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Der Erste Weltkrieg im Orient

Gallipoli und der Untergang des Osmanischen Reichs

Gallipoli erinnert Neuseeländer und Australier bis heute an ein nationales Trauma. Die Alliierten wollten von der Halbinsel aus Istanbul erobern.

Die Schlacht von Gallipoli

Osmanische Soldaten bei der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg. | © Library of Congress

 

Der schottisch-australische Liedermacher Eric Bogle hat dem Blutvergießen ein Musikstück gewidmet: Sein bekanntes Lied „And the Band Played Waltzing Matilda“ schildert die verlustreiche Schlacht von Gallipoli aus Sicht eines fiktiven australischen Soldaten. Zwischen dem Anfang der Offensive im April 1915 und dem Ende der Evakuierung im Januar 1916 verlor vor allem das ANZAC (Australian and New Zealand Army Corps) verhältnismäßig viele Soldaten im Stellungskrieg um die Dardanellen. Zehntausende Soldaten aus den beiden Ländern wurden an der türkischen Küste regelrecht verheizt. Von allen Alliierten hatten die Australier im gesamten Kriegsverlauf die prozentual höchsten Verluste zu beklagen. Noch heute wird der Gefallenen am „ANZAC Day“ in ihrer Heimat gedacht.

Durch Gallipoli wurde Australien eine Industrienation

Für den zu Zeiten des Ersten Weltkriegs jungen Staat Australien sind der Krieg und Gallipoli bis heute viel mehr als die Erinnerung an eine blutig verlorene Schlacht: Durch Rüstungsexporte legte das Land den Grundstein für eine Zukunft als Industrienation. Viele verorten rückblickend die Geburt der australischen Nation in den Stellungskrieg auf der türkischen Halbinsel. Doch nicht nur die Entente-Verbündeten vom anderen Ende der Welt mussten einen hohen Blutzoll entrichten: Bei der Schlacht von Gallipoli fielen auf beiden Seiten insgesamt über 100.000 Soldaten.

Enver Pascha, Oberbefehlshaber des Osmanischen Reichs, träumte von einem Herrschaftsgebiet, das alle türkisch sprechenden Menschen vereinen sollte. Das war mit dem Russland, das ebenfalls Interessen in der Region verfolgte, nicht zu machen. „Der kranke Mann am Bosporus“, wie das marode Osmanische Großreich von den Zeitgenossen genannt wurde, überstand den Ersten Weltkrieg trotz des Sieges von Gallipoli nicht. Zu weitläufig und unkontrollierbar war das Imperium geworden, um es noch beherrschen zu können. Außerdem stellten nationale Bestrebungen in entlegenen Reichsteilen den Vielvölkerstaat vor eine unlösbare Zerreißprobe.

Lawrence von Arabien trug zum Sieg der Briten bei

Auf der osmanisch dominierten Arabischen Halbinsel trug dazu auch der Brite T. E. Lawrence bei, der als „Lawrence von Arabien“ Legendenstatus genießt. Ab 1916 versetzte er, obwohl Ausländer, als einer der Anführer des Aufstandes arabischer Stämme mit seiner Guerillataktik die Besatzer in Angst und Schrecken. 20.000 Pfund waren zwischenzeitlich auf den Kopf des umtriebigen Orientexperten ausgesetzt. Wichtiger als der militärische Erfolg war dem Strategen der Ruf, der ihm und seinen beduinischen Kamelreitern vorauseilte. „Umherströmend wie ein Gas“ verbreiteten Lawrence und seine Truppen das Lauffeuer der Rebellion in den weitläufigen Wüsten – so beschrieb zumindest Lawrence selbst sein Vorgehen in Notizen. Am Ende verdankten die Briten ihre Sieg auch Lawrence. Im Dezember 1917 fiel Jerusalem, 1918 folgte Damaskus. Damit war die Vorherrschaft der Osmanen in Palästina beendet.

Christoph Koitka

 

 

 

Zuletzt geändert: 02.06.2015

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