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Götz von Berlichingen

Für jede Fehde zu haben

Der stolze Burgenbesitzer Götz von Berlichingen war bekannt für seine derbe Ausdrucksweise. Der Raubritter blieb in Erinnerung, auch weil er einen Spruch prägte, der fast jedem schonmal auf der Zunge lag.

Götz von Berlichingen

Ritter mit der eisernen Hand: Götz von Berlichingen | © Istockphoto.com/ZU_09

Er war für jede Fehde und jeden Kampf zu haben. Eher rastlos als heldenhaft stürzte der Reichsritter von einem Krawall zum nächsten – oft mit verbotenen Methoden und weniger, um andere zu verteidigen, als um seinen Platz in einer Welt zu behaupten, in der Ritter zum Auslaufmodell geworden waren. Seine selbstgewählte Rolle als Raubritter brachte Götz Beschäftigung, Beute – und jede Menge Ärger.

Götz schließt sich einem Raubritter an

„Händel, Kriege und Fehden“ habe er viele geführt, diktierte der alternde Kämpe zwei Jahre vor seinem Tod am 23. Juli 1562 in die Feder des Pfarrers, der seine Lebensgeschichte aufschrieb. Gerne habe er nicht gewütet, behauptet er da. Es ist unklar, ob das stimmt. Auf jeden Fall war Götz (Gottfried), geboren 1480 im schwäbisch-fränkischen Reichsgebiet, ein freier Ritter aus Leidenschaft. Er verstand es als Affront, dass das Fehdewesen im Reich 1495 mit dem Ewigen Landfrieden abgeschafft wurde. Götz hielt das alte Privileg des Adels hoch, Streitigkeiten selbst zu regeln – so war er erzogen worden.
Seine Laufbahn als „Kriegs- und Reitersmann“ begann mit 17, als Knappe am Hof des Markgrafen von Ansbach zog er erstmals in den Krieg. Der Spross derer von Berlichingen kämpfte tapfer in Burgund, Lothringen und Brabant, hatte aber  bald genug von seinem Dienstherren. Der junge Reichsritter wurde rebellisch und schloss sich dem berüchtigtsten Raubritter der Gegend an: Hans Talacker von Massenbach, der sich mit Wegelagern und Ausrauben verdingte. Dieses wilde Leben beeindruckte den 20-jährigen Adelsspross, doch die Verwandtschaft pfiff ihn zurück. Wieder beim Markgrafen führte Götz 1502 seine erste – verbotene – Fehde gegen die Stadt Nürnberg. Aufstrebende Städter waren ein rotes Tuch für Neuzeit-Ritter, genau wie die neuen Friedensregeln und Waffen, gegen die sie keine Chance hatten. Eine solche Waffe war es auch, die Götz’ Leben im bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg für immer zeichnen sollte.

Ritter mit der eisernen Hand

In der Schlacht vor Landshut, im Sommer 1504, zerriss eine Kanone seine rechte Hand. Die Amputation brachte Höllenschmerzen und war extrem riskant, aber der junge von Berlichingen war ein zäher Bursche. Als die Wunde verheilt war, ließ er sich von einem Dorfschmied eine eiserne Prothese anfertigen – ein mechanisches Meisterwerk mit beweglichen Fingergliedern sowie Sperrmechanismus, der es ermöglichte, weiterhin ein Schwert zu führen. Die Kriegerkarriere konnte weitergehen, fortan war er bekannt als „Ritter mit der eisernen Hand“.
Nach Landshut begann das Leben, das Götz den Ruf des „Raubritters“ einbrachte. Er spezialisierte sich auf Fehden, mal im Auftrag für »Freunde«, mal wegen eigener Streitereien, mal ging es um einen erschlagenen Knecht, mal um Geld. Von Berlichingen entführte, plünderte, raubte – wie einst sein Vorbild Talacker. Rund 30 Fehden focht er, die größten gegen Köln, Bamberg, Nürnberg und den Schwäbischen Bund, ein Fürstenbündnis, das den Landfrieden verteidigen sollte. Götz’ Geschäft ging gut – bis er 1512 bei Forchheim 95 Kaufleute überfiel. Kaiser Maximilian war stocksauer und verhängte die Reichsacht. Da der Geächtete jedoch munter weitermachte, landete er für drei Jahre in Haft – bis Freunde ein Lösegeld von 2000 Gulden zahlten und Götz die „Urfehde“ schwor, also gelobte, nie mehr unrechtmäßig zu kämpfen – Wort hielt er nicht.

„Er soldt mich hinden leckhen“

Zunächst zog sich der Raufbold auf seine neu erworbene Burg Hornberg zurück, aber 1525 tauchte er im Bauernkrieg auf – wie viele andere Ritter auf der Seite der Rebellen. Als Hauptmann des Odenwälder Haufens führte Götz die Bauern gegen den Schwäbischen Bund. Zwar distanzierte er sich später davon – er sei gezwungen worden und habe nur eine schlimmere Eskalation verhindern wollen – aber das nahm ihm nicht jeder ab. Der Fürstenbund brachte den Rebellen erneut hinter Gitter. 1530 kam er gegen Geld frei. Die Auflage: Hausarrest.
Jetzt ließ es der 50-jährige zehnfache Vater ruhiger angehen. Er zog nur noch in den Krieg, als Kaiser Karl V. den alten Haudegen rehabilitierte und mit ihm gegen die Türken (1542) und Franzosen (1544) zog. Danach war Götz bis zu seinem Tod Ritter im Ruhestand. Nicht nur seine eiserne Hand ließ ihn in die Legende eingehen, sondern auch der „schwäbische Gruß“ an einen Mainzer Amtmann: „Er soldt mich hinden leckhenn.“

Frauke Scholl

Dieser Artikel erschien in G/GESCHICHTE 5/2015 „Raubritter“

Zuletzt geändert: 24.3.2016