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Karge Kost

Die Küche der Wikinger

Ein Horn mit Wein oder Met, saftiges Fleisch über dem Feuer – so stellen sich die meisten die Essgewohnheiten der Wikinger vor. In ihrer Küche der Skandinavier sah es jedoch ganz anders aus.

Rekonstruiertes Wikingerschiff

Die Wikinger sind vor allem als Seefahrer bekannt. In erster Linie waren sie aber Bauern, was sich auch in ihrer Ernährung niederschlug. Rekonstruiertes Wikingerschiff auf Island. | © istockphoto/stockcam

Die Wikinger waren vor allem eins: Bauern. Keine blutgierigen und brandschatzenden Krieger. Doch wie können wir heute in Erfahrung bringen, was auf ihrem Speiseplan stand? Hier helfen vor allem die Archäologen, die zahlreiche Nahrungsreste ausgegraben, aber auch den Mageninhalt von gefundenen Moorleichen untersucht haben. Auch Beschreibungen in den überlieferten Sagas liefern Informationen über die Ess- und Trinkkultur der Wikinger.

Etwas, das fast täglich auf dem Teller landete, war Getreidebrei oder -mus. Der Brei konnte auch mit Nüssen, Früchten oder Kräutern geschmacklich variiert werden – quasi der Vorläufer des heutigen Müslis. Die Wikinger bauten vor allem Roggen, Gerste und Hafer an, da sich diese Getreidesorten als am widerstandsfähigsten erwiesen hatten. Das heute in Mitteleuropa so beliebte Weizenkorn galt bei den Wikingern als besonders hochwertig, war sehr selten, und hatte dementsprechend auch den Namen „Getreide der Reichen“. Für die Herstellung von Brot wurde das Getreide zunächst mit einem Reibstein gemahlen. Dies erklärt übrigens den schlechten Zustand der Zähne bei auch noch recht jungen Wikingern, deren Skelette die Archäologen im Lauf der Jahre gefunden haben. Durch das Mahlen sind in das Mehl kleinste Steinchen gelangt, die später mit dem Brot zerkaut wurden und damit die Zähne schädigten. Allerdings gehörte Brot nicht zum täglichen Speiseplan, da es sich nicht lange hielt und schnell hart wurde.

Fisch machte die Wikinger groß

Die Wikinger waren außerdem als Viehzüchter bekannt: Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine – stets achteten die Skandinavier darauf, möglichst viel Vieh zu besitzen. Aus diesem Grund gab es auch keinen Mangel an Milch, die zu verschiedensten Erzeugnissen weiterverarbeitet wurde. Aber: Trotz der Menge an Vieh aßen die Wikinger gar nicht so oft Fleisch. Meistens wurde nur zu Festtagen oder besonderen Anlässen ein Tier geschlachtet. Wichtiger war die Milch- und Wollproduktion.

Was die Wikinger stets essen konnten, war Fisch. Die durchgehende Eiweißzufuhr erklärt übrigens auch den Größenunterschied zwischen den Männern aus dem Norden und den Germanen. Mindestens zehn bis fünfzehn Zentimeter waren die Wikinger größer, und das lag allein daran, dass sie selbst bei Missernten ausreichend Eiweiß zu sich nehmen konnten, welches das Wachstum förderte.

Milch und Wasser waren die Hauptgetränke

Wenn es um das Trinken ging, bildeten Wasser und saure Milch den Hauptbestandteil der flüssigen Ernährung. Aber auch das Bierbrauen war den Wikingern bekannt und bei ihnen sehr beliebt. Es wurde meistens aus Gerste oder aus Hafer gebraut. Sie unterschieden zwischen Dünn- und Starkbier. Ersteres wurde beinahe täglich getrunken und auch gerne auf Schiffsreisen mitgenommen. Das Starkbier behielt man sich für Feste vor, bei denen es den Sagen nach immer in großen Mengen getrunken wurde.

Wein war dagegen nur durch den Handel im hohen Norden erhältlich und dadurch eine wirkliche Seltenheit. Mit der Zeit der Wikingerüberfälle  vermehrte sich der Weinvorrat, einzig und allein aus dem Grund, dass sie zu allererst in Klöstern und Kirchen den Weinkeller plünderten. Nur Obstwein, beispielsweise aus Äpfeln, konnten die Wikinger selbst produzieren.
Und um noch mit einem Klischee aufzuräumen: Der heute als typisch mit den Wikingern verbundene Met wurde zwar auch von ihnen getrunken, allerdings nicht sehr oft. Met hielt sich nicht sehr lange und wurde deswegen nur für besondere Anlässe hergestellt und dann auch sofort getrunken.

 

Julia Rienäcker

 

Zuletzt geändert: 02.06.2015

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