test
« zurück
Augustus' blutiger Putsch

Der Aufstieg des Octavian

Nach Cäsars Ermordung betritt Octavian die politische Bühne. Seine Gegner nehmen ihn nicht ernst. Eine Fehleinschätzung. Der Emporkömmling wird zeitweise zum meistgehassten Mann Italiens

Der Emporkömmling ist ehrgeizig, aber nach republikanischer Tradition anfangs zu jung für ein politisches Amt | © istockphoto.com/Jule_Berlin

 

von Christoph Driessen

Bildhauer haben grandiose dreidimensionale Porträts der großen römischen Politiker geschaffen. Richtig ausgeleuchtet, wirken diese Köpfe ungeheuer lebensecht. Wenn man sie lange genug anschaut, erinnern sie geradezu an Gesichter der Gegenwart. Haben die weichen Züge des Pompeius mit seinen etwas herabhängenden Augenlidern nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Klaus Wowereit? Und könnte Cicero mit seiner hohen, in Falten gelegten Denkerstirn nicht auch als Martin Walser durchgehen?

Das Volk, das sowieso nie mitbestimmen durfte, hat Cäsar geliebt

Dann aber: Octavian, besser bekannt als Kaiser Augustus. Das soll der Mann sein, der schaffte, woran Cäsar gescheitert war? Der sich das Imperium unterwarf, die Republik endgültig aushöhlte und – mit wachsender Zustimmung – 40 Jahre lang unangefochten regierte? Das ist doch ein Teenieschwarm, den man da sieht! Ein zarter Jüngling Typ Justin Bieber – aber doch kein skrupelloser Machtpolitiker, der über Leichen geht und alle anderen austrickst!

Die Skulpturen sind mit Sicherheit geschönt, und doch muss der junge Octavian mit seiner leicht gebogenen Nase so ähnlich ausgesehen haben. Das engelsgleiche Erscheinungsbild dürfte anfangs wesentlich dazu beigetragen haben, dass ihn seine wesentlich älteren Gegenspieler Mark Anton und Cicero unterschätzten. Als sie ihren Irrtum erkannten, war es zu spät.

Rom kurz nach der Ermordung Julius Cäsars: Es riecht nach Bürgerkrieg – Cäsarianer gegen Republikaner. Brutus, Cassius und die anderen Attentäter haben Cäsar aus dem Weg geräumt, um die Republik zu retten, wie sie sagen. Sie haben das Volk vom Diktator befreit. Aber die Freiheitsparolen verfehlen ihr Ziel, denn das Volk – das sowieso nie mitbestimmen durfte – hat Cäsar geliebt. Jetzt wissen die Attentäter nicht, was sie tun sollen.

Octavian verteilt fleißig Geld. Dafür plündert er die Kriegskasse

In dieser Lage scheint ein Mann alle Trümpfe in der Hand zu halten: Cäsars Vertrauter Mark Anton, ein bärenstarker, etwa 40 Jahre alter Heerführer und Polit-Veteran. Er ist der logische Nachfolger. Und er setzt nicht auf Krieg, sondern auf Konfliktentschärfung. Der Kompromiss: Straffreiheit für die Mörder und dafür kein Regimewechsel. Cäsars Verfügungen bleiben in Kraft. Rom atmet auf.

Nun aber schleicht sich ein neuer Spieler in die Stadt. Anfangs nimmt niemand von ihm Notiz. Er ist ein politischer Niemand, noch dazu ganz jung – gerade 18 Jahre alt. Vor den Toren Roms, an den Hängen der Albanerberge, ist er aufgewachsen. Sein Name: Octavian…

 

Sie wollen wissen, wie es weitergeht? Lesen Sie die ganze Geschichte in der aktuellen Ausgabe: „Roms Bürgerkrieg“

Zuletzt geändert: 16.8.2018