G/GESCHICHTE Spezial

Casanova – Spielsucht, Frauen und Gefängnis

Liebe Leserinnen und Leser!

„Da ich mich für das andere Geschlecht geboren fühlte, habe ich es stets geliebt.“ Als Verführer scheint uns Casanova vertraut, doch kennen wir ihn wirklich? Er war kein „Aufreißer“ oder Pick-up Artist, wie man die Spezies jagender Männer heute nennt. Er schätzte und respektierte die Frauen, gepflegte Konversation gehörte bei ihm zum Liebesspiel. Zu den vielen Schönheiten, die er bewunderte, zählte auch die 13-jährige Louise O’Murphy (Titelbild), die Geliebte des französischen Königs Ludwig XV. Doch in den Zeiten der Syphilis war Promiskuität ein riskantes Spiel: Wie viele seiner Zeitgenossen war auch Casanova Opfer dieser lebensbedrohenden Krankheit.

„Süß ist es, alles zu wissen.“ Seine außergewöhnlich Bildung und Intelligenz zogen die Menschen in den Bann des Venezianers: Theologie, Medizin, Chemie oder Hydraulik und Kryptologie – er konnte bei jedem Thema mitreden. Neben den berühmten Memoiren hinterließ uns Casanova auch eine Geschichte Polens und eine mathematische Abhandlung über das sogenannte delische Problem – die Verdopplung eines würfelförmigen Körpers.

„Wer das Leben nicht liebt, ist des Lebens nicht würdig!“ In der Freude am Diesseits ist Casanova ein Kind seiner galanten Epoche. Und Frauen waren nicht sein einziges Laster. Mindestens genauso liebte er exquisites Essen, Glücksspiel und mondäne Gesellschaften. Für meine Kollegin Sabine Anders, die für dieses Heft federführend war, ist aber ein anderer Aspekt von Casanova am faszinierendsten: „Seine instinktive, hartnäckige Überzeugung, dass für ihn immer alles gut enden würde.“ Vielleicht war dies das Geheimnis seines Erfolges.

Ihr, Euer

Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur

Themen dieser Ausgabe

Der Venezianer
Wie seine Heimatstadt Venedig Casanovas Lebensgefühl prägte

Lehrjahre einer Legende
Kindheit und Jugend

Die Jagd nach Geld
Casanova und das Glücksspiel

Die Flucht aus den Bleikammern
Beginn eines Mythos

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
Casanovas Haltung zur Aufklärung

Der rastlose Verführer
Die Frauen in seinem Leben

Gefahren der Promiskuität
Wie sich das galante Zeitalter vor der Syphilis schützte

In der High Society
Casanovas Begegnungen mit Päpsten, Königen, Voltaire und anderen Berühmtheiten

Im Bann der Dämonen
Casanova als Alchemist

Der Wissenschaftler
Casanovas Interesse für Medizin, Bergbau und Elektrizität

On the road again
Warum Casanova ständig auf Achse war

Inzest und Rauchverbot
Sechs unbekannte Seiten

Casanova als Spitzel
Seine Arbeit für die Staatsinquisition

Endstation Böhmen
Lebensabend als Bibliothekar

Die Memoiren
Aus Literatur wird Pornografie

Noch mehr Lust und Laster
Die geheimen Tagebücher von Weinsberg, Pepys und Boswell

Die große Leere
Casanova als Filmheld

Warum Casanova heute fasziniert
Der britische Schauspieler und Casanova-Biograf Ian Kelly im Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.