G/GESCHICHTE Dezember 2013

Himmel, Hölle und Nirwana –
Die Geschichte des Jenseits

Liebe Leserinnen und Leser!

Sind Himmel und Hölle eigentlich ein Thema für ein Geschichtsmagazin? Denn eine Antwort auf die Frage, was nach dem Tod kommt, darf man von Historikern nicht erwarten. Sie können nur aufzeichnen, welche Bilder sich die Menschen über die Jahrtausende vom Jenseits gemacht haben und wie diese Vorstellungen die Geschichte veränderten. In Ägypten war das Leben nach dem Tod eine Fortführung der irdischen Existenz, während nach der Auffassung der Griechen auf die Menschen das düstere Schattenreich des Hades wartete. Und im heroischen Weltbild der Wikinger strahlte Walhall. Ein Abbild der Männerfantasien mit waffenklirrenden Tagen und mettrunkenen Nächten. Doch man musste im Kampf fallen, um in Odins himmlische Halle zu kommen. Eine Vorstellung, die sicherlich die Kampfeslust mancher Krieger beflügelte. Den friedlichen Kontrast dazu bildet das Judentum mit der Idee eines Jenseits als himmlische Talmudschule, in der Gott der Lehrer ist. Ausgesprochen sinnlich präsentiert sich der islamische Himmel: Ein immergrünes Paradies großäugiger Schönheiten und des Weins. Vielleicht auf den ersten Blick ein eher naives Heilsversprechen – aber bis heute ein recht überzeugendes Argument bei der Missionierung.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts schilderte der florentinische Dichter Dante seine Reise durch Hölle, Fegefeuer und Himmel in so bewegenden Bildern, dass tatsächlich einige seiner Zeitgenossen glaubten, er hätte sie wirklich angetreten.

Anders als Himmel und Hölle war das Fegefeuer damals eine junge theologische Lehre: 1254 wurde das Purgatorium zum ersten Mal in einem päpstlichen Dokument erwähnt, 20 Jahre später erhob das Konzil von Lyon die Existenz des Fegefeuers zur kirchlichen Lehre. Die Vorstellung, dass man die „Armen Seelen“ durch Ablässe erlösen könne, brachte der Kirche neuen Einfluss und lukrative Einkünfte, provozierte aber auch heftige Kritik. Bereits im 14. Jahrhundert verdammte der englische Reformator John Wyclif diese Praxis, Jan Hus und Luther schlossen sich später dieser Meinung an. Glaubenskriege und Reformation waren die Folge. Bis heute trennen die Flammen des Fegefeuers die Kirchen. Protestanten, Anglikaner, aber auch die meisten Orthodoxen negieren seine Existenz, während die Katechismen der römischen Kurie weiterhin davon predigen.

 

Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Dantes Divina Commedia
Eisige Höllen und feurige Himmel

Dreimal Unterwelt
Jenseitsvorstellungen von der Steinzeit bis zu den Germanen

Im Alten Ägypten
Der Tod ist erst der Anfang

Also sprach Zarathustra
Duell zwischen Gut und Böse

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Wie die griechische Philosophie und das Judentum den Glauben der Christen beeinflussten

Antike Mysterienkulte
Ausstellung im Badischen Landesmuseum

Im Garten der Lüste
Hieronymus Boschs Bildgewalt 

Was kommt nach dem Tod?
Das glauben die Deutschen

Blicke in die Ewigkeit
Weltreligionen im Vergleich

Alles Kharma
Darauf hoffen Buddhisten

Fiesta auf dem Friedhof
Mexiko feiert seine Toten

Immerwährende Glückseligkeit
Muslime und ihre Jenseitsvorstellungen

Kamikaze, Assassinen und Selbstmordattentäter
Der Glaube als Waffe

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Die Gebrüder Wright – Zwei Luftfahrtpioniere

Serie Die Weltwunder
Die Felsenstadt Petra – Metropole an der Weihrauchstraße

Geschichte im Alltag
Feuerwerk – Wenn der Himmel in Flammen aufgeht

Porträt
David Ben-Gurion – Der einsame Streiter

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