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Leipziger Montagsdemonstrationen

Marsch in die Freiheit

30 Jahre nach den Leipziger Montagsdemonstrationen blicken wichtige Protagonisten für G/GESCHICHTE auf die Ereignisse zurück.

In der Nacht des 9. November 1989 strömen die Menschen zur Berliner Mauer | ©istock/RolandBlunck

 

Wenn Siegbert Schefke darüber spricht, wie er am 9. Oktober 1989 die Stasi austrickste, ist ihm die Freude immer noch anzuhören. Weil ihn die Spitzelbehörde für einen der gefährlichsten Oppositionellen der DDR hielt, wurde er rund um die Uhr beschattet. Dennoch gelang es ihm an jenem Tag, aus seiner Berliner Wohnung zu entkommen: »Ich bin übers Dach ausgestiegen.

Dachluke auf, zehn Häuser vorgelaufen, da wieder runtergekommen, und da hat mich mein Freund Aram aufgesammelt, und dann sind wir nach Leipzig gefahren«, erinnert sich der heute 60-Jährige im Gespräch mit G/GESCHICHTE. Aram – das war der Fotograf Aram Radomski, mit dem er seit Jahren den tristen DDR-Alltag, die verfallenen Städte, die Umweltzerstörung dokumentierte. Die Filme übergaben sie Westjournalisten, die dafür sorgten, dass sie in Fernsehsendungen wie dem ARD-Magazin „Kontraste“ gezeigt wurden – und so auch Millionen DDR-Bürger erreichten.

An diesem ungemütlichen nieseligen Herbsttag wollten die beiden nach Leipzig, wo seit einigen Wochen jeden Montag um 17 Uhr demonstriert wurde. Sie wollten die Kundgebung filmen und ihr damit eine breite Öffentlichkeit verschaffen. Das war gefährlich, denn die Behörden hatten allen Fernsehteams verboten, in die Stadt zu kommen.

Von Friedensgebeten zu Demonstrationen

Die Montagsdemonstrationen hatten sich aus Friedensgebeten entwickelt, die 1981 in Dresden von dem evangelischen Pfarrer Christoph Wonneberger initiiert worden waren. Auf die Idee dazu kam er durch die politischen Nachtgebete, die 1968 in der Kölner Antoniterkirche ins Leben gerufen worden waren. „Damals ging es um den Vietnamkrieg, jetzt hatten wir die Hochrüstung in Mitteleuropa“, erzählt der heute 75-Jährige gegenüber G/GESCHICHTE. „Das habe ich dann ganz unverfänglich Friedensgebet genannt.“

Es hatte aber von Anfang an einen gesellschaftskritischen Charakter. Als Wonneberger 1985 in die Leipziger Lukasgemeinde wechselte, wurde er eingeladen, die Friedensgebete in der Nikolaikirche fortzusetzen. Dort waren die Räumlichkeiten aber nur am Montag frei. So fanden die Friedensgebete montags statt. „Am Anfang war das eine ganz kleine Gruppe“, sagt Wonneberger. „Und dann hat es sich entwickelt.“

 

Sie wollen wissen, wie der Artikel weitergeht? Lesen Sie die ganze Geschichte in der aktuellen Ausgabe: „Die Azteken“

Zuletzt geändert: 30.08.19