G/GESCHICHTE April 2013

Alexander der Große – Der Mann, der Gott
sein wollte

Liebe Leserinnen und Leser!

„Alexander starb, Alexander ward begraben, Alexander verwandelte sich in Staub.“ Hat Shakespeare recht? Alexander nur eine Erinnerung? Was ist geblieben von dem Mann, der auszog, die Welt zu erobern und ein Gott zu werden?

Das Alexanderreich gleicht einer historischen Supernova – alles überstrahlend und zugleich todgeweiht. Wie im Sturm war Alexander über Asien hinweg gefegt, hatte in seiner göttlichen Unrast die Männer bis an die äußersten Grenzen der damaligen Welt gejagt. Doch sein Leichnam hatte noch nicht die letzte Ruhestätte gefunden, als schon der Kampf um die Nachfolge entbrannte. Seine Generäle zerfetzen mit der Wildheit von Hyänen das Erbe und beendeten Alexanders politische Vision von einem Weltreich zwischen Nil und Indus.

Alexanders kühner Traum einer Synthese von Orient und Okzident jedoch überlebte. Hellas Kultur strahlte bis zum Hindukusch, wo die Künstler des Reichs von Gandhara in ihren Skulpturen buddhistische Strenge mit den antiken Schönheitsidealen verschmolzen. Und als Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Kanishka I., der machtvolle Kaiser der Kuschan-Dynastie, in Purushapura (heute Peschawar) regierte, ließ er Münzen mit der griechischen Inschrift prägen: basileus basileon – König der Könige.

In Kleinasien und Syrien erblühten Metropolen wie Pergamon, Antiochia oder Apameia, in denen sich Griechenland der Welt öffnete und den Dialog mit den alten Kulturen des Orients suchte.

Seine größten Triumphe feierte der Hellenismus allerdings in Alexandria. Die Metropole in Ägypten war eine Mischung aus New York und Silicon Valley. Griechen, Perser, Juden und Armenier lebten hier zusammen und die Bibliothek von Alexandria archivierte das Wissen von Jahrtausenden. Weitgehend frei von religiösen Dogmen oder politischen Repressalien konnte dort geforscht werden. Hier wurde das Prinzip der Dampfkraft entdeckt, die Kugelgestalt der Erde bewiesen und gezeigt, dass Wasser nach oben fließen kann. Die Gegenwart begann in Alexandria. Alexander war kein Gott, vielleicht sogar weniger Held, als wir gerne glauben möchten. Doch in seinem kurzen Leben verwandelte er die Welt und ebnete den Weg für das moderne Denken. Von wegen begraben und Staub: „Der große Alexander lebt!“

Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur
G/GESCHICHTE

 

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Zwölf Altäre
Meuterei am Ende der Welt

Psychogramm Pothos
Alexanders Streben nach Unsterblichkeit

Die Sonne Makedoniens geht auf
Der unaufhaltsame Aufstieg Philipps II.

Rache!
Der Feldzug gegen die Perser

Bilder einer Ausstellung
Alexander der Große im Lokschuppen Rosenheim

Psychogramm Eros
Alexander und die Liebe

Einmal Indien und zurück
Phase Zwei des Alexanderfeldzugs

Psychogramm Zorn
Dunkle Seiten einer Lichtgestalt

Neunzig Hochzeiten und ein Todesfall
Die letzten Tage Alexanders

Made in Hellas
Wie der Hellenismus zum Exportschlager wurde

Bis zur Unsterblichkeit und noch viel weiter
Legenden und Märchen um Alexander den Großen

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Psychoanalyse – Freud und die Folgen

NEUE SERIE! Die Weltwunder
Wie aus einem Bauwerk ein Weltwunder wird

Geschichte im Alltag
Der Spielwürfel – Karriere zwischen Kinderzimmer und Casino

Porträt
Giovanni Boccaccio und die Lust am Leben

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