G/GESCHICHTE August 2013

Victorias Empire – Englands glorreiches Jahrhundert

Liebe Leserinnen und Leser!

Zu den ewigen Streitpunkten der Geschichtswissenschaft gehört die Frage, wem der Beiname „der“ oder „die Große“ zuzugestehen sei. Kaum Kontroversen gibt es dagegen bei jenen wenigen Persönlichkeiten, nach denen ganze Epochen benannt wurden. Hier ist bereits die Namensverleihung Ausdruck eines weit gespannten Konsenses. Was muss nun aber beispielsweise ein gekröntes Haupt leisten, damit es zum Namenspatronen seiner Zeit wird? Die Länge der Regierungszeit allein ist es nicht; viel wichtiger ist, dass der- oder diejenige nicht nur das öffentliche Schaubild einer Zeit bleibt, sondern sie tatsächlich verkörpert. Dass der kleingewachsenen Victoria dies so perfekt gelang, als das britische Empire seine größte Ausdehnung erreichte, mag als feine Ironie der Geschichte erscheinen.

Aber das „Understatement“ gehörte schon immer zum britischen Wesen; viel entscheidender war, dass Victoria in Vielem so dachte und fühlte wie ihre Untertanen – sei es als Ehefrau oder Mutter, sei es in sozialen Fragen, sei es in der selbstbewussten bis rücksichtslosen Außenpolitik. In allen diesen Fragen stellte sich Victoria auf die Seite der bürgerlichen Mittelschicht und scheute auch nicht vor Konflikten mit den alten Eliten zurück. Die Königin vertrat die Ansichten der Mehrheit ihrer Nation. Und sie tat es aus echter Überzeugung, nicht aus politischem Kalkül, wie es ihre große und ebenfalls Epoche machende Vorgängerin Elisabeth getan hatte.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Großbritannien und seine Königin zusehends zur Einheit. Sie blühten zusammen auf, trauerten zusammen, triumphierten zusammen. Sie wurden freilich auch zusammen alt. Als Victoria nach 60 Jahren Herrschaft dem Alter und den Krankheiten Tribut zollen musste, war auch Englands politische Kraft angeschlagen, und so hofften mehr und mehr Untertanen der ‚“diamantenen Königin“ auf neue Kraft durch einen Neubeginn.

Ohne diese 63 gemeinsamen Jahre wären Britannien und sein Empire nicht das geworden, was sie am Anfang des 20. Jahrhunderts waren. Wieweit die folgenden Geschichte vom langen Schatten der kleinen, großen Königin geprägt wurde, das ist wiederum Vorlage für eine andere Diskussion, zu der unser Epochenbild ebenfalls seinen Beitrag liefern mag.

 

Ihr
Dr. Franz Metzger
Chefredakteur

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Jubeljahr 1897
Ein Imperium feiert seine Königin

Die Hannoveraner
Chaos-Dynastie auf dem englischen Thron

Victoria & Albert
Das königliche Dreamteam

Im Glashaus
Die erste Weltausstellung im Kristallpalast

Isambard Kingdom Brunel
Ingenieur mit Visionen

Hunger
Irland gleitet in die Katastrophe

Gladstone und Disraeli
Dandy vs. Puritaner

Indien
Juwel der Krone

London
Moloch an der Themse

Jack the Ripper
Serienmord im East End

Große Erwartung
Der viktorianische Roman

Charles Darwin
Der fromme Ketzer

Nichts als Ärger mit Bertie
Skandale rund um das Königshaus

Abgesang
Das Empire in der Krise

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Die Deutschen und der Islam

Serie Die Weltwunder
Die hängenden Gärten von Babylon

Geschichte im Alltag
Reiseführer

Porträt
König Ludwig XI. – Schöpfer des modernen Frankreich

 

 

 

 

 

 

 

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