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Verheizt in der Arena

Tiere als Gladiatoren

In Rom gab es keine Zoos, aber einige reiche Römer hielten sich exotische Haustiere wie Affen oder Leoparden. Die ganz große Tier-Show erlebten die Römer jedoch bei den Zirkusspielen in den Arenen.

Gladiatoren mit einem Tiger

Exotische Tiere bekamen die Römer vor allem bei den Gladiatorenkämpfen zu sehen. | © istockphoto/Renphoto

 

Zahlreiche Text- und Bildquellen, aber auch archäozoologische Untersuchungen knöcherner Überreste belegen, dass eine unglaubliche Vielfalt an Tieren in den römischen Zirkusarenen gestorben ist. Die erste Präsentation tierischer Exoten dürfte bereits 275 v. Chr. stattgefunden haben. Damals wurden vier Elefanten, die Kriegsbeute waren, durch die Arena in Rom geführt. 251 v. Chr., so berichtet uns Polybius, seien gar 142 Dickhäuter durch den Circus Maximus getrampelt. In den Arenen, die Schauplätze von Tod und Gemetzel waren, zählten jedoch eher Tiere, die große Zähne und/oder scharfe Klauen hatten.

Nach allem, was wir heute wissen, wurden erstmals bei den Spielen des M. Fulvius Nobilor im Jahr 186 v. Chr. exotische Raubtiere in die Arena geführt. Noch blieb es bei der bloßen Tierschau, denn allein die Präsentation von Löwen oder Panthern erregte großes Aufsehen. Doch bei den sensationshungrigen Römern konnte das nicht lange so bleiben. Sie forderten mehr Action – und bekamen sie. Denn schon bald darauf machte man Jagd auf die Exoten – die „venationes“, die Tierhetzen waren geboren. 169 v. Chr. ließen die Ädilen Cornelius Nasica und P. Lentulus 63 afrikanische Raubkatzen, 40 Bären und einige Elefanten in der Arena hinschlachten.

Die Tiere kamen aus allen Teilen des römischen Reiches

Die Raubtiere wurden aber auch gegeneinander gehetzt. Dabei versuchten die Veranstalter der Spiele, sich gegenseitig zu überbieten. Die tierischen Todeskandidaten mussten mehr werden, ausgefallener und gefährlicher. Keines der Tiere überlebte dieses perverse Treiben. Pompejus (*106, +48 v. Chr.) überraschte die Besucher, als er neben 600 Löwen und einigen Elefanten auch ein Nashorn in den aussichtslosen Kampf schickte. Von überall her aus dem römischen Reich wurden außergewöhnliche Tiere geholt und in der Arena „verheizt“. Man kann an den getöteten Exoten regelrecht die Ausbreitung des römischen Imperiums ablesen. Ob aus dem Nahen Osten, aus Afrika, Indien oder Germanien, kein Teil des Reichs wurde ausgelassen.

Da kämpften Löwen aus Syrien gegen Elefanten aus Indien oder Afrika, Krokodile und  Flusspferde aus Ägypten trafen auf afrikanische Strauße oder Antilopen, afrikanische Leoparden wurden von Bären aus Britannien zerrissen, mauretanische Löwen jagten äthiopische Affen, Tiger aus Armenien zerfleischten afrikanische Wildesel und Zebras, hungrige Hyänen wurden auf afrikanische Giraffen, germanische Bisons und Eber gehetzt. Hunderte, ja Tausende von Auerochsen, Elchen, Gazellen, Gnus, Hirschen, Hunden, Kamelen, Luchsen, Pferden, Tigern, Wildeseln, ja selbst Hasen fanden ihr Ende unter den Jubelrufen der blutgierigen Römer.

Auch Menschen kämpften gegen Tiere

Und mitten drin immer wieder auch Menschen. Ließ Nero noch seine Elitekavalleristen gegen Hunderte von Bären und Löwen antreten, so dienten die exotischen Tiere bald auch als Hinrichtungsmittel. Die „bestiarii“ genannten menschlichen Opfer waren meist Kriegsgefangene, über die man die „damnatio ad bestias“ verhängt hatte. Unbewaffnet oder mit einfachen Mitteln ausgestattet, stellte man die Opfer ausgehungerten Raubtieren aller Art gegenüber. Ein aussichtsloser Kampf. Die Geschichte des Christentums liefert uns zahlreiche Beispiele für diese brutale Art der Hinrichtung.

Die unglaubliche Menge an getöteten Tieren hatte nicht nur zur Folge, dass Nachschub zunehmend teurer wurde, sondern so manche Tierart (etwa die Löwen in Thessalien) überstand die permanente Bejagung nicht und starb aus. Ein Ende der venationes war jedoch erst gegen Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. zu spüren. Moderne Formen wie Hahnenkämpfe und Ähnliches zeigen aber, dass wir Menschen leider noch immer Gefallen an den Qualen anderer Kreaturen empfinden. Die traurige Geschichte dieser Perversität ist also noch lange nicht zu Ende.

 

Klaus-Dieter Dollhopf

 

Zuletzt geändert: 02.06.2015

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