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Weihnachten bei den Windsors

Klobrille unterm Christbaum

Bei den Windsors wird Weihnachten nach deutschen Traditionen und streng nach Zeitplan gefeiert. Dafür, dass die Feier nicht zu steif wird, sorgen die Geschenke – es landen auch schon mal eine Klobrille oder Unterwäsche auf dem royalen Gabentisch.

Während es langsam Zeit wird, sich von Schnee und Winterwetter zu verabschieden, beginnt im Buckingham Palace gerade die Weihnachtsvorbereitung. Pünktlich im März werden die etwa 550 Angestellten der Königsfamilie gefragt, was sie sich von ihrem Arbeitgeber dieses Jahr zum Weihnachtsfest wünschen.

Wer gerade vor Neid erblasst und sich in Gedanken schon mit teurem Schmuck oder edlem Kunsthandwerk sieht, liegt allerdings falsch: Den Mitarbeitern ist ein Preislimit von nur etwa 40 Euro gesetzt. Zudem verschenkt die Queen mit Vorliebe „Christmas Pudding“ (eine Art dampfgegarter Kuchen aus Rum, Trockenfrüchten und Fett).

Im Juni dann, wenn es gerade erst so richtig Sommer wird, schickt die Königin die persönlichen Einladungen, für ein Weihnachtsfest im Kreise der Familie, ab. Im Spätsommer folgt dann ein weitaus größerer Schreibaufwand: Knapp 1000 Grußkarten für wichtige Persönlichkeiten im Land müssen signiert werden.

Deutsche Traditionen im britischen Königshaus

Bei den britischen Royals läuft rund ums Weihnachtsfest alles ein wenig früher ab als im Rest des Landes. Statt wie in England üblich am ersten Weihnachtstag, feiert die königliche Familie schon an Heiligabend unter einem sechs Meter hohen, reich geschmückten Christbaum auf ihrem Landsitz Sandringham House.

Sowohl das Datum als auch der Baum sind Traditionen aus Deutschland und gehen auf die deutschstämmigen Vorfahren der Windsors zurück. Der Christbaumschmuck soll angeblich noch jener sein, den bereits Königin Victoria an die Tanne hängte.

Zum Weihnachtsfest ist wirklich nur der engste Familienkreis aus etwa 30 Personen geladen. Die wechselnden Freundinnen von Prinz Harry und sogar die Ex-Frau von Prinz Andrew erhalten keine Einladung.

Ein strenges Protokoll: Umziehen, umziehen und umziehen

Obwohl es also eine recht intime Familienfeier ist, geht es zunächst recht förmlich zu: Die Anreise ist strikt geplant – einer nach dem anderen kommt (nach Rang getaktet) am 24. Dezember auf dem Landsitz Sandringham an. Pünktlich um 17 Uhr gibt es einen Empfang mit Sandwiches, Gebäck und Tee.

Im Laufe der nächsten Tage wird sich zu verschiedenen Programmpunkten dem Anlass entsprechend bis zu fünfmal umgezogen. Es stehen ein Jagdausflug, ein Dinner in Abendgarderobe und der Besuch der Weihnachtsmesse an. Dort landen drei säuberlich gebügelte Geldscheine in der Kollekte. Prince Charles sowie seine Eltern spenden angeblich jeweils zehn Pfund.

Ein buntes Potpourri aus Scherzartikeln

Auch bei den Geschenken ist Sparsamkeit angesagt – nur etwa 50 Euro dürfen ausgegeben werden. Traditionell wird das Budget in Scherzartikel investiert. So soll in den vergangenen Jahren schon das ein oder andere Geschenk für Erheiterung gesorgt haben.

Das Buch „Alles, was sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ von dem deutschen Adeligen und Journalisten Alexander Graf von Schönburg-Glauchau nennt beispielsweise eine Duschhaube, die Prinz Harry seiner Großmutter Queen Elisabeth geschenkt haben soll. Auf der Kopfbedeckung war angeblich der eher unfeine Spruch „Life´s a bitch“ (dt. „Das Leben ist eine Schl****“) zu lesen.

Außerdem sollen schon eine mit Leder überzogene Klobrille in den Besitz ihres Sohnes Charles und ein Badeanzug, der aus nicht viel mehr als einem String bestand, an Prinz Andrew übergegangen sein. Selbst die Queen bewies Humor als sie ihrer Schwester Margaret ein Kissen mit der Aufschrift „Es ist nicht einfach, eine Prinzessin zu sein“ schenkte.

Auch Kate Middleton hat angeblich schon an dieser Tradition teilgenommen und ihrem Schwager Harry mit einem Augenzwinkern ein Freundin-zum-Selbermachen-Set überreicht. Demzufolge wurde sie anscheinend, was diesen Brauch betrifft, von ihrem Mann vorgewarnt – ganz im Gegensatz zu ihrer verstorbenen Schwiegermutter Diana.

Diana trat in ein Fettnäpfchen

Der ehemaligen Ehefrau von Prinz Charles soll niemand die Geschenkgepflogenheiten erklärt haben. An ihrem ersten Weihnachtsfest mit den Royals verschenkte sie deshalb teure Cashmirpulllis. Dieser Fauxpas sorgte, glaubt man diversen Berichten, allerdings auch für allgemeine Erheiterung.

Trotz des strengen Protokolls beweisen die Windsors an Weihnachten also durchaus Humor – auch wenn er in diesem Fall wohl auf etwas Schadenfreude gründete.

Später lernte Diana angeblich aus ihrem Fehler: Man munkelt, sie habe ihrem Gatten dann Socken mit einem Mickey-Maus-Print überreicht. Neben solchen Anekdoten ist das Weihnachtsfest der Windsors aber vor allem für eins dienlich: die Gerüchteküche. Denn wer war denn schon selbst dabei?

Katharina Behmer

Zuletzt geändert: 15.03.2016