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Meuterei im Ersten Weltkrieg

Der Kieler Matrosenaufstand

In den Schlusswehen des Ersten Weltkrieges soll die deutsche Flotte eine letzte aussichtslose Seeschlacht schlagen. Doch im Spätherbst 1918 meutert die Marine. Innerhalb weniger Tage breitet sich ihr Aufstand zu einer Revolution aus

Die Matrosen wollen nicht akzeptieren, dass sie in den sicheren Tod geschickt werden sollen | Symbolfoto © istockphoto.com/piola666

 

von Dirk Liesemer

Gerüchte kursieren an Bord der deutschen Kriegsschiffe. Kürzlich hieß es, der Kaiser sei tot. Er habe Suizid begangen. Dann wurde erzählt, der Generalfeldmarschall sei kindisch geworden. An diesem 28. Oktober 1918 ist zu hören, dass eine feindliche Flotte auf Helgoland zusteuert: 150 britische und amerikanische Kriegsschiffe wollten die Nordseefestung einnehmen.

Jahrelang hat der Matrose Richard Stumpf eine Seeschlacht herbeigesehnt. Jetzt beobachteter von Bord der SMS „Wittelsbach“ aus, wie die Schiffe der Kaiserlichen Flotte auf einen Seegang vorbereitet werden. Stumpf hatte gejubelt, als der Krieg begann. Doch nur ein Mal war die Flotte ausgerückt, zur letztlich sinnlosen Skagerrakschlacht.

Das Verhältnis zu den Vorgesetzten könnte schlechter nicht sein

Sah Stumpf in den Schiffen anfangs lebendige Wesen, kommen sie ihm jetzt nur noch vor wie Kohlen fressende Ungeheuer. Und wie seine Kameraden leidet er unter den Vorgesetzten,von denen sie als Pack, Dreckskerle und Schweinebande beschimpft werden.

Diese sadistischen Offiziere, notierte er bereits, hätten ihm die Liebe zum Vaterland ausgetrieben. Während Stumpf sich fragt, ob es in eine Schlacht gehen soll, versammelt Admiral Franz von Hipper die Geschwaderchefs auf seinem Flaggschiff „Baden“. Als Chef der Hochseeflotte erteilt er gegen 20 Uhr einen der letzten großen Befehle dieses Krieges: Alle Schlachtschiffe – vier Geschwader mit mehr als 30 000 Mann – sollen sich vor der Küste Ostfrieslands sammeln.

Niemand glaubt an den Erfolg des Unterfangens

Von dort aus will man England angreifen. Um das Manöver nicht zu gefährden, hat man Kaiser Wilhelm II. nur eine Andeutung gemacht. Reichskanzler Max von Baden ahnt nichts vom Plan einer finalen Seeschlacht. Man will ihn ohnehin wieder loswerden. Niemand in der Marineführung glaubt, dass die Seeschlacht zu gewinnen ist. Aber die Marine kann mit dem Angriff beweisen, dass sie nicht bloß im Hafen schläft, wie es überall heißt.

Nur mit einer Schlacht, so spekulieren die Militärs, wäre der Sinn der Marine bewiesen und ihre Macht bliebe auch nach dem Krieg erhalten.Während die Vorbereitungen laufen und dabei ständig hintertrieben werden, erfahren die Seeleute von Funkern, dass etwas Großes geplant ist. Was genau, ahnen sie erst in der Frühe des 30. Oktober: Gegen halb fünf Uhr wecken Matrosen der „Markgraf“ ihre Kameraden.

Besoffene Offiziere skandieren kriegerische Lieder

Ein Oberheizer berichtet, was sich in der Nacht in der Offiziersmesse zugetragen hat: Besoffener als sonst hätten die Offiziere von einer Fahrt an die englische Küste gebrüllt, einem letzten Angriff und gesungen: „Dir woll’n wir unser Leben weih’n. Du Flagge schwarz-weiß-rot.“ Kein Matrose will einen so wahnwitzigen Angriff mitmachen. Dadurch würden nur die Friedensverhandlungen mit Amerika gestört.

Jetzt weigern sich Seeleute der „Thüringen“, ihre Plätze in den Gefechtsstationen einzunehmen. Sie verbarrikadieren sich stattdessen im Vorderschiff…

Sie wollen wissen, wie es weitergeht? Lesen Sie die ganze Geschichte in der aktuellen Ausgabe: „1918-1919. Revolution in Deutschland“

Zuletzt geändert: 17.10.18