test
« zurück
Bibelforschung

Als Juden und Christen die Zehn Gebote veränderten

Die Bibel zählt zehn Gebote. Der Theologe J. Cornelis de Vos ist der Ansicht, das war nicht immer so.

In Stein gemeißelt? Der Bibel zufolge empfing Mose von Gott persönlich die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten | © istockphoto.com/de/portfolio/gldburger

Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen: Der Bibel zufolge empfing Mose am Berg Sinai von Gott persönlich die Zehn Gebote – verbindlich und in Stein gemeißelt. Die Forschungen des Bibelwissenschaftlers J. Cornelis de Vos zeichnen nun ein anderes Bild: In seinem kürzlich erschienenen Buch „Rezeption und Wirkung des Dekalogs in jüdischen und christlichen Schriften bis 200 n. Chr.“ zeigt er, dass die Gebote bei Bedarf durchaus angepasst und erweitert wurden.

Die Zehn Gebote als Wertekanon

De Vos betont, es sei zwar kein Gebot über die Jahrhunderte je ausdrücklich abgelehnt worden. Die Menschen „schreckten aber auch nicht davor zurück, den Dekalog umzuformen und eigene Normen daran zu binden“, so de Vos. Als Beispiel nennt er die frühe Kirchenordnung Didache, die um das Jahr 100 das Verbot des Ehebruchs mit einem Zusatz ergänzte: „Du sollst nicht Knaben schänden.“ Das Beispiel verdeutliche, wie auf diese Weise die Zehn Gebote Werte der eigenen Kultur aufgriffen und aktuellen Entwicklungen Rechnung trugen.

De Vos Erkenntnisse sind nicht zuletzt deshalb von Interesse, weil zum ersten Mal alle antiken Texte zum Dekalog untersucht wurden. Für seine Studie analysierte der Bibelforscher die jüdischen und christlichen Quellen aus der Zeit von etwa 300 vor Christus bis 200 nach Christus, die sich auf die Zehn Gebote beziehen. Daneben untersuchte er zahlreiche weitere Quellen, wie etwa die Septuaginta, also die älteste Übersetzung der Hebräischen Bibel ins Griechische, den samaritanischen Pentateuch, Qumranschriften und das Neue Testament.

Sebastian Kirschner

Mehr zur Bibel und ihren Geheimnissen finden Sie in der Ausgabe 12/2011 von G/GESCHICHTE.

Zuletzt geändert: 15.11.2016