G/GESCHICHTE Mai 2016

Burgen – Symbole der Macht, Orte der Sehnsucht

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Orte der Wunder erscheinen die Burgen in den populären Artusromanen des Mittelalters. Zum Personal zählen nicht nur Könige, Ritter und Jungfrauen, sondern da springen zuweilen auch Zwerge aus den Pasteten oder Riesen fordern zum Zweikampf heraus. Eine Burg ist literarische Bühne für die geheimnisvolle Fee Melusine und den leidenden Gralskönig Anfortas. Selbstverständlich ist jedes Essen ein Festgelage, jedes Turnier glänzend und jede Liebe ein äußerst erregendes Abenteuer irgendwo zwischen Liebesgärtlein und Kemenate.

Diese Flucht in eine fantastische Gegenwelt hatte gute Gründe, denn in der Realität war das Leben auf einer Burg meistens alles andere glamourös. Die Räume feucht und dunkel, die Mahlzeiten bestanden zu oft aus schleimigem Brei und das größte Abenteuer, das die Betten boten, war der Kampf gegen das Heer der Wanzen. Eine Burg war ein „Multifunktionsbau“: Neben Wohnräumen schützten ihre Mauern auch Vorratsräume, Viehställe und Werk­stätten. Und sie war ein steinerner Anspruch auf Macht.

Wer eine Burg beherrschte, kontrollierte auch das umliegende Territorium. Als der Trierer Erzbischof Balduin – mehr Krieger als Kleriker – im frühen 14. Jahrhundert seine Machtsphäre ausdehnen wollte, galt es, die Burgen seiner Widersacher „zu knacken“. Neben Bliden, gigantischen Steinkatapulten, setzte er dabei eine völlig neue Waffe ein: Feuertöpfe, die ersten europäischen Geschütze, in denen Schwarzpulver gezündet wurde. Noch waren diese primitiven Kanonen alles andere als zuverlässig. Doch mit jeder neuen Generation Artillerie wurde die Burg mehr und mehr ein militärisches Auslaufmodell.

Ihr, Euer
Klaus Hillingmeier,
Chefredakteur

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Oswald von Wolkenstein
Nichts als Ärger mit dem Erbe

Ursprünge
Holz gegen Horden

Wenn Steine sprechen
Burgen in ihrem geografischen Kontext

Glossar
Von Abort bis Zugbrücke

Guédelon
Bauen wie im Mittelalter

Jenseits von Camelot
Alltag auf der Burg

Essen und Trinken
Murmeltier al dente

„Burgen sind Teil unseres historischen Erbes“
Interview mit Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Entertainer des Mittelalters
Minne als Kontrastprogramm

Walther von der Vogelweide
Ein Leben voller Entbehrungen

Katapulte und Mienen
Sturm auf die Burg

Prunkbauten
Von der Burg zum Schloss

Wiederentdeckt
Burgenträume im 19. Jahrhundert

G für Kids
Wenn ich groß bin, werde ich Ritter

Zum Gruseln
Warum spukt es auf so vielen Burgen?

Ausflugstipps
Einfach mal hinfahren

 

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