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Der Reiz des hohen Nordens

Deutsche Auswanderer in Kanada

Vor allem günstiges Farmland lockte deutsche Siedler im 19. Jahrhundert nach Kanada. Wen heute das Heimweh packt, findet die passende Medizin in einem kleinen Familienladen in Winnipeg.

Für deutsche Auswanderer ist Kanada ein beliebtes Ziel. Bildnachweis: istockphoto.com/Royden Juriansz

 

„Einhundert Gramm Leberkäse bitte. Darf es sonst noch etwas sein? Danke, das war alles!“. Ein typisches Gespräch in einer deutschen Metzgerei möchte man meinen. Doch diese Konversation findet auf der anderen Seite der Welt statt, nämlich in Kanada. In einem kleinen Familienladen in Winnipeg fühlt man sich sofort wieder nach Deutschland versetzt: Es gibt Milka-Schokolade, Haribo-Gummibärchen, Knorr-Fix-Fertiggerichte, Weißwürste, Dr.-Oetker-Produkte und natürlich die Bild-Zeitung. Zogen in den vergangenen Jahrhunderten immer mehr Deutsche in die Vereinigten Staaten von Amerika, so galt dies auch für den Nachbarn. Noch heute findet man im ganzen Land deutsche Läden. Familiennamen, Ortsnamen, Überreste der Sprache und selbstverständlich deutsches Bier trifft man genauso an.

Für deutsche Auswanderer ist Kanada weiter ein beliebtes Ziel. Das Land der weiten Prärien, der glasklaren Seen und großen Wäldern reizte die Deutschen schon immer. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit als Einwanderungsland: die deutlich einfacheren Einreiseformalitäten, als zum Beispiel in den USA.

Die Einwanderung ist in einem klaren Programm festgelegt. Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, haben natürlich bessere Chancen. Im Moment werden vor allem in der IT-Branche Arbeitskräfte gesucht. Je nach Lage des kanadischen Arbeitsmarktes werden an die Bewerber Punkte vergeben. Was vor allem zählt sind Sprachkenntnisse, Ausbildung und Berufserfahrung. Nach drei Jahren als so genannter „Permanent Resident“ kann man einen Einbürgerungsantrag stellen. Sollte man keine Staatsbürgerschaft beantragen, muss ein Arbeitnehmer für die Zeit in Kanada Nachweise wie etwa einen Arbeitsvertrag oder eine Heiratsurkunde vorweisen. Ansonsten kann es auch in Kanada passieren, dass man in seine alte Heimat zurückgeschickt wird.

 

Vor allem niedrige Landpreise lockten Deutsche nach Kanada

Breits 1711 kamen die ersten deutschen Söldner auf der Suche nach Arbeit in das Land. Sie kämpften hauptsächlich für die Engländer einige auch für die Franzosen in deren Kolonialarmeen. 1745 entstand die erste deutsche Siedlung namens Waldbourg, welche von den deutschen Soldaten und ihren Familien bewohnt wurde. Heute existiert diese allerdings nicht mehr. Die meisten deutschen Gruppen zog es im Laufe der Zeit immer weiter nach Westen. 1784 begann die Ansiedlung im heutigen Ontario und in Teilen des heutigen Manitoba. Auch wenn die meisten deutschen Auswanderer in die USA zogen, viele andere, hauptsächlich Bauern, Handwerker und Kaufleute fanden im heutigen Kanada eine neue Heimat. Sie bewahrten, so weit es ging, ihre kulturelle Identität und zum Teil auch ihre Sprache.

In den 1870er Jahren lockten vor allem die niedrigen Landpreise Deutsche aus den in den Norden Amerikas. 65 Hektar Land kosteten nur 10 Dollar. Hunderttausende reisten daher in die kanadische Prärie, genauer gesagt in das Gebiet rund um Winnipeg, in der Provinz Manitoba. Noch heute deuten deutsche Ortsnamen wie Steinbach oder Altona auf diese Vergangenheit hin. Rund ein Fünftel der heutigen Einwohner sollen deutsche Vorfahren haben. Ähnlich wie in den USA veränderte der Erste Weltkrieg die Situation der Deutschstämmigen auch in Kanada maßgeblich. Ortsnamen wurden in englische umgeändert und auch die Nachnamen anglisiert: Aus Schmidt wurde Smith, aus Müller wurde Miller, aus Burckhardt wurde Burke. Auch deutsch wurde immer weniger gesprochen.
Thomas Heigl

 

 

 

 

 

Zuletzt geändert: 11.06.2015

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