G/GESCHICHTE April 2014

Das Konstanzer Konzil. Ketzer, Kaiser, Päpste

Liebe Leserinnen und Leser!

Es war die größte Krise der abendländischen Kirche, als es 1378 plötzlich zwei Päpste gab: einen in Rom, den anderen in Avignon. Und nicht nur die Kirche war gespalten, der Riss ging durch das gesamte Abendland: Das Römisch-Deutsche Reich erkannte den römischen Papst an, ebenso die Königreiche England, Portugal, Norwegen und Schweden. Frankreich hingegen stand hinter Avignon, genauso wie Schottland und die spanischen Königreiche Aragon und Kastilien. Aber zwei Stellvertreter Christi konnte es nicht geben! Das Papsttum hatte seine Autorität verloren. Kein Wunder, dass in den Jahren des Schismas zum ersten Mal die Meinung geäußert wurde, dass kein Papst für die gesamte Christenheit sprechen dürfe. Nicht ein Mensch, sondern einzig die Heilige Schrift sei für den Christen verbindlich. Der Mann, er so radikal dachte, hieß John Wyclif. Die Traktate des Oxforder Theologen fanden ihren Weg nach Mitteleuropa und beeinflussten Jan Hus und später Martin Luther.

Anfang des 15. Jahrhunderts war dann die Welt vollends aus den Fugen. Statt das Abendländische Schisma zwischen Rom und Avignon aufzuheben, präsentierte das Konzil von Pisa 1409 einen dritten Papst – aus der „verruchten Zweiheit“ war eine „verfluchte Dreiheit“ geworden. Gleichzeitig gewann in Böhmen Hus mit seiner flammenden Papstkritik immer mehr Anhänger. Dass die Katholische Kirche diese Krise nicht nur überlebte, sondern gestärkt aus ihr hervorging, hatte sie keinem Kleriker zu verdanken, sondern einem weltlichen Herrscher: Sigismund.

Der römisch-deutsche König war der Pate des Konzils zu Konstanz. Mit diplomatischem Geschick gelang es ihm, alle drei Päpste an den Bodensee zu bringen. Jeder von ihnen hoffte darauf, als alleiniger Papst aus dem Konzil hervorzugehen – doch am Ende waren alle drei Verlierer. Die Gewinner hießen Martin V. und Rom, das nach Jahrzehnten der Verwahrlosung wieder zum Zentrum der Christenheit aufstieg. Auch in den folgenden Jahrhunderten erwiesen sich Konzile als Erfolgskonzept: Im Trienter Konzil (1545 – 1563) gelang es, die katholische Kirche aus dem Mittelalter zu führen, und das II. Vatikanum (1962 – 1965) versöhnte Rom mit der Moderne. Zu den Konzilsvätern des II. Vatikanischen Konzils zählte auch der deutsche Theologe Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., dessen Biografie jetzt als E-Book erschienenist. Lesenswert!

 

Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur

Haupt-Themen dieser Ausgabe

Das Konzil von Pisa
Drei Päpste

Avignon
Kirche als Spielball Frankreichs

Ludwig der Bayer
Exkommuniziert und doch zum Kaiser gekrönt

Ausstellung
„Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser“

Katharina von Siena
Eine Frau liest dem Klerus die Leviten

Der Pate von Konstanz
König Sigismund

Ende der Spaltung
Wie die Kirche in Konstanz das Schisma überwand

Halleluja am Bodensee
Papst Martin V. soll das Schisma überwinden

Jan Hus
Warum endete der böhmische Theologe auf dem Scheiterhaufen?

Hundertjähriger Krieg
Während Konstanz tagt, kämpfen Engländer und Franzosen

Redliche Diener
Der Aufstieg der Hohenzollern

Alltag in der Konzilsstadt
Leben mit dem Event

Kunst um 1400
Die Künstlerfamilie der Parler

Oswald von Wolkenstein
Poet und Politiker

Aufbruch in den Humanismus
Konstanz und seine Folgen

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Der Eurovision Song Contest – Singen für Europa

Serie – G/Geschichte ermittelt
Verres und der sizilianische Kunstraub

Geschichte im Alltag
Der Zollstock

Porträt
William Shakespeare. Die ganze Welt ist seine Bühne

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