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Fast 2000 Jahre altes Bilsenkraut

Medizin oder Droge oder beides?

Berliner Archäologen haben einen antiken, mit Giftsamen gefüllten Knochen gefunden. Wozu dienten die Körner?

von Michael Feldhoff

Knochen als Pillendöschen. Davor die Bilsenkraut-Samen. | Bild: Biax Consult

Schwarzes Bilsenkraut hat man nicht unbedingt auf dem Radar, wenn es um halluzinogene Substanzen geht. Das Nachtschattengewächs, das auf lehmigen Böden an Straßenrändern und auf Schutthalden gedeiht, ist nur selten zu finden. Doch schon Hippokrates hat das Kraut vor 2400 Jahren als Heilmittel propagiert, besonders bei starker Erkältung. Die Blätter der Pflanze dienten als schmerzlindernder Umschlag auf Wunden, und im Mittelalter wurde das Kraut als Narkosemittel bei Operationen benutzt. Zuviel davon macht aus dem Medikament aber eine tödliche Substanz.

Schon im antiken Rom gab es Opium-Apotheken

Römische Apotheke. | Bild: Wikimedia

Forscher haben jetzt bei Grabungen in der antiken römischen Siedlung Houten-Castellum in den Niederlanden die Samen der Giftpflanze an einem überraschenden Ort gefunden: in einem ausgehöhlten Schaf- oder Ziegenknochen, der um 70 bis 100 n. Chr. mit einem Pfropfen verschlossen wurde. Das Archäologenteam um Maaike Groot von der Freien Universität Berlin fand keine Feuerspuren an dem Knochen. Dieser wurde also nicht als Pfeife benutzt, um den Inhalt zu rauchen – zumal jeder, der daran gezogen hätte, an einer Überdosis gestorben wäre. Vermutlich diente der Knochen als Pillendöschen zur Aufbewahrung der Samen. Aber sicher sind die Forscher nicht.

Vielleicht haben die Römer das Bilsenkraut wie Opium als Heilmittel und Droge benutzt. Schon um 300 v. Chr. gab es im antiken Rom knapp 800 Opium-Apotheken, die die Substanz als Medizin gegen Fieber, Schmerz und Husten verkauft haben. Babys wurde Opium als Schlummertrunk verabreicht. Übrigens: Bis 1516 haben es vielerorts Brauer ihrem Bier beigemischt, um es berauschender zu machen. Erst die Einführung des Reinheitsgebotes beendete die Panscherei.