G/GESCHICHTE Februar 2017

Mythos Berge – Wie Pioniere die Gipfel der Welt eroberten

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum steigen Menschen auf Berge? Für den Dichter Petrarca war die Antwort einfach: um das Wunder der göttlichen Schöpfung von oben betrachten zu können. 1336 hatte der Italiener den Mont Ventoux in der Provence bestiegen und diese Erfahrung in einem Brief seinem Freund geschildert. Das Mittelalter sah in den Bergen ungezähmte Natur, eine Heimat teuflischer Dämonen. Doch der Renaissancemensch Petrarca ist nicht nur von der wilden Schönheit des Mont Ventoux fasziniert, sondern erkennt auch, dass eine Begegnung mit einem Berg Menschen verändert.

„Wo Mensch und Berg sich begegnen, ereignen sich große Dinge, die sich im Gedränge der Straßen nicht verwirklichen lassen,“ wird später der romantische Dichter William Blake schreiben. Egal, ob Edmund Hillary oder Reinhold Messner, es sind außergewöhnliche Menschen, die sich mit den Bergen messen. Und sie kehren oft mit dem Willen vom Gipfel zurück, die Welt „da unten“ zu verbessern. Hillary baut Schulen und Krankenhäuser für die Sherpas, Messner eröffnet Museen, die für ein ökologisches Umdenken werben.

Doch Berge können auch ungemein grausam sein. Die Eiger-Nordwand ist eine Todesfalle, die keinen Fehler verzeiht, und auch den Versuch, die Rocky Mountains zu überqueren, bezahlten viele Pioniere im 19. Jahrhundert mit ihrem Leben. Vielleicht sollte man der Weisheit der australischen Aborigines folgen und die Berge ihren angestammten Bewohnern überlassen: den Göttern und den Ahnen.

Ihr
Klaus Hillingmeier,
Chefredakteur

Themen dieser Ausgabe

Tenzing Norgay
Als Erster auf dem Mount Everest

Reinhold Messners Erbe
Die Messner-Mountain-Museen und ihr Einsatz für die Bergvölker

Vergessene Himalayastürmer
Die Forschungsexpedition der Brüder Schlagintweit

Fakten & Zahlen
Alpines Wissen für Flachlandtiroler

Der Berg ruft
Wie Hütten und Wegweiser in die Alpen kamen

Trittsicher durch Steinbockblut
Tierische Bergbewohner und die Jagd nach magischen Kräften

Leben mit der Angst
Wie Bergler mit der ständigen Gefahr von Lawinen umgehen

Eiger-„M“ordwand
Die ersten Versuche, die steilste Nordwand der Alpen zu bezwingen

G/GESCHICHTE für Kinder
Heidis heile Bergwelt

Der Bergonkel
Luis Trenkers bunte Karriere

Herr Wolf im Schafspelz
Wieso Hitler den Obersalzberg zum „Führersperrgebiet“ machte

Auf dem Oregon-Trail
Der harte Weg der Siedlertrecks über die Rocky Mountains

72 Tage auf 4000 Metern
Absturz in den Anden

Felskirche in Äthiopien
Versetzt Glaube Berge?

Uluru: Schatten in der Wüste
Warum den Ureinwohnern Australiens der Ayers Rock heilig ist

 

Weitere Themen

Blickpunkt
Vom „Knochenschüttler“ zum Statussymbol – 200 Jahre Fahrrad

Neue Serie: „Menschen und Gärten“
Claude Monets Farbenparadies  – Der Garten Giverny

Geschichte im Alltag
Der Stinkefinger – Uralte Geste mit eindeutiger Botschaft

Porträt
Umberto Eco – Italiens großer Querdenker