundert auch eine der mildesten Formen von Oberherrschaft gewesen sein – nicht deshalb geführt, um sich einem hausgemachten „Tyrannen“ zu unterwerfen!

Gut, so viel Macht, um seine Aufgaben als Chef der Exekutive zu erfüllen und die Interessen der USA nach außen zu vertreten, benötigte der Präsident schon. Die Verfassungsväter sorgten aber dafür, dass diese Macht einem ausgeklügelten System von Kontrollen und Gegengewichten („checks and balances“) unterworfen wurde. Und so erlebt die Welt immer wieder das verblüffende Schauspiel, dass zentrale Anliegen des „mächtigsten Mannes der Welt“ von einem widerspenstigen Kongress oder dem Obersten Gerichtshof abgeschmettert werden. Man kann die Geschichte der USA durchaus als Abfolge jener Konflikte sehen, mit denen die drei Gewalten – Präsident, Kongress, Gericht – um die Führung kämpften. Die Präsidenten waren nicht immer die Sieger.

Beruht der Machtanspruch des Mannes im Weißen Haus aber auf seiner Funktion als Oberbefehlshaber der schlagkräftigsten Streitmacht der Welt? Tatsächlich hat die jüngere Geschichte gezeigt, dass ein US-Präsident diese gewaltige Kriegsmaschinerie höchst eigenmächtig und nur von einer kleinen Clique unterstützt gegen wahre oder vermeintliche Feinde der USA loslassen kann – ganz ähnlich wie die absolutistischen Herrscher, gegen die die Vordenker der Republik so mächtig die Stimmen erhoben hatten. Nur muss sich auch der eigenwilligste Präsident spätestens nach vier Jahren dem Votum der Wähler stellen, und einzig dieses Votum verleiht dem „ersten Bürger“ der USA seine Legitimation.

Es ist dieses demokratische Mandat, das die Macht des US-Präsidenten begründet. Sie steht damit hoch über jener, welche Diktatoren, gleich welcher Couleur, in Anspruch nehmen. In dieser, und nur in dieser Hinsicht, hat tatsächlich der „mächtigste Mann der Welt“ seinen Amtssitz in Washington, DC.

 

Ihr, Euer
Dr. Franz Metzger
Herausgeber

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Nixon vs. Kennedy
Duell ums Weiße Haus

Der Erste
George Washington

Der Präsident und die Verfassung
König ohne Krone?

Generation Gründerväter
Die Präsidenten 2 bis 6

Volkskönig und Indianerfeind
Andrew Jackson

Risse in der Union
Der Weg in den Bürgerkrieg

Retter der Union, Zerstörer des Südens?
Abraham Lincoln, Inbegriff des amerikanischen Traums

Neubeginn
Die Präsidenten 17 bis 25

Washington, DC
Machtzentrum vom Reißbrett

Der Macho im Weißen Haus
Theodore Roosevelt

Professor, Kriegspräsident, Begründer des Völkerbundes
Woodrow Wilson

Der Krisenmanager
Franklin Delano Roosevelt

Ein Mann, ein Mythos
John F. Kennedy

Diagnose Vietnam-Syndrom
Die Präsidenten 36 bis 39

Mission Zukunft
Auf der Suche nach dem Image

Obama oder Romney
Wie wählt Amerika 2012?

 

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Blickpunkt
Liebe zu verkaufen – Die Geschichte der Prostitution

Serie ‒ Rätsel der Deutschen Geschichte
Barbarossa – Tod im Saleph

Geschichte im Alltag
Der Spiegel

Porträt
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