G/GESCHICHTE Oktober 2011

Ketzer im Mittelalter – Im tödlichen Griff der Inquisition

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Chronik des Christentums begann im Untergrund. Als verhasste Sekte wurden die Anhänger des Mannes aus Nazareth im Römischen Reich immer wieder gnadenlos verfolgt. Was die frühen Christen überleben ließ, war das Bewusstsein, im Besitz der göttlichen Offenbarung zu sein.

Doch gerade diese Idee einer absoluten Wahrheit birgt den Keim zu Dogmatismus und Intoleranz. Als im Mittelalter neue religiöse Bewegungen jenseits von Rom entstanden, reagierte die Kurie mit aller Härte und rief die Inquisition ins Leben. Waldenser, Katharer und Hussiten, wer sich nicht dem Glaubenskodex unterwarf, wurde verfolgt. Und als das Spanien der drei Weltreligionen mit dem Untergang Granadas Geschichte war, brannten dort Scheiterhaufen mit Tausenden von Menschen, denen man einzig vorwarf, verkappte Juden oder Mauren zu sein.

Selbst die Templer, Elite der christlichen Ritterschaft, waren nicht immun. Geschickt instrumentalisierte Frankreichs König Philipp der Schöne die Inquisition und ihre grausamen Instrumente, um den Orden in einem Schauprozess zu zerschlagen. Bis 1870 existierte die Römische Inquisition, aber schon lange wurden dort keine Menschen mehr verbrannt, sondern lediglich fleißig Bücher indiziert. Die katholische Kirche ist sich heute der Schuld und des Leids bewusst, das sie mit der Inquisition über die Welt gebracht hat. Besonders der Orden der Dominikaner, einst die Speerspitze im Kampf gegen die Ketzerei, nennt die Dinge beim Namen: „Wir empfinden dies als ein dunkles und bedrückendes Kapitel unserer Geschichte.“ Nun soll „eine umfassende Respektierung der Rechte aller Menschen“ gepredigt werden.

Worte, die Hoffnung machen könnten, doch leider ist Religionsfrieden bis heute ein äußerst gefährdetes Gut. Im Irak sind die Gemeinden der orientalischen Christen Opfer von Terror und Gewalt; in China landen Menschen aufgrund ihres unangepassten Glaubens  vor den Tribunalen der Macht. Immer noch schreinen wir nicht gelernt zu haben, dass eine Offenbarung, sei sie religiös oder politisch, niemals Gewalt legitimieren darf!

Ihr, Euer

Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur G/GESCHICHTE

 

Schwerpunkt dieser Ausgabe

Morden im Namen Gottes
Der tödliche Griff der Inquisition

Die Jungfrau muss brennen!
Der Tod der Jeanne d´Arc

Feinde Gottes und des Menschen
Ursprünge der Jagd auf die Häretiker

Die Kirche zieht ihr Schwert
Beginn der päpstlichen Inquisition

Der Tod des Ketzerjägers
Hassprediger Konrad von Marbung

Südfrankreich steht in Flammen
Die Katharer

Gral gesucht
Der Schatz der Katharer

Freitag der 13.
Die Vernichtung des Templerordens

Rache für Jan Hus
Der Hussitenkrieg

Bloody Mary & Co.
Die Anti-Reformer

Im Kerker des Grauens
Die Spanische Inquisition

Die „Wiedertäufer“
Ein König für Münster

Der Fall Galilei
Die berühmteste Akte der Inquisition

Und keine Ende …
Glaubenskampf heute

 

Weitere Themen

Blickpunkt
200 Jahre Krupp

Neue Serie! Monster und Fabelwesen
Das Einhorn

Geschichte im Alltag
Karussell, Achterbahn, Autoscooter

Porträt
Franz Liszt – Superstar am Konzertflügel

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