G/GESCHICHTE Dezember 2012

Die Zaren – Glanz und Intrigen an Russlands Zarenhof

Liebe Leserinnen und Leser!

Da wollen wir ganz ehrlich sein: Russlands Geschichte hat es in sich. Nicht, dass andere Länder nicht auch etwas zu bieten hätten, aber wie sich dort die einzelnen Herrscher systematisch Macht aneigneten oder gezwungen wurden, diese wieder herzugeben: Kein Romanautor oder Filmemacher hätte sich das besser ausdenken können. Mord, Intrigen, Eifersucht und Liebschaften – von allem ist etwas dabei. Und immer verwoben sich die Machtspiele im Moskauer Kreml oder in St. Petersburg mit den Geschehnissen in der Mitte Europas – sei es während des Nordischen Kriegs oder zur Zeit des französischen Kaisers Napoleon.

Aber auch der Blick nach Osten ließ bei dem einen oder anderen Zaren Großmachtsträume aufflackern. Es gelang ihnen, die Grenzen über Sibirien hinaus auszuweiten und die einst unbesiegbare Goldene Horde zu beerben. Russland wuchs zu einem Riesen heran. Schließlich bedeutete dies eine Absolutheit im Denken der Zaren: Nur er hat zu bestimmen, über alles und jeden. Nur er besitzt die Entscheidungsgewalt. Er weiß, was gut und richtig ist. Unbeirrbar. Unbelehrbar. Völlig abgeschottet von den Belangen des Volks. Dabei litten die Bauern, Bürger und später auch die Arbeiter unter der starren Autorität. Wenn ein Regent sich zu Reformen durchrang, so konnte die Feigheit der Nachfolger das Pendel wieder zurückschlagen lassen. Ein ewiges Trauma, von dem sich die Russen schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur mit Gewalt befreien zu können glaubten.

Freiheit gab es aber dennoch nicht. Ging es ein paar Schritte voran, ging es auch ein paar wieder zurück. War dieses Reich mit seinen vielen Ethnien und der grenzenlosen Weite tatsächlich nur von einem autokratischen Herrscher zu disziplinieren, wie es Katharina die Große erkannt haben soll? Das Volk braucht also die Knute? Auch heute noch? Das dürfte zu diskutieren sein. Vor allem »Sowjet-Historiker« besaßen ein Interesse an der angeblichen Notwendigkeit der Zarenpeitsche. Das nachfolgende System hat nun den Ruf der Herrscherinnen oder die Lobpreisungen Peters des Großen neu zu bewerten – frei von filmreifen Szenen über Liebe und Tod, Krieg und Frieden. Dafür muss man die russische Geschichte detailliert kennen. Wir laden Sie dazu ein, sich in diesen Legenden und Wahrheiten zu verlieren. Gute Unterhaltung!

 

Ihre
Janina Lingenberg
Redakteurin

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Iwan „der Schreckliche“
Wie grausam war der erste Zar wirklich?

Moskau
„Das dritte Rom“

Smuta
Hochstapler auf dem Thron

St. Petersburg
Hauptstadt aus den Sümpfen

Endloses Sibirien
Heimat der Verbannten 

Damen mit Machtinstinkt
Die Zarinnen und Russlands „Dunkelste Epoche“ 

Katharina die Große
Die Putschistin 

Pugatschow erhebt sich
Rebellion der Kosaken

Glaube, Kirche, Tradition
Blick in die „russische Seele“ 

Alexander I.
Der Zar, der Napoleon besiegte

Die Herrschaft Nikolaus‘ I.
Stillstand ist der Tod

Der Kreml
Alles Gold, was glänzt!

Nikolaus II.
Der letzte Zar 

Düsterer Magier
Rasputin 

Im Interview
Anne Gellinek, Leiterin des ZDF-Studios Moskau

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Das Geheimnis der frühen Kelten-Städte

Serie ‒ Rätsel der Deutschen Geschichte
Wie die Stasi den Kanzlersturz verhinderte

Geschichte im Alltag
Der Adventskalender

Porträt
Charlie Chaplin – Der große Komiker

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