G/GESCHICHTE Januar 2014

Mythos „Blitzkrieg“

Liebe Leserinnen und Leser!

Verdun ist gefallen! Am 15. Juni 1940 gab das Oberkommando der Wehrmacht diese Nachricht bekannt. Dort, wo im Ersten Weltkrieg monatelang Deutsche und Franzosen erbittert gekämpft hatten, war den Truppen der Wehrmacht ein schneller Sieg gelungen. Zu diesem Zeitpunkt war für die Franzosen der Krieg schon verloren, eine Woche später unterzeichnete Frankreich den Waffenstillstand in Compiègne. In gut sechs Wochen war es den Deutschen gelungen, die Briten und Franzosen zu schlagen. Der Mythos vom „Blitzkrieg“ war geboren. Wie war das möglich? In Ausrüstung und Truppenstärke waren sich die Gegner durchaus ebenbürtig. Was die Alliierten von den Deutschen aber unterschied, war ihr strategisches Denken. Die Franzosen dachten noch in den Kategorien des Ersten Weltkrieges und setzten auf Defensive. Statt sich auf einen Bewegungskrieg vorzubereiten, verschanzten sie sich hinter der Maginot- Linie – Männer und Material festgefroren. Und auch die militärischen Konzepte der Briten waren veraltet. Statt ihre Panzerverbände als mobile Angriffsspitzen einzusetzen, sollten die Tanks die Infanterie unterstützen. Dabei war ausgerechnet der britische Militärexperte Basil Liddell Hart einer der Vordenker des modernen Bewegungskrieges. In London blieben Liddell Harts Ideen unbeachtet, während die Generäle in Berlin seine Bücher intensiv studierten.

Der größte Fehler der Alliierten aber war, den Aufstieg Deutschlands zur militärischen Großmacht nicht zeitig zu verhindern. Im Gegenteil: Durch das deutsch-britische Flottenabkommen von 1935 hatte Großbritannien selber die restriktiven Rüstungsbegrenzungen des Versailler Vertrages außer Kraft gesetzt und NS-Deutschland den Aufbau einer schlagkräftigen Flotte gestattet. Als dann im März 1936 die Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland einmarschierte und damit die vitalen Sicherheitsinteressen Frankreichs verletzte, blieb eine drastische Reaktion von Seiten Paris’ aus. Hitler-Deutschland steuerte auf Kriegskurs, während die Alliierten vom „Frieden für unsere Zeit“ träumten.

Selbst der Überfall auf Polen riss die Westmächte nicht aus ihrer gefährlichen Lethargie. Statt die Offensive zu suchen, wählte man den „Sitzkrieg“. Dabei war die Wehrmacht 1939 auf einen Zweifrontenkrieg nicht vorbereitet. Die Niederlage 1940 sollte die brutale Quittung für diesen strategischen Kardinalfehler sein.   Ihr, Euer Dr. Klaus Hillingmeier Chefredakteur

Schwerpunkt dieser Ausgabe

1000 kleine Schiffe
Das „Wunder“ von Dünkirchen

Nazi-Deutschland geht auf Kriegskurs
Der Anfang der Katastrophe

Das Scheitern der Friedfertigen
Warum die Appeasement-Politik die falsche Antwort war

Der Überfall auf Polen
„Warschau kämpft. Warschau wehrt sich“

Sterben für Danzig?
Geschichte einer „Freien“ Stadt

Gnadenlos
Der Vernichtungskrieg gegen die polnische Bevölkerung

Aktion Sühnezeichen
Warum Versöhnungsarbeit heute noch wichtig ist

Der Hitler-Stalin-Pakt
Allianz der Diktatoren

Wettlauf nach Narvik
Der Zweite Weltkrieg in Skandinavien

Betonierter Wahnsinn
Die Maginot-Linie

Der Westfeldzug 1940
Panzer, Stukas, motorisierte Einheiten

Das Ende von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
Pétains Vichy-Regime

Alleine gegen Hitler
Großbritanniens größte Stunde

Der Feldzug auf dem Balkan
Schützenhilfe für Mussolini

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Detroit – Von der Auto- zur Geisterstadt

Serie – Die Weltwunder
Der Tempel von Ephesos

Geschichte im Alltag
Der Turnschuh – Lifestyle aus Leder
Porträt
Paul Cézanne – Romantiker, Realist, Impressionist

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